♫ Pinocchios Abenteuer: Grille, Schnecke, Blaue Fee – Fuchs und Kater…
29. Januar 2010 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühne, Inszenierung, Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Inszenierung, Kinder/Jugend Kultur, Oper, Pinocchios Abenteuer, Z bis A
Pinocchios Abenteuer
mit Musik von Jonathan Dove
Stuttgarter Staatsoper
Geppetto der Schreiner Michael Ebbecke schnitzt Pinocchio Tina Hörhold mit soviel Energie aus einem Holz, dass nicht nur die Späne, sondern auch die Stechbeitel fliegen – in den Orchestergraben. Mit so viel Schwung geht die Oper weiter. Eine Episode von Pinocchio, dem frechen „italienischen Struwwelpeter“, der sich gegen jede Erziehung sträubt, reiht sich an die andere.
Die Frage nach dem Schönsten – die einfallsreiche Inszenierung von Markus Bothe, die stimmlich hervorragenden Sänger, dem Staatsorchester unter der Leitung von David Parry, Bühnen(zeichnung)bild von Robert Schweer, Kostüm-Kunstwerke von Justina Klimczyk, ausdrucksstarker Chor in der Einstudierung von Michael Alber und Simon Zimmermann mit der Choreographie von Ivo Bärtsch, überraschende Effekte… – ist leicht zu beantworten:
ALLES
Tina Hörhold als Pinocchio – große Leistung – glänzt nicht nur gesanglich, sondern auch mit dem hölzernen Gang. Darin wird sie von Inga Lampert in der Alternativbesetzung noch übertroffen. Die hält ihre klappernden Bewegungen konstant über zwei Stunden durch. Leider ist vom Text nicht viel zu verstehen, aber Mimik und Gestik machen es wieder wett.
Taube und Schnecke, beides Hilke Andersen, bestechen nicht nur durch die weiche Stimme, sondern auch durch ihre Bewegungen. Die Taube gurrt, trippelt und nickt dabei mit dem Kopf. Zwischendurch sammelt sie Körner auf. Die Schnecke schleimt sich mit fließenden Bewegungen voran. Besonders gut kommt der Text bei den Kindern an: „Weeelche Eieile…“
Fuchs (Michael Hofmeister mit hohem Tenor) und Kater (Hans Kittelmann mit seiner unverwechselbaren Stimme) schleichen sich an. Das Zirpen mit den Vorderbeinen (Flügeln) beherrscht Yuko Kakuta als Grille perfekt, ebenso dreht sie den Kopf wie ein richtiger Papagei, der auf der Stange sitzt und Pinocchio in höchsten Tönen auslacht. Weitere Tiere mit typischen Bewegungen wie die hoppelnden Kaninchen oder die Schwimmbewegungen der Fische treiben die Handlung voran.
Der Blauen Fee gibt Catriona Smith mit ihrem warmen Sopran eine mütterliche Gestalt. Sie rettet alles in letzter Minute, sogar von einer Schaukel aus, hoch über der Bühne.
Ständig im Wandel: (Männer)Chor der Lehrerinnen – alle mit Dutt über strengen Gesichtern, wallendem Busen unter weißen Spitzenblusen, langen Röcken und Rohrstock in der Hand; oder als Schulbuben mit kurzen Hosen, oder Köche mit Pappplatten mit der Aufschrift Pizza, oder in mehrfacher Ausführung als Batman durch die Luft fliegend.
Da gibt’s nur eins: selber sehen und hören!
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Pinocchios Abenteuer mit Musik von Jonathan Dove
Nach einer Geschichte von Carlo Collodi
Staatsoper Stuttgart
Musikalische Leitung David Parry
Regie Markus Bothe
Choreographie Ivo Bärtsch
Bühne Robert Schweer
Kostüme Justina Klimczyk
Licht Rainer Janson
Chor Michael Alber, Simon Zimmermann
Dramaturgie Barbara Tacchini
Besetzung
Pinocchio Tina Hörhold / Inga Lampert
Geppetto Michael Ebbecke
Grille / Papagei Yuko Kakuta
Feuerschlucker / Affe / Zirkusdirektor / Bauer Graeme Broadbent
Kater Hans Kittelmann
Fuchs / Kutscher Michael Hofmeister
Blaue Fee Catriona Smith
Taube / Schnecke Hilke Andersen
Lampwick Nam Won Huh
Ausrufer Christoph Sökler
Arlecchino Nik Kevin Koch
Rosaura Pinelopi Argyropoulou
Pantalone Ipca Ramanovic
Trommelmacher Don Lee
Kohlenhändler Dionysios Tsaousidis
Maurer Carlos Zapien
Vornehme Leute (Chorsoli)
Projektchor Pinocchio
Staatsorchester Stuttgart
Thema “Oper”
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Ich war mit meinen Kindern und der Schwiegermutter, die wenig deutsch versteht, in der Vorstellung. Neben meinen Kindern (ist dich klar) hat es besonders meiner Schwiegermutter gefallen, obwohl sie sonst eine ganz andere Art von Musik liebt. Pinochio sprengt alle Grenzen!
Ich denke das diese Aufführung noch lange bleiben wird, sowohl in der Oper, als auch im Gedächtnis der Zuschauer. Meinen Enkeln hat die Grille am besten gefallen. Noch tagelang flatterten sie mit den Flügeln und “tschiepten” bei jeder Gelegenheit.
Lustig, ich hätte garnicht gedacht, das das bei Kindern so einschlagen kann. Bei meiner kleinen Nachbarin, die ich zu dieser Vorstellung eingeladen habe, war es die blaue Fee. Jetzt bekomme ich es mit den Elten zu tun, weil die Kleine unbedingt so ein blaues Prinzessinnenkleidchen haben möchte.
Das finde ich herrlich, das es noch andre Kinder gibt, die sich dadurch anregen lassen. Bei uns wurde alles nahcgespielt, und zwar bis es einen ganz anderen Inhalt bekam. Eindeutige Sieger waren dabei die Taube mit Pinochio huckepack und der Papagei. Bei uns saß er allerdings auf dem Schrank.
Bis jetzt wurde immer nur von der Inszenierung gesprochen, die ja wirklich einzigartig ist. Das muss der Neid euch lassen. Von der Musik hat bisher keiner ein Wort verloren. Kein wunder, denn die ist wirklich keines Staatstheaters würdig. In einem Operettenhaus oder Musicalhalle wäre diese “Oper” wohl besser aufgehoben.
Es gibt doch Leute, die müssen an allem was zu bekritteln haben, selbst an einer Vorstellung, bei der de Kinder vor Begeisterung toben und die Erwachsenen glänzende augen bekommen. Vielleicht sollten wir wieder das Staunen lernen, Herr Stradivari!
Die Stuttgarter Staatsoper ist wirklich immer ein Besuch wert und auf jeden Fall empfehlenswert.