Pinocchios Abenteuer: von ausgestopften Hasenschenkeln bis zu lebensgroßen Marionetten

2. Februar 2010 | Von | Kategorie: Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Bühnenbild und Kostüme, Frauenkultur, Kinder/Jugend Kultur, Kunst - Handwerk - Architektur, Pinocchios Abenteuer, Z bis A

Kostüme von Justina Klimczyk in „Pinocchios Abenteuer“

Stuttgarter Staatsoper
Grüner Anzug mit seitlich ausgestopften Sprungbeinen und hinten Flügeln, auf dem Kopf eine Maske mit Augen, Nase, Mund, darunter das grün angemalte Gesicht von Yuko Kakuta – (fast) fertig ist die Grille. Durch die typischen Flügelbewegungen und ihr hohes „tschiep, tschiep“ wird sie lebendig. Viele prall ausgestopfte Schenkel, wohin man blickt: Grille, Kater, Fuchs, Kaninchen sehen aus wie in dem Kinderbuch „Die Hasenschule“, in der die Häschen aufrecht laufen und Anzüge tragen. Die Kostüme von Justina Klimczyk, besonders die Tierkostüme, sind ein Gedicht.

Die Hasen hoppeln; die Vögel flattern, mit ausgebreiteten Flügeln seitlich der dicken Bäuche, trippeln und hüpfen auf dünnen Beinen hin und her, zum Leben erweckt durch die Sänger. Hilke Andersen spielt die Schnecke so natürlich – auf dem Kopf zahlreiche Fühler, auf dem Rücken ein Schneckenhaus, eine lange, spitz zulaufende, Schärpe als Schwanz – dass sie beim abschließenden Verbeugen von den Kindern fast ausgebuht wird. Kommt sie doch tatsächlich – mit der Schwanzschärpe über dem Arm – auf die Bühne gelaufen!

Die Kulissen von Robert Schweer scheinen aus einem Bilderbuch ausgeschnitten, alles nur sehr viel größer, wie mit schwarzer Tinte gezeichnet und dazwischen koloriert. Selbst die Kostüme tragen noch die Tintenstriche. Pinocchios (Tina Hörhold) Holzmaserung ist auf Gesicht, Arme, Beine, Latzhose und Hemd aufgezeichnet. Die Blaue Fee (Catriona Smith) sieht immer aus wie aus dem Ei gepellt mit ihrem akkurat ausgestellten Rock mit den aufgemalten Falten; passend zum hellblauen Kleid die dunkelblaue Frisur. Aufgemalte Bretter und Steine bilden das Haus der Blauen Fee.

Eine besondere Augenweide sind die lebendigen Marionetten in einer Wanderbühne. Sie hängen an Fäden, verknäueln sich, verhaspeln sich vor Freude über das Wiedersehen mit Pinocchio und drehen sich wieder mit hölzernen Bewegungen auseinander. Ebenfalls an Fäden hängen die beiden uniformierten Wachmänner, die das Theater öffnen und schließen. Einer hat breite Schultern, der andere breite Hüften, und beide ziert ein gepflegter, breit gezwirbelter Schnurrbart.

Sie sind einfach zum Verlieben.

Mehr von Pinocchio:


Pinocchios Abenteuer mit Musik von Jonathan Dove
Nach einer Geschichte von Carlo Collodi
Staatsoper Stuttgart
Musikalische Leitung David Parry
Regie Markus Bothe
Choreographie Ivo Bärtsch
Bühne Robert Schweer
Kostüme Justina Klimczyk
Licht Rainer Janson
Chor Michael Alber, Simon Zimmermann
Dramaturgie Barbara Tacchini

Besetzung

Pinocchio Tina Hörhold / Inga Lampert
Geppetto Michael Ebbecke
Grille / Papagei  Yuko Kakuta
Feuerschlucker / Affe / Zirkusdirektor / Bauer Graeme Broadbent
Kater Hans Kittelmann
Fuchs / Kutscher  Michael Hofmeister
Blaue Fee Catriona Smith
Taube / Schnecke Hilke Andersen
Lampwick Nam Won Huh
Ausrufer Christoph Sökler
Arlecchino Nik Kevin Koch
Rosaura Pinelopi Argyropoulou
Pantalone Ipca Ramanovic
Trommelmacher Don Lee
Kohlenhändler Dionysios Tsaousidis
Maurer Carlos Zapien

Vornehme Leute (Chorsoli)

Projektchor Pinocchio
Staatsorchester Stuttgart

Thema “Oper”
- “Bühnenbild Kostüme”
- “Hauptsache Kinder”
- “Humor”
- “Inszenierung Regie”
- “Opernhandlung Libretto Inhalt”
- “Persönliche Empfehlung”
- “Pinocchios Abenteuer”
- “Presseartikel: Oper”

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Ein Kommentar auf "Pinocchios Abenteuer: von ausgestopften Hasenschenkeln bis zu lebensgroßen Marionetten"

  1. Diese “lebenden” Marionetten sind wirklich allerliebst. Ich kann das nur bestätigen!

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