Pinocchios Abenteuer: Theater im Schuhkarton – überdimensional
2. Februar 2010 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühne, Inszenierung, Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Bühnenbild und Kostüme, Inszenierung, Kinder/Jugend Kultur, Pinocchios Abenteuer, Z bis A
Bühnenbilder von Robert Schweer
in „Pinocchios Abenteuer“.
Die Kutsche Richtung Spaßland besteht aus einer ausgesägten flachen Holzplatte mit aufgemaltem Wagen und Rädern. Mitten drin befindet sich eine Tür, durch die Pinocchio (Tina Hörhold) und Lampwick (Nam Won Huh) einsteigen und sich scheinbar gegenüber hinsetzen, jedoch sind unten ihre Füße zu sehen. Mal bewegen sie sich vor, mal zurück, und natürlich ruckeln dabei auch Pinocchio, Lampwick und der Kutscher (Michael Hofmeister), der sich hinterher als Bösewicht herausstellt.
Die Bühne sieht aus wie ein riesiges, aufgeklapptes Bilderbuch.
Mit dicken Tintenstrichen sind die Konturen von Häusern, Bäumen, Wolken – ja selbst Kostümen – gemalt und regt die Fantasie sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen an. Zum Beispiel ist deutlich zu sehen, wie schwer Pinocchio an den Eimern trägt, obwohl die Eimer vollkommen flach sind und aus Pappe. Ebenso wie die gemalten, schäumenden Gischtwellen, zwischen denen sich der Chor der Fische auf und ab bewegt, vorn und hinten – klappstullenartig – mit einem halben Plattfisch bestückt. In dieser Unterwasserwelt werden die Wellen-Kulissen wie im Schuhkarton-Papiertheater hin und her geschoben. Der riesige Raubfisch am Stirnende der Bühne, in der sich Pinocchio und sein ebenfalls verschluckter Vater Geppetto (Michael Ebbecke) wiederfinden, erinnert an eine überdimensionale Laubsägearbeit.
Programmheft
Einen ganz besonderen Hinweis verdient das liebevoll gestaltete Programmheft mit seiner Einlage speziell für ein junges Publikum (Barbara Tacchini), das sogar einen Bastelbogen für ein Minitheater enthält. Aus einer Vorlage schneiden die Kinder die Theaterkulissen aus, kleben sie an bestimmte Stellen zusammen und können die Oper selbst noch einmal durchspielen. Und wie es sich für ein richtiges Programmheft gehört, informiert es über die Entstehung der Oper, beginnend beim Erfinder der Geschichte, Carlo Collodi, über den Komponisten Jonathan Dove, berichtet über die Arbeit des Bühnenbildners Robert Schweer und der Kostümbildnerin Justina Klimczyk. Fotos aus den Werkstätten veranschaulichen die gewaltigen Dimensionen der Kulissen. Die Arbeit des Regisseurs Markus Bothe mit den Sängern sind ebenfalls mit Wort und Bild dokumentiert. Außerdem enthält diese Beilage noch ein Würfelspiel mit verschiedenen Stationen der Abenteuer Pinocchios und ein Kreuzworträtsel (Janis Vollert, Sofie Kienzle), dessen Lösung nicht nur für Pinocchio ein Reizwort darstellt.
Diese Familienoper ist bis ins kleinste Detail durchdacht und ausgestaltet – echt cool!
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Pinocchios Abenteuer mit Musik von Jonathan Dove
Nach einer Geschichte von Carlo Collodi
Staatsoper Stuttgart
Musikalische Leitung David Parry
Regie Markus Bothe
Choreographie Ivo Bärtsch
Bühne Robert Schweer
Kostüme Justina Klimczyk
Licht Rainer Janson
Chor Michael Alber, Simon Zimmermann
Dramaturgie Barbara Tacchini
Besetzung
Pinocchio Tina Hörhold / Inga Lampert
Geppetto Michael Ebbecke
Grille / Papagei Yuko Kakuta
Feuerschlucker / Affe / Zirkusdirektor / Bauer Graeme Broadbent
Kater Hans Kittelmann
Fuchs / Kutscher Michael Hofmeister
Blaue Fee Catriona Smith
Taube / Schnecke Hilke Andersen
Lampwick Nam Won Huh
Ausrufer Christoph Sökler
Arlecchino Nik Kevin Koch
Rosaura Pinelopi Argyropoulou
Pantalone Ipca Ramanovic
Trommelmacher Don Lee
Kohlenhändler Dionysios Tsaousidis
Maurer Carlos Zapien
Vornehme Leute (Chorsoli)
Projektchor Pinocchio
Staatsorchester Stuttgart
Thema “Oper”
- “Bühnenbild Kostüme”
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Schön, dass auch mal jemand etwas über das Programmheft schreibt. Die Arbeit der sympatischen Barbara Tacchini wird viel zu wenig gewertet. Dabei hat sie die Kinderoper im Kammertheater auf einen Stand gebracht, der keine Vergleiche schäuen muss!
Robert Schweer hat für das Schauspiel Frankfurt ein Bühnenbild für das Jugendstück “Der rote Ritter Parzival” gezaubert, das technisch hochanspruchsvoll (für Drehbühne und mit 5(!) Räumen), sehr komplex und vor allem keine Minute langweilig ist. Ein Bühnenbildner, der sich offensichtlich sehr genau daran erinnert, dass es um TheaterSPIELEN geht.
die Bühnenbilder von Robert Schweer haben es mir auc angetan. Verblüffend, wie räumlich diese zweidimensionalen Kulissen wirken.