Pelléas et Mélisande in der Staatsoper Stuttgart – Stiefbruder und Einbrecherin
16. Februar 2010 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Inszenierung, Pelléas et Mélisande, Z bis APelléas et Mélisande von Claude Debussy
Staatsoper Stuttgart
Diese Oper (eigenwillige Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito) umfasst sieben Personen, die in einem Mehrgenerationenhaus immer wieder aufeinander treffen. Sie gehen keiner geregelten Beschäftigung nach, sondern vertreiben sich die Zeit auf unterschiedliche Weise. Großvater Arkel (volltönender Liang Li), Mutter Geneviève (Carmen Mammoser mit warmer Altstimme) und Sohn Golaud (kräftiger Bariton Oliver Zwarg) wirken nach außen hin gleich alt, so um die fünfzig. Den jüngsten Eindruck hinterlässt der Großvater. Die Zeit vertreibt er sich mit Stricken, kifft vor sich hin, massiert der Mutter den Nacken und und schleppt sie ins Schlafzimmer ab.
Die elegante Mutter strahlt Ruhe und gute Laune aus, obwohl doch ihr Mann – laut Libretto – sterbenskrank danieder liegt. Der Sohn Golaud sieht schon am Anfang alt aus und setzt diesen Trend bis zum Ende hin fort, wenn er als eigentlicher Verlierer zurück bleibt. Sein entwicklungsverzögerter Stiefbruder Pelléas (lyrischer Roman Shulackoff) beschäftigt sich mit Tauchen und Surfen. Zu dieser Wohngemeinschaft gehört noch der antiautoritär erzogene Enkel Yniold (gekonnt pubertäre Yuko Kakuta), Golauds Sohn aus erster Ehe, der sich in diesem Haushalt fürchterlich langweilt. Er tuckert abwechselnd mit einem Panzer und einem Kinderwagen durch die Gegend, beschmiert die Wände und versucht durch Provokationen auf sich aufmerksam zu machen.
In diese nette Familie platzt Mélisande (hell und klar Michaela Schneider), eine hungrige Diebin, die bei ihrem nächtlichen Einbruch von Golaud überrascht wird. Obwohl sie ihn anfleht, sie nicht anzufassen, begrapscht er sie ausgiebig und schlägt ihr vor, bei ihm zu bleiben. Mélisande fällt sofort auf, dass er schon alt ist und nicht zu ihr passt, sieht aber keine Alternative. Hervorragend spielt Michaela Schneider diese Frau im Zwiespalt, die sich aber immer wieder fügt. Sobald der Ekel in ihr aufsteigt, kommt hungrig und zerzaust ihr voriges ICH aus dem Hintergrund, durchsucht die Schränke nach Essbarem und verschwindet wieder. Ihre zart aufkeimende Liebe zu Pelléas wagt sie nicht einzugestehen. Ihm geht es ebenso.
Ausgetauscht sind die Schauplätze, das Thema ist gleich geblieben. Diese Oper besticht nicht nur mit einem überzeugenden Staatsorchester (Leitung Peter Schrottner) und hervorragenden Stimmen, sondern auch mit Sängerinnen und Sängern, die ihre Figuren überzeugend darstellen. Eine gelungene Kombination von Schauspiel und Oper.
Pelléas et Mélisande von Claude Debussy
Staatsoper Stuttgart ![]()
Musikalische Leitung Peter Schrottner
Inszenierung und Dramaturgie Jossi Wieler und Sergio Morabito
Szenische Leitung Aurelia Eggers
Bühne und Kostüme Kazuko Watanabe
Licht David Finn, Susanne Reinhardt
Besetzung
Arkel Liang Li
Geneviève Carmen Mammoser
Pelléas Roman Shulackoff
Golaud Oliver Zwarg
Mélisande Michaela Schneider
Yniold Yuko Kakuta
Arzt Don Lee (Opernstudio)
Thema “Oper”
- “Bühnenbild Kostüme”
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38
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Nach diesem reißerischen Untertitel habe ich etwas ganz anderes erwartet als eine positiver Besprechung. Dem titel nach zu urteilen müßte es wieder etwas an den Haaren herbeigezogenes sein. Nach dem Text zu urteilen scheint es ans Gemüt zu gehen. Vielleicht werde ich in dei Vorstellung gehen. Vielleicht ist sie genau so ambivalent wie der Text oder wie ich es bin.
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Gibt es zu dieser Oper keine Inhaltsangabe? Ich hätte zu gerne gewußt, wie es im Original ist.
Das Original ist ganz anders. Hier fehlt der Wald und die Lichtung und die dunkle Burg. Bei dieser Oper müssen einem die Haare zu Berge stehen!