Anton Reiser – ein Bild für die Göttinnen
10. März 2010 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Anton Reiser, Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Bühnenbild und Kostüme, Inszenierung, Mann im Buch, Mann oh Mann, Z bis ASchauspiel nach dem Roman von Karl Philipp Moritz
im Depot in Stuttgart
Können Sie sich noch erinnern?
Es muss so in den Siebzigern gewesen sein, als alle Männer plötzlich in ihrer zwölften Pubertät steckten, ihre Analphase nicht ordnungsgemäß hinter sich gebracht hatten oder ständig Misserfolgserlebnisse mit Frauen vorweisen konnten, weil sie von Müttern, Großmüttern, Tanten und so weiter in ihrer frühkindlichen Identifizierungsphase falsch behandelt oder gar abgelehnt wurden.
All diese Männer hatten schon einen Vorgänger – lange vor Freud:
Anton Reiser alias Karl Philipp Moritz
Der schrieb vor 220 Jahren seine Biografie, die im Depot in Stuttgart aufgeführt wird. Nie im Leben hätte ich freiwillig mehr als drei Seiten dieses Buches gelesen.
Sie spielen in der Originalsprache.
Jawoll – sie, denn es sind drei (Thomas Eisen, Sebastian Schwab, Peter Sikorski ), die sich diese Person teilen. Dieser Regie-Einfall (Anja Gronau) macht den Reiz aus. Die Pantoffelhelden-Drillige sind vollkommen mit sich selbst beschäftigt und schaukeln sich gegenseitig hoch.
Jammerbüddel, dein Name sei MANN.
Die/Den sehen – und jede Frau kennt nach fünf Minuten nur noch einen Gedanken: “Wie werde ich den Kerl wieder los, möglichst schnell und für immer!”
Ein Bild für die Göttinnen
Herrlich ist die Trainings-Szene, in der sie sich bei einem Gönner einschleimen möchten. Sie üben das vor-ihm-auf-dem-Boden-kriechen:
- Flach auf den Bauch legen,
- Knie anziehen und mit Ellenbogen und Hintern ein Dreieck bilden,
- Arme nach vorn schieben,
- Kopf und Augen auf dem Boden lassen,
- Knie soweit anziehen, dass Ellenbogen flach liegen,
- Hintern…
Auf diese Art raupen sie sich quer durch den Raum, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Mal der eine, mal der andere, mal zusammen…
Und die Kostüme (Olaf Habelmann) erst, die Kostüüüme!
Einer (Thomas Eisen) trägt eine Sturmfrisur, als ob er gerade aus dem Bett gestiegen ist und nicht weiß, wo sich der Kamm versteckt.
Den anderen (Sebastian Schwab) zieren blaue Strümpfe mit Laufmaschen zu ausgelatschten Plastik-Badeschlappen.
Der Dritte (Peter Sikorski) verkriecht sich in einem Pullover, der sich langsam in seine Bestandteile auflöst. Einen Knäuel mit der aufgerebbelten Wolle hält er tapfer in der Hand.
Die Drei sind so herrlich verloddert, dass nicht einmal ein pathologischer Mutterinstinkt hier greifen würde.
Mein Aufruf an frau insgesamt
und Mädchen, Damen, Weiber, Fräuleins, Herrinnen, Evastöchter, Backfische, Mütter, Gebieterinnen, Bräute, Jungfern, Omas, Donnas, Schwestern, Lesben, Gemahlinnen, Jungfrauen, Weiber, Matronen, Weibsbilder, Gören, Freundinnen, Fürsorgerinnen, Lebensgefährtinnen, Maiden, Kronen der Schöpfung, Hausfrauen, Blaustrümpfe, Mamsellen, Feministinnen insbesondere:
Lassen Sie sich diese Inszenierung nicht entgehen!
Den spielfreudigen Thomas Eisen, Sebastian Schwab, Peter Sikorski macht es so viel Spaß, dass sie sich fast zu vergessen scheinen. Und das Schöne – lehnen Sie sich ganz beruhigt zurück. Sie werden nicht behelligt. Die drei wollen nicht ausbrechen, die wollen nur spielen. Und wenn sie nicht in Selbstmitleid zerflossen sind, so bedauern sie sich noch heute.
Oder sie lesen diesen Buchtipp für Frauen: Die Krone der ErSchöpfung von Chris Boettcher
- Aktuell bleiben mit rss
Anton Reiser Schauspiel nach dem Roman von Karl Philipp Moritz
im Depot in Stuttgart
Regie: Anja Gronau
Bühne: Katrin Hieronimus
Kostüme: Olaf Habelmann
Dramaturgie: Frederik Zeugke
Künstlerische Mitarbeit: Marcel Luxinger
Besetzung am 26. November 2008:
Thomas Eisen
Sebastian Schwab
Peter Sikorski
Thema “Kultur allgemein”
- “Buchtipps”
- “Geschichten”
- “Hauptsache Mann”
- “Humor”
- “Lifestyle”
- “Persönliche Empfehlung”
- “Alles Theater”
- “Bühnenbild Kostüme”
- “Inszenierung Regie”
- “Schauspiel”
6
← einfach klicken, und schon erhalten Sie ein Lesezeichen mit den brandneusten Artikeln von 8ung.info
- Kulturführertipp: Walküre in Detmold von Ralph Bollmann84 Opernhäuser existieren in Deutschland – fast so viel wie auf dem Rest der Welt. Ralph Bollmann hat sie alle besucht – nicht nur die Häuser, sondern jeweils mindestens eine Vorstellung. Seine Operntour weitete sich aus zu einer Entdeckungsreise durch die deutsche Provinz. In Neustrelitz hat es ihn gepackt, als er 1997 - mehr aus[weiterlesen ...] […]
- Romantipp: “Wintergewölbe” von Anne MichaelsUm Verlust – vom Verlieren zum Verlorensein – in seinen unterschiedlichen Facetten geht es in diesem Buch „Wintergewölbe“ von Anne Michaels. Jean verlor früh ihre Mutter und pflegt ihre Erinnerungen an sie. Die Mutter liebte Pflanzen, baute einen Garten an, nahm die Tochter mit in die freie Natur, erklärte ihr die Wildflora. Jean wächst mit[weiterlesen ...] […]
- Inhalt /Handlung: Die Zauberflöte – Oper von Wolfgang Amadeus MozartNach Ansicht der beiden ägyptischen Götter Isis und Osiris übt die Königin der Nacht einen ungünstigen Einfluss auf ihre Tochter Pamina aus. Sie schicken ihren Priester Sarastro los, um Pamina zu entführen. So etwas lässt die Königin der Nacht sich nicht so einfach gefallen. Sie überredet den Prinzen Tamino, ihre Tochter zu befreien. Das läuft[weiterlesen . […]
- Hörbuch: Garou von Leonie Swann – gelesen von Andrea SawatzkiNach ihrem großen Erfolg mit dem Schafskrimi “Glennkill” liegt ein weiterer Krimi von Leonie Swann vor – ebenfalls mit Schafen. Um es genau zu sagen, es sind genau die gleichen Beteiligten wie im vorigen Krimi. Das Personal ist das Gleiche. Es besteht aus mehr Schafen – die Verstärkung von Ziegen bekommen haben – als Zweibeinern.[weiterlesen ...] […]
- La Sonnambula in der Oper Stuttgart – allgegenwärtige Mutter TeresaDiese Operninszenierung – Die Nachtwandlerin von Vincenzo Bellini – kann als Schauspiel und Oper bezeichnet werden, denn die hervorragenden Sänger sind zu gleichen Teilen beeindruckende Darsteller. Wie gewohnt läuft der Stuttgarter Opernchor in der Einstudierung von Michael Alber zur Höchstleistung auf, wenn er nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch g […]
- Musikbuchtipp: Das große Liederbuch – mit Text, Noten und vielen bunten Bildern von Tomi UngererMit geschlossenen Augen und offenem Mund singt ein einsamer Nachtwächter sein Lied – in einer Hand die Laterne, die ihn und einen Teil der Straße in gelbes Licht taucht. In der anderen Hand hält er einen schweren Schlüsselbund. Gegen Wind und Wetter schützen ihn Hut und Umhang. Fahles Licht wirft seine Schatten auf den leeren Marktplatz;[weiterlesen ...] […]
- Hörbuchtipp: Schiffsmeldungen von Annie Proulx – Neustart in NeufundlandQuoyle verzeichnet in den 36 Jahren seines Lebens nur Misserfolge. Studium und Ausbildung bricht er ab, bei einer Zeitung wird er gefeuert. Um auf Frauen zu wirken, ist er zu dick. Seine Frau sucht sich deshalb immer neue Liebhaber. Mit einem verunglückt sie tödlich. Die beiden Töchter wurden wegen unsozialen Verhaltens aus dem Kindergarten geschmissen.[weit […]
- Inhalt / Handlung: La Sonnambula (Die Nachtwandlerin) – Oper mit Musik von Vincenzo BelliniErster Akt – Amina und Elvino verloben und entloben sich. Elvino, ein wohlhabender Bauer, möchte Amina heiraten. Amina ist die Pflegetochter der Müllerin Teresa, und damit arm. Elvino ist so verliebt, dass er darüber hinwegsieht. Bei der Verlobung vor dem Notar gibt er in der Aufstellung an, was er an Gütern in die Ehe mitbringt.[weiterlesen ...] […]
- Romantipp: Fast genial von Benedict WellsEin Roman, der die Leser mitnimmt – zum einen psychisch, zum anderen quer durch Amerika. Francis hat in seinem 18-jährigen Leben schon gute Zeiten gesehen, bevor er mit seiner psychisch labilen Mutter in einem Trailerpark landet. Ihretwegen erträgt er die Situation, obwohl sie ihn während ihrer Schübe beschimpft und angreift. Körperlich ist Francis ein Riese […]
- Bubenspitzle, Schupfnudeln, Gnocci… aus KartoffelteigKartoffeln gehören zu den Grundnahrungsmitteln – ohne sie läuft nix. Diese Regel gilt im Norden weitaus mehr als im Süden, wo traditionsbedingt lieber auf Teigwaren zurückgegriffen wird. Schupfnudeln führt Nord und Süd zusammen. Regionale Unterschiede sieht man auf den Märkten nicht so sehr an der Vielfalt, eher an den Sorten. Kartoffelfarben reichen von dun […]


|
|
Schade, dass ich diese drei Sensibelchen verpasst habe. Der Roman selbst ist nämlich gar nicht lustig.
dieses lustigmachen über Männer wird euch ü50ern noch leid tun.
Ivan der Schreckliche
Dabei wollen wir ü50er doch nur 1s >>>>>>>>>>>>>>> 1en Mann.
Wie können wir so vermessen sein und bei dem Anblick von gleich 3en noch 2feln?
Lieber allein als in schlechter Gesellschaft.