♫ „Luther“ – ein Mönch rebelliert

Schön gespieltes Geigensolo und stilvolle Kostüme

Der Papst (Karsten Jesgarz) in stilvoller Robe lässt sich von Soldaten der Schweizer Garde in einer Sänfte herumtragen. Im Vatikan tummeln sich neben Kardinälen in roter Robe allerlei Gestalten. Akrobaten (ausdrucksvolles Ballett theater hof) zeigen ihre Künste, der Kinderchor der Ministranten singt und Luther regt sich mittendrin über den Ablasshandel der Kirche auf.

In einzelnen Episoden wird das Leben Martin Luthers erzählt, von seiner – nicht ganz freiwilligen – Berufung zum Mönch, über seine Rebellion gegen den Papst, den Anschlag der Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg bis hin zu seiner Vermählung mit der ehemaligen Nonne Katharina von Bora.

Sofort fallen die Kostüme von Barbara Schwarzenberger auf. Die Bühne gleicht zeitweise einem Gemälde von Pieter Bruegel. Mitten drin Luther (Thomas Rettensteiner mit kräftigem Bariton) als Mönch, viele Nonnen rund um die Äbtissin (Stefanie Rhaue) und Katharina von Bora (Ingrid Katzengruber), die spätere Frau Luthers. Der Heiligen Anna (Yelda Kodalli) und fünf weiteren Heiligen wird ein goldener Schein verpaßt – steht ihnen aber gut ;-).

Keiner der Sänger kann wirklich überzeugen. Die stumpfe Akustik lässt den Sängern keinen Raum, ihre Stimme gelöst einzusetzen. Die weiter hinten auf der Bühne Agierenden sind wie „durch Watte“ zu hören. Die Komposition – häufig in der gleichen Lage – lässt der Stimme wenig Entfaltungsspielraum. Thilo Andersson jedoch, der langhaarige, korrekt gekleidete Teufel, fällt durch sein darstellerisches Talent auf.

Mit großem Aufwand inszeniert Uwe Drechsel am Theater Hof die „neoromantische“ Oper „Luther“, die von der Musik (Roland Baumgartner) her aber wohl eher als Musical einzuordnen ist, denn sie klingt nach undefinierbarer Kilometermusik amerikanischer Filme. Ein Großteil der Texte (Rolf Rettenberg) wird gesprochen. Leider fehlen auch hier die zündenden Dialoge, die die Handlung vorantreiben könnten. Den Sängern würde das Singen wahrscheinlich auch leichter fallen als das Sprechen, das zeitweise etwas hölzern klingt.

Arn Goerke dirigiert die Hofer Symphoniker. Der Blechbläsersatz ist oft unscharf und grob im Zusammenspiel, wobei die Tuba noch herausplatzt. Ein schön gespieltes Geigensolo am Ende verführt zum Weiterspinnen der Geschichte.

Bewundernswert ist der Aufwand, mit dem das theater hof diese Inszenierung stemmt. Sämtliche Kostüme und Bühnendekorationen wurden in den eigenen Werkstätten gefertigt. Im Finale überragt ein bühnenhoher Sensenmann (Bühnenbild Rudolf Rischer) das Ballett, den Opernchor, Extrachor, Statisterie, Kinderchor und Bühnenmusik.

 

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Märchen:


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Luther

Neoromantische Oper in 2 Akten
theater hof

Musikalische Leitung: Arn Goerke
Inszenierung: Uwe Drechsel
Bühne: Rudolf Rischer
Kostüme: Barbara Schwarzenberger
Chor: Michel Roberge
Choreographie: Barbara Buser
Opernchor theater hof
Ballett theater hof
Hofer Symphoniker

Besetzung am 10. April 2010:
Martin Luther: Thomas Rettensteiner
Katharina von Bora: Ingrid Katzengruber
Heilige Anna: Yelda Kodalli
Friedrich III., Kurfürst von Sachsen / Ablasshändler: Karsten Schröter
Johann Tetzel / Abt: Peter Dittman
Michelangelo: Jürgen Schultz
Teufel: Thilo Andersson
Papst Leo X.: Karsten Jesgarz
Äbtissin: Stefanie Rhaue
Maria, eine Jüdin: Marianne Lang
Karl I. von Spanien, der spätere Kaiser Karl V.: Christian Seidel
Bischof Albrecht von Brandenburg: Wladimir Polatynski
Jakob Fugger, Bankier: Manuel Günther
Fünf Heilige:
Aki Yamamura, Annett Tsoungi, Jozef Trzaskalik, Hans-Peter Leinhos,
Daniel Milos

Alte Frau: Zene Kruzikaite
Angestellte Tetzels: Hans-Peter Leinhos, Daniel Milos
Bettler / Zeremonienmeister: Florian Bänsch
Jörg, ein Bauernjunge: Hannes Krauß / Jonas Willardt
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