Bayreuther Festspiele 2009: “Parsifal” von Richard Wagner in der Inszenierung Stefan Herheim. |
Eine opulente Parsifal-Inszenierung, in Szene gesetzt als Historien- und Kostümoper voller Symbolgehalt – fast schon zu viel für eine einzige Oper. Es trieft nur so vor Symbolik, dass ich mich frage, ob das alles ernst gemeint sein kann.
Parsifal, bei Richard Wagner ein „reiner Tor“ auf der Suche nach dem „Heiligen Gral“, dem Befreiungstraum der Menschheitsgeschichte, muss allerhand Abenteuer durchstehen, bevor er sich und andere erlösen kann (von wem oder was auch immer). Schon Christoph Schlingensief wusste damit nicht viel anzufangen und machte eine eigene Geschichte daraus, die er über diese Oper stülpte – mit Sängern und Orchester als Hintergrundmusik.
Stefan Herheims Inszenierung hat mit Richard Wagners Original ebenfalls wenig zu tun, ist aber in sich stimmig und geht mit der Musik mit. Wunderschöne Kostüme -> siehe ♫ Parsifal im Matrosen-Anzügle – Klingsor in Strapsen – Kundry im Umziehstress
von Gesine Völlm, grandiose Bühnenbilder von Heike Scheele und durchdachte, schlüssige Szenen formen diese Inszenierung zu einem nachhaltigen Erlebnis. In drei Akten wird die Geschichte des Hauses Wagner erzählt – oder der Bayreuther Festspiele – von den Anfängen im Haus Wahnfried über das Dritte Reich bis zum neuen Bundestag in Bonn. Mit dem Neuanfang der Festspiele, als Wieland und Wolfgang Wagner die Leitung übernehmen, endet die Oper. Auf dem Vorhang projiziert erscheint der Appell von Wolfgang und Wieland Wagner, den sie 1951 anlässlich der Wiedereröffnung der Festspiele an die Festspielbesucher richten: „…von politischen Debatten auf dem Festspielhügel freundlichst Abstand zu nehmen. Hier gilt’s der Kunst.“ So einfach war das damals.
Den „Heiligen Gral“ findet Parsifal (Christopher Ventris) an einer ungewöhnlichen Stelle, nämlich im Plenarsaal des neu gegründeten Bundestages. Ein runder Spiegel gibt oben auf der Bühnendecke alles wieder, was sich unten am Boden zuträgt.
Einzug des Chors (Parlamentarier) mit heftigen Diskussionen in dem Plenarsaal der Bundesrepublik. Die Rednertribüne in der Mitte des Plenarsaales – im Spiegel an der Decke – versinkt im Boden und macht dem Telefonzellen-Magenta-Roten Gral Platz. Wenn der Vorhang fällt, sieht das Publikum oben einen Vogel aufleuchten – ein Mittelding zwischen Schwan, Friedenstaube und Bundesadler. Bis zum letzten Akkord strahlend helles Telefonzellen-Magenta-Rosa.
Dieser Schluss ist so schön kitschig, dass er mit minutenlangen Beifallsstürmen bedacht wird.
Opulenz bis zum rosaroten Ende.
Werkstatt Bayreuth:
In der von Wolfgang Wagner eingeführten “Werkstatt Bayreuth” nutzen die meisten Regisseure, so auch Stefan Herheim, die folgenden Spielzeiten, um ihre Inszenierung zu verändern. Wie ändert sich in diesem “Parsifal” die Inszenierung und die beachtenswerte Ausstattung von Bühne und Kostümen von 2009 im Laufe der Jahre nach 2010 über 2011 bis schließlich und endlich 2012?
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Siehe -> Parsifal und seine (auf)reizenden Blumenmädchen:
“Parsifal” von Richard Wagner – Bayreuther Festspiele 2009
Musikalische Leitung Daniele Gatti
Regie Stefan Herheim
Bühnenbild Heike Scheele
Kostüme Gesine Völlm
Dramaturgie Alexander Meier-Dörzenbach
Video Momme Hinrichs, Torge Møller
Chorleitung Eberhard Friedrich
Besetzung
Amfortas Detlef Roth
Titurel Diógenes Randes
Gurnemanz Kwangchul Youn
Parsifal Christopher Ventris
Klingsor Thomas Jesatko
Kundry Mihoko Fujimura
1. Gralsritter Arnold Bezuyen
2. Gralsritter Friedemann Röhlig
1. Knappe Julia Borchert
2. Knappe Ulrike Helzel
3. Knappe Clemens Bieber
4. Knappe Timothy Oliver
1. Soloblume Julia Borchert
2. Soloblume Martina Rüping
3. Soloblume Carola Guber
4. Soloblume Christiane Kohl
5. Soloblume Jutta Maria Böhnert
6. Soloblume Ulrike Helzel
Altsolo Simone Schröder .


ich habe die meiste zeit mit geschlossenen Augen die Musik genossen. Es waren einfach zu viele bilder.