
Die Bayreuther Festspiele 2010 zeigen diese Inszenierung von Stephan Herheim im dritten Jahr. Was hat sich gegenüber der Parsifal-Inszenierung 2009 geändert?
Geblieben ist das gewohnt hohe musikalische Niveau des Festspiel-Orchesters unter der Leitung von Daniele Gatti, des Chores unter der Leitung von Eberhard Friedrich und der Solisten. Wie 2009 sind folgende Sänger gleich geblieben: Amfortas - Detlef Roth, Titurel – Diógenes Randes, Gurnemanz - Kwangchul Youn, Parsifal - Christopher Ventris, Klingsor – Thomas Jesatko. Susan Maclean bringt als neue Kundry eine größere stimmliche Ausdrucksbandbreite mit.
Ebenfalls geblieben sind die Kostüme und das Bühnenbild von Gesine Völlm und Heike Scheele, beides wunderschön und stimmig.
Im ersten Akt Historismus mit Flügeln; im zweiten Akt die dollen Zwanziger bis zum dritten Reich; im dritten Akt Deutscher Bundestag, siehe->Parsifal im Matrosen-Anzügle – Klingsor in Strapsen – Kundry im Umziehstress
In der Inszenierung siehe ->Parsifals Zeitenfahrt von der Villa Wahnfried zum Plenarsaal des Deutschen Bundestages wurde einiges klarer herausgearbeitet, und besonders stoßen mir die drastischen Sexszenen auf.
Wen begeistern die Sexszenen?
Eigentlich sieht der Regisseur Stephan Herheim bis auf zwei Meter Entfernung noch bemerkenswert jung und agil, schmuck und fit aus. Aber anscheinend altert Mann in diesem Metier schnell. Bestimmte Szenen könnten der Fantasie alter Männer entsprungen sein. Im ersten Akt kriechen Jungen in Matrosenanzügen unter die langen Röcke der Damen, die vor lauter Ekstase die Flügel wackeln lassen.
Kundry wird von sämtlichen Männern, mit denen sie zusammen singt, ganz selbstverständlich missbraucht – meist im Bett, das vorn auf der Bühne steht.
Im zweiten Akt wird Haus Wahnfried während des ersten Weltkrieges zum Lazarett umgewandelt. Die Betten verteilen sich an allen Wänden entlang. Herein humpeln die verwundeten Soldaten, von Krankenschwestern – in der Originaltracht dieser Zeit – gestützt, legen sie sich in die Metallbetten und werden umsorgt. Während Klingsor Kundry beauftragt, Parsifal zu verführen, erleben die Zuschauer ein sehr realistisches Paarungs-Ballett der Krankenschwestern mit den Verwundeten. Peinlich.
Männliche Wechseljahres-Oper
Der Parsifal ist in diesem Jahr zu einer Männeroper geworden, besser gesagt, für Männer in den Wechseljahren. Sobald bestimmte Herren in die Jahre kommen, kommt ihre Fantasie auf Hochtouren. Aus bisher vernünftigen Zeitgenossen werden nervige Verbal-Erotiker.
Dieses Plumpe, Direkte, im Parsifal steht im Gegensatz zum Lohengrin, in dem Jonas Kaufmann durch seine Mimik und Gestik, Körperhaltung und Sprachmelodie eine ungeheure Erotik ausstrahlt.
Phantastische Blumenmädchen
Das heißt nicht, dass die ganze Opernaufführung aus triebgesteuerten Primaten auf der Bühne, und hechelnden Voyeuren im Zuschauerraum besteht. Dieser Parsifal enthält die schönste Blumenmädchen-Szene, die ich bisher gesehen habe. Voller Erotik, die Denkanstöße gibt, Anstößiges zu denken, ohne an der Intimsphäre von 1800 Zuschauern zu rubbeln.
Werkstatt Bayreuth:
In der von Wolfgang Wagner eingeführten “Werkstatt Bayreuth” nutzen die meisten Regisseure, so auch Stefan Herheim, die folgenden Spielzeiten, um ihre Inszenierung zu verändern. Wie ändert sich in diesem “Parsifal” die Inszenierung und die beachtenswerte Ausstattung von Bühne und Kostümen von 2009 im Laufe der Jahre nach 2010 über 2011 bis schließlich und endlich 2012?
- ♫ “Parsifal” – die Oper mit den Dehnungsfugen
Der „Parsifal“ von Richard Wagner musste in den letzten Jahren einiges aushalten, nicht nur in Bayreuth. Vier Jahre lang – von 2003 bis 2007 – agierte er in der Inszenierung von Christoph Schlingensie … - ♫ 8ung Oper! Bayreuth 2009 bis 2012 – Rund um den Grünen Hügel
Der vierte Band von 8ung Oper ! steht online: “Bayreuth 2009 bis 2012 – rund um den Grünen Hügel” In diesem erweiterten Opernführer erwarten Sie nicht nur die Zusammenfassungen der … - ♫ Parsifal in Bayreuth 2012 – allerletzte Vorstellung am 28. August
Wie reagiert das Festspielpublikum auf diesen Parsifal? Parsifal ist schon vom Thema Ritterromantik her eine reine Männeroper, vollendet von dem 69-jährigen Richard Wagner. Besonders die Herren gleich … - ♫ Tristan und Isolde in Bayreuth 2012 – allerletzte Vorstellung am 26. August
Als gutes Stimmungsbarometer für eine Vorstellung entpuppen sich Pausengespräche; das gilt nicht nur die aktiven, sondern auch die passiven – mittels langer Ohren. Fazit: Diese Inszenierung is … - ♫ 8ung Oper! Richard Wagner: Morde – Mythen – Mittelalter
Das 3. E-Book der Reihe 8ung Oper! enthält Zusammenfassungen der Handlung und/oder Besprechungen von Inszenierungen folgender Wagneropern: Holländer, Tannhäuser, Lohengrin, Meistersinger, Tristan und …
“Parsifal” von Richard Wagner – Bayreuther Festspiele 2010
Musikalische Leitung Daniele Gatti
Regie Stefan Herheim
Bühnenbild Heike Scheele
Kostüme Gesine Völlm
Dramaturgie Alexander Meier-Dörzenbach
Video Momme Hinrichs Torge Møller
Chorleitung Eberhard Friedrich
Besetzung 2010
Amfortas Detlef Roth
Titurel Diógenes Randes
Gurnemanz Kwangchul Youn
Parsifal Christopher Ventris
Klingsor Thomas Jesatko
Kundry Susan Maclean
1. Gralsritter Arnold Bezuyen
2. Gralsritter Friedemann Röhlig
1. Knappe Julia Borchert
2. Knappe Ulrike Helzel
3. Knappe Clemens Bieber
4. Knappe Willem Van der Heyden
Klingsors Zaubermädchen Julia Borchert
Klingsors Zaubermädchen Martina Rüping
Klingsors Zaubermädchen Carola Guber
Klingsors Zaubermädchen Christiane Kohl
Klingsors Zaubermädchen Jutta Maria Böhnert
Klingsors Zaubermädchen Ulrike Helzel
Altsolo Simone Schröder


