Lucia di Lammermoor: Farbige Oper in Rot-Schwarz-Grau-Weiß
7. Oktober 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Farbe, Frauenkultur, Inszenierung, Lucia di Lammermoor
“Lucia di Lammermoor”, Belcanto-Oper von Gaetano Donizetti in der Staatsoper Stuttgart
BlutRot – Farbe der Liebe?
Rote Tupfer bilden die Rotschopfe von Bruder Enrico (Tito You) und Schwester Lucia (Ana Durlovski). Rote Speere – an der Spitze Lichter – suchen sich den Weg, wirken aggressiv oder chaotisch, bilden ein Spalier, werden zu Standarten mit dem Konterfei des Bräutigams.
An weiteren Farben sieht das Publikum nur noch Schwarz über Grau in vielen Schattierungen bis hin zum Weiß, und doch wirkt alles farbig.
Graue Jäger im Hochmoor, auch der Intrigant Normanno (Hans Kittelmann) erscheint in Grau – ebenso wie Lucias Vertraute Raimondo (Liang Li) und Alisa (Pia Liebhäuser), die sie am Ende doch allein liessen. Der Liebhaber Edgardo (Dmytro Popov) kommt in schwarzem Anzug mit schwarzen Haaren, während der unerwünschte Bräutigam Arturo (Joel Prieto) ganz in Weiß auftritt.
Durch die Farben erleichtert Olga Motta den Zuschauern das Zuordnen der einzelnen Personen. Die Reduzierung von Farbe und Form lenkt auf das Wesentliche, ist weder vergeistigt noch überladen. Das Publikum wird sanft durch die Oper geführt. Nach all den Inszenierungen in den letzten Jahren erleben wir endlich eine Oper, die ohne Brutalität auskommt, ohne Obszönitäten. Sie hat das nicht nötig, denn die Inszenierung lebt voll von innerer Spannung, gibt der Musik Raum zum Entfalten.
Zum Beispiel zeigt sich Olga Mottas Regiekunst an der einfühlsamen Präsentation der Wahnsinnsarie, dem unbestreitbaren Höhepunkt. Der Chor, in diesem Fall die Hochzeitsgesellschaft, sitzt um den Tisch herum, auf dem Lucia singt. Alle Augen schauen während ihrer Arie gespannt nur auf Lucia. Den Zuschauern bleibt nicht andres übrig, als ebenfalls hinzusehen und hinzuhören. Keine Störung, weder von oben auf der Bühne noch von unten im Zuschauerraum, hindert den Hörgenuss. Alles lauscht atemlos gespannt. Die Wahnsinns-Koloraturen von Ana Durlovski kommen genau so gut im Ohr an wie die Glasharfe und das Staatsopern-Orchester – unter der Leitung von Patrick Fournillier – aus dem Orchestergraben und mündet in einen gewaltigen, verdienten Applaus.
Der Schluss erinnert an Stefan Herheims Bayreuther „Parsifal“ – nun ja, ein bisschen Kitsch darf sein in dieser sonst so gradlinigen Inszenierung.
- Lucia di Lammermoor: Schnörkellose Konzentration auf das Wesentliche
"Lucia di Lammermoor" Belcanto-Oper von Gaetano Donizetti – Kostüme und Bühnenbild: Weiss strahlt das Empire-Kleid der Lucia (Ana Durlovski), zum Ende hin mit Blut befleckt. So rot wie die R … - Lucia di Lammermoor: Farbige Oper in Rot-Schwarz-Grau-Weiß
“Lucia di Lammermoor” Belcanto-Oper von Gaetano Donizetti an der Staatsoper Stuttgart Rot – Farbe der Liebe und des BlutesBlutRot – Farbe der Liebe? Rote Tupfer bilden die Rotschopfe von Bruder Enrico …
“Lucia di Lammermoor”
Belcanto-Oper von Gaetano Donizetti
an der Staatsoper Stuttgart
Musikalische Leitung Patrick Fournillier
Regie, Bühne und Kostüme Olga Motta
Licht Reinhard Traub
Chor Michael Alber
Dramaturgie Angela Beuerle
Besetzung
Enrico Tito You
Lucia Ana Durlovski
Edgardo Dmytro Popov
Arturo Joel Prieto
Raimondo Liang Li
Alisa Pia Liebhäuser
Normanno Hans Kittelmann
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Thema “Oper”
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Schade finde ich, daß so eine gute Regisseurin wie Olga Motta bald vermutlich nicht mehr in der staatsoper inszeniert.
Um jemanden wie den Calixto Bieto hingegen ist es nicht schad. Hoffentlich verschwindet der auf Nimmerwiedrsehen.
Bei dieser Oper konnte ich mich total auf die Musik konzentrieren, weil auf der Bühne auf Nebenhandlungen verzichtet wurde. Nichts hat mich von der hervorragend von Ana Durlovski gesungenen Wahnsinnssarie abgehalten.
Das mit den Farben fand ich auch gut gelöst. Dieses Blutrot löst in mir Alarmsignale aus, ohne dass aucf der Bühne etwas Brutales passierte. Zur Musik konnte ich meine eigenen Bilder vorbeiziehen lassen.
Endlich mal wieder eine Oper, bei der man nicht grübeln muss, was sich der Regisseur bei dieser oder jener Szene gedacht hat, die meinstens gar nicht zur Muskik paßt. für mich war es eine ergreifende Vorstellung.