Barbier von Sevilla: Bogdan Mihai und Mark Munkittrick – das neue Traumpaar der Stuttgarter Oper
18. Oktober 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Der Barbier von Sevilla, Oper
Der Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini
Staatsoper Stuttgart | 16. Oktober 2009
Eine Leiter schiebt sich auf Augenhöhe von der linken zur rechten Bühnenseite, wird zu einem rollenden Gitter. Endlich kommt Figaro, diese Leiter geschultert, strahlt ins Publikum, winkt oder wirft den Zuschauern ein paar Kusshände zu und verschwindet auf der anderen Seite der Bühne, während noch Leiter über Leiter über Leiter vorbei zieht. Auf diese Szene im Barbier von Sevilla – in der Inszenierung von Beat Fäh - freue ich mich jedes mal seit der Premiere 1993. Einige Figaros sah ich in den letzten vierzehn Jahren vorbeiziehen. Meine Lieblinge sind Motti Kaston und noch mehr mein Super-Figaro, der Rumäne Marian Pop. Die Zungenverdreher des Figaro-hier-Figaro-da gehen ihm so selbstverständlich über die Lippen, wie er währenddessen als geldgieriger Barbier sportlich und ausdrucksstark um den Grafen, Rosina und Bartolo herumscharwenzelt. Beim Figaro Adam Kim der letzten Vorstellung bewegt sich die Zunge bedeutend schwerer, obwohl – nach meinem Eindruck – das Orchester an den kniffligen Stellen etwas langsamer spielt.
Keinerlei Artikulations-Schwierigkeiten plagen dagegen Bartolo Mark Munkittrick, der schon seit Anfang an dabei ist – alternierend mit Karl Friedrich Dürr. Vom Typ und vom Alter her passt er sogar immer besser in diese Rolle. Seine Stimme klingt musikalisch wunderbar, während er über die Bühne schlurpst oder von Rosina zu allerhand Verrenkungen gezwungen wird. Rosina beißt kräftig in die Hand, die sie einsperren will, und führt Bartolo mit ihren Zähnen vor wie einen Tanzbären.
Eine reizvolle Entdeckung ist Bogdan Mihai als Graf Almaviva. Endlich einer, zu dem alles in dieser Rolle passt. Er ist jung – deutlich sichtbarer Alters- und Mentalitätsunterschied zu Bartolo – gut aussehend, singt die Koloraturen mit Leichtigkeit und entwickelt immenses komödiantisches Talent. Mark Munkittrick – mit der Mimik eines Kaugummi kauenden Bernhardinerwelpens – und Bogdan Mihai – mit der Gestik eines Politikers im Wahlkampf – bilden zusammen ein hervorragendes Gespann, das die Bezeichnung Traumpaar verdient.
Rosina erscheint jedes mal neu, aber immer hervorragend, wie auch Tina Hörhold, die ihre Koloraturen wie am Schnürchen trillert und dabei noch in ihrer Rolle glänzt. Als Dienerin Berta bleibt mir Gabriele Herrera besonders in Erinnerung. In ihrem Chanel-Kostümchen klebt sie mit Armen und Beinen – wie Windmühlenflügel mit Saugnäpfen – an der Wand, sich fortbewegend wie eine überdimensionale Spinne. Nur ihre metallischen Töne, die an eine hart arbeitende Kreissäge erinnern, lassen mir die Zehennägel hochklappen. Da klingt Yuko Kakuta deutlich angenehmer. Matthias Hölle als Basilio und Christoph Sökler als Fiorillo sind ihrer Rolle gleichbleibend treu geblieben. Das Stuttgarter Staatsorchester unter der Leitung von David Parry regeneriert sich anscheinend immer wieder neu. Auch in der x-ten Repertoire-Vorstellung klingt es wohltönend frisch wie bei der Premiere.
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Musikalische Leitung David Parry
Regie Beat Fäh
Bühne und Kostüme Volker Pfüller
Spielleitung Lisa Holzberg
Chor Johannes Knecht
Dramaturgie Peter Ross
Besetzung am 16. Oktober 2009
Graf Almaviva Bogdan Mihai
Bartolo Mark Munkittrick
Rosina Tina Hörhold
Figaro Adam Kim
Basilio Matthias Hölle
Fiorillo Christoph Sökler
Offizier Chorsoli
Berta Yuko Kakuta
29
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Cooler Blog, werde noch öfters hier her surfen.
[...] Das geht fast schief, denn die von Doktor Bartolo gerufenen Wachen (Männerchor) wollen ihn festnehmen. Graf Almaviva kann sich ausweisen, und die Wachen ziehen zerknittert ab… [...]
Zum Piepen “Mark Munkittrick – mit der Mimik eines Kaugummi kauenden Bernhardinerwelpens ”
… aber das stimmt. Es gab mal so einen amerikanischen Schauspielr, dessen Namen ich vergessen habe, der war ebenso “ausdrucksstark”. vielleicht ist das ja was typisch amerikanisches.