Rosenkavalier: Wenn der Pudel mit der Wanze und die Henne mit dem Hahn…
4. November 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Bühnenbild und Kostüme, Frauenkultur, Kunst - Handwerk - Architektur, Rosenkavalier, Z bis A
Kostüme von Gesine Völlm
und Bühnenbild von Rebecca Ringst
im Rosenkavalier in der Stuttgarter Staatsoper
Herr von Faninal, der eitle, prahlerische Beau, bekommt von Gesine Völlm ein Hahnenkostüm verpasst. Vorn eine runde Geflügelbrust, hinten einen dicken Sterz, auf dem Kopf einen roten Hahnenkamm. Karl-Friedrich Dürr verkörpert diese Figur mit Würde, während er stolziert und singt – ganz Gockel. Als Glucke passt Jungfer Marianne Leitmetzerin Michaela Schneider mit rotem Hennenkamm hervorragend zum Hahn Friedrich Dürr und auch zu ihrer Rolle als Beschützerin der jungen Sophie.
Mit einem Schild auf dem Rücken buckelt der Valzacchi Torsten Hofmann wie eine Riesenwanze. Seine Hände und Ellenbögen verbinden sich wie Marionetten mit zwei weiteren Krabbelkäferfüssen. Bei jeder Armbewegung nach oben, unten rechts und links gehen synchron zwei weitere Füsse mit. Seine Gefährtin Annina Carola Guber mit geschminktem Affengesicht, gekleidet wie früher die Tanzäffchen auf den Leierkästen. Tierisch geht es zu im Rosenkavalier, wie zum Beispiel der Strauss (hört der etwa auf den Namen Richard?) , der ein Ei legt, das der Feldmarschallin Christiane Iven auf den Kopf gesetzt wird; oder Polizeikommissar Mark Munkittrick als schwarzer Pudel, der im Takt mit dem Ponpon-Schwanz wedelt.
Der primitive Baron Ochs von Lerchenau Lars Woldt trägt seinen spärlichen Haarkranz kokett zu zwei Hörnern geformt zum diabolischem, roten Anzug.
Im Rokokokostümchen eines Kavaliers gleicht Octavian Marina Prudenskaja einer Porzellanfigur, ebenso wie Sophie Mojca Erdmann im puderfarbenen Rokokokeid. Ein Überbleibsel/Mitbringsel aus dem ersten Akt des Bayreuther Parsifals scheint der geflügelte Sänger Bogdan Mihai zu sein.
Gesine Völlms überschäumende Fantasie und Kreativität zeigt sich in den Massenszenen. Mir kommt sogar der Verdacht, dass die Statisten nur eingesetzt werden, um ihre wunderschönen Kostüme zu zeigen. Die Lakaien-Livree hat, von Hals bis Fuss, vorn und hinten die gleiche Einteilung. Vorn lässt die Perücke ein Gesicht frei und hinten einen Schafkopf. Je nach Situation wenden sich die Lakaien und wirken entweder höflich oder animalisch – super Idee.
Bühnenbild von Rebecca Ringst
Die kreisrunde Bühne, die an einen überdimensionalen Reifrock erinnert, lässt die Zuschauern hineinschauen. Mal stellt sie einen geschlossenen Raum dar, mal wird sie durch ein breites Sternenband rechts und links zum Universum vergrössert.
Im Schlafzimmer der Feldmarschallin Christiane Iven bestehen die Wände aus einer durchgehenden Allegorie im Rokokostil – eine Massensexszene – die wahrscheinlich auf ein Bordell hindeuten soll. Vielleicht ist damit auch die Freizügigkeit gemeint, wie der Regisseur sie sieht. In der Wirtshausszene öffnen sich die Wände und zeigen an Tischen ein Varietee-Publikum, das auf eine runde Tanzfläche schaut und sich die Vorstellung ansieht. Auf dem Höhepunkt drehen sich selbst diese Tische. Als besonderer Gag muss unbedingt noch der Abgang des Barons Ochs von Lerchenau Lars Woldt erwähnt werden. Er entschwindet nach oben wie eine Rakete – mit dem sprühenden Feuer einer Wunderkerze unterm Hintern.
Mein Tipp: Unbedingt anschauen und auch auf Details achten – es lohnt sich!
Unbedingt die hervorragenden Stimmen der Sänger sowie das exzellente Staatsorchester unter der Leitung Manfred Honeck hören – es lohnt sich!
- Inhalt/Handlung: Der Rosenkavalier – Oper von Richard Strauss
Silberne Rose – voll aufgeblühtOctavian (17 Jahre jung) findet sich nach einem Faschingsball im Schlafzimmer der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg (ungefähr doppelt so alt) wieder, in die er unsterbl … - Rosenkavalier: Wenn der Pudel mit der Wanze und die Henne mit dem Hahn…
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Der Rosenkavalier von Richard Strauss in der Stuttgarter Staatsoper. Nix da mit knisternder Erotik in diesem Rosenkavalier – dafür plumpe Kopulationsszenen en masse…
- 1. Teil -> Inszenierung und Sänger: Extraordinäre Sänger, Kostüme, Bühnenbild – ordinäre Inszenierung
- 2. Teil -> Bühnenbild und Kostüme: Wenn der Pudel mit der Wanze und die Henne mit dem Hahn…
- Presseartikel: Rosenkavalier in Stuttgart – Musik, Kostüme, Bühne
- Artikel zum Thema Rosenkavalier
Der Rosenkavalier
Musik: Richard Strauss
Libretto: Hugo von Hofmannsthal
Musikalische Leitung Manfred Honeck
Regie Stefan Herheim
Bühne Rebecca Ringst
Kostüme Gesine Völlm
Licht Olaf Freese
Chor Michael Alber
Kinderchor Johannes Knecht
Dramaturgie Xavier Zuber
Besetzung
Feldmarschallin Christiane Iven
Baron Ochs von Lerchenau Lars Woldt
Octavian Marina Prudenskaja
Herr von Faninal Karl-Friedrich Dürr
Sophie Mojca Erdmann
Jungfer Marianne Leitmetzerin Michaela Schneider
Valzacchi Torsten Hofmann
Annina Carola Guber
Polizeikommissar / Notar Mark Munkittrick
Haushofmeister Marshallin / Haushofmeister Faninal / Wirt Heinz Göhrig
Ein Sänger Bogdan Mihai
Drei adlige Waisen
Isolde Daum / Anke Maurer,
Cristina Otey / Martina Langenbucher,
Gudrun Wilming / Regina Friedek-Maciolek
Eine Modistin Karin Horvat
Ein Tierhändler Alois Riedel
Vier Lakaien Peter Schaufelberger, Urs Winter, Henrik Czerny, Siegfried Laukner
Vier Kellner Rüdiger Knöß, Tommaso Hahn, Ivan Yonkov, Daniel Kaleta
Hausknecht Ulrich Frisch
Leopold Thomas Schweiberer
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