Randolph’s Erben: Ruedi Häusermann – Meister der alltäglichen Lebensfreude

23. November 2009 | Von | Kategorie: Inszenierung, Randolph’s Erben, Z bis A

Blechblasinstrumenten-Baumeister“Randolph’s Erben”
Komposition und Regie Ruedi Häusermann

Mit der Nachfrage, ob es für seine alte Klarinette noch eine Ersatzklammer gäbe, versetzt ein Kunde die Belegschaft des Musikinstrumentenladens „Randolph’s Erben“ mit angeschlossener Instrumentenwerkstatt in helle Aufregung. Zu den immer hektischeren Klängen des Orchesters laufen der Seniorchef, der Juniorchef und Herr Eschmann (der sonst immer auf dem Clo hockt) von einem Raum in den anderen, die Treppen hoch und runter. Unter verschiedenen Bezeichnungen schauen sie in Schubladen und Kartons. Sogar das gesamte Orchester beteiligt sich an der Suche. Die Musiker springen von ihren Plätzen an den Werkbänken auf, trippeln geschlossen – und im Takt – zu einem Regal rechts, dann, nach vergeblicher Suche, zu einem Regal links der Bühne, gefolgt von aufgeregtem Geschnatter. Lediglich das reizende Lehrmädchen kümmert sich um den Kunden, an dem alle nur vorbei rennen. Sie fragt ihn, ob er nicht lieber eine Langspielplatte kaufen möchte und singt ihm die Melodie auf la-la-la vor – die wohl einzige Arie in dieser Oper. Der Kunde hört sich das an und entscheidet am Ende: „Nein, ich möchte doch lieber eine Klarinettenklammer.“

So aufgeregt wie in dieser Szene geht es selten zu in dieser Oper, die sich ganz aus Klangmalereien aufbaut. Gespielt wird die Oper „Randolph’s Erben“ von drei gleichberechtigten Quartetten, die die Zuschauer über neunzig Minuten in Traumwelten versetzen, gestaltet von Giuseppe Reichmuth, Ruedi Häusermann, Ulrich Schneider und Barbara Maier.

Streichinstrument-Bogen-BaumeisterDem Streichquartett mit Monika Camenzind (Violine), Mario Huter (Violine und Viola), Daniel Thomas (Viola) und Martin Birnstiel (Violoncello).

Dem Bläserquartett mit Nicole Krüger (Klarinette und Bassklarinette), Marc Unternährer (Tuba), Basil Hubatka (Flügelhorn) und Lucas A. Rössner (Fagott).

Dem Schauspielerquartett mit Samuel Eschmann, Marie Jung, Hans-Rudolf Twerenbold und Herwig Ursin.

Gilt Verdi als Meister der großen Gefühle, könnte man Ruedi Häusermann als Meister der alltäglichen Lebensfreude bezeichnen. Er fasst in Töne, was uns allen vertraut ist – Beginn am Morgen, bis alle ihren Rhythmus in der Arbeit gefunden haben, über ein aufkommendes Gewitter, vorbeifahrende Trambahnen, Verkaufstraining des Lehrmädchens bis hin zum Ladenschluss, wenn alles wieder eingepackt wird und Ruhe eintritt. Sogar die Schreibmaschinenklänge, während der Seniorchef diktiert, stammen vom Orchester.

Randolph’s Erben:

 

Uraufführung

RANDOLPH’S ERBEN
Blas- und Streichinstrumente An- und Verkauf
Ein Auftragswerk der Staatsoper Stuttgart aus der Reihe Zeitoper

Komposition und Regie Ruedi Häusermann
Bühne Giuseppe Reichmuth, Ruedi Häusermann, Ulrich Schneider
Licht Ulrich Schneider
Kostüme Barbara Maier
Dramaturgie Barbara Tacchini

Schauspieler
Samuel Eschmann, Marie Jung, Hans-Rudolf Twerenbold, Herwig Ursin

Streichquartett
Monika Camenzind Violine
Mario Huter Violine und Viola
Daniel Thomas  Viola
Martin Birnstiel Violoncello

 

Bläserquartett
Nicole Krüger Klarinette und Bassklarinette
Marc Unternährer Tuba
Basil Hubatka Flügelhorn
Lucas A. Rössner Fagott

 

Thema “Oper”
- “Bühnenbild Kostüme”
- “Hauptsache Frauen”
- “Hauptsache Kinder”
- “Hauptsache Mann”
- “Humor”
- “Inszenierung Regie”
- “Opernhandlung Libretto Inhalt”
- “Persönliche Empfehlung”
- “Randolph’s Erben”

 

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4 Kommentare auf "Randolph’s Erben: Ruedi Häusermann – Meister der alltäglichen Lebensfreude"

  1. [...] Blumen duften, Strassenbahnen quietschen und Motorräder knattern. So etwas ähnliches passiert in Randolph’s Erben. Hier beginnt der Traum früh morgens, wenn der Tag erwacht und endet spät abends mit der [...]

  2. klara sagt:

    Ich frage mich immer, warum wir die Kleinigkeiten übersehen. Denn gerade die prägen uns doch.

  3. wummbs sagt:

    Vielleicht übersehen wir die Kleinigkeiten, eben weil sie so klein sind und wir alle nach Größerem streben.

  4. Wunderbares Stück, grandiose Inszenierung…habe gerade die Fernsehfassung Sat 3 gesehen und nun gute Laune.
    Ich denke, wenn ich Herrn Häusermanns Intention nicht ganz falsch verstanden habe, ist das in Ordnung!
    Kompliment!

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