♫ Onegin: Die neue Bewegungssparsamkeit
29. November 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühne, Inszenierung, Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Bühnenbild und Kostüme, Eugen Onegin, Inszenierung, Oper, Z bis A
Tschaikowski: Onegin in der Staatsoper Stuttgart
Vom russischen Hinterhof zur russischen Millionärin, das klingt nach ausreichend Konfliktpotential für einen Onegin-Opernabend (Musikalische Leitung Marc Soustrot). Leider verlieren sich Dynamik und Temperament irgendwo auf der Strecke.
Vom russischen Plattenbau-Hinterhoffest OHNE Schwoof bis hin zum mondänen Aprés-Ski OHNE ausschweifendes Luxusgelage der schönen und neureichen russischen Millionäre – Schade.
Renoviert wird im Laufe des ersten Aktes
Mutter Larina (Trine Øien), Besitzerin eines Plattenbaukomplexes, setzt die Bewohner mit einer Abfindung an die Luft.
Arme Leute (Kostüme Werner Pick), sogar ein echter Hund ist dabei. In dem Gewusel muss er am lauten Orchestergraben vorbei. Ob ihm die angelegten Ohren helfen?
Die beiden Töchter
Die beiden Töchter Tatjana (Karine Babajanyan) und Olga (Tajana Raj) sehen aus wie Schülerinnen einer Privatschule. Tatjana schreibt ihre Liebesschwüre an Onegin (Shigeo Ishino) auf die Plakate der Bauzäune und als Graffiti an die Hauswände. Erschöpft rollt sie sich danach zum Schlafen in einen Bauplan. Assistentin Filipjewna (Cornelia Wulkopf) darf am Morgen alles sauber machen.
Für das Richtfest (Bühne Kazuko Watanabe ) wird zwischen den grauen Betonwänden – mit abbröckelndem Putz und Stockflecken – in der Mitte eine Rampe hochgefahren. Der Betonboden keilt sich auf und bildet ein Carreé, genau so zweckmässig wie langweilig. Es dient als kaum benutzte Tanzfläche, als Boxring für Lenski (Roman Shulackoff) und Onegin (Shigeo Ishino), später als eine verschneite Skipiste.
Hinterhofschönheiten mit glitzernden Blusen, knallroten Perücken, obligatorischen Schals (stimmige Kostüme von Werner Pick) feiern ein Fest. Leider kein Schwoof auf dem Hinterhof. Sie flanieren mit dem Sektglas um die Tanzfläche, die kurz von Olga und Onegin benutzt wird.
Rührend Heinz Göhrig als Penner, der im perfektem Fronsssösísch die schöne Tatíí-janná besingt.
Exklusive Wintersportlokalität
Statt Ballsaal des Fürsten Gremin (Liang Li) ein mondäner Skiort. Ein Langstreckenläufer brettelt quer über die Bühne. Die übrigen Skiläufer halten sich an ihren Sektgläsern fest und prosten sich zu. Tatjana im Designer-Skianzug wird in der neuen Gesellschaft bewundert und geliebt. Sie hat ihren Platz im Leben gefunden.
Es schneit – kalt und einsam verläuft die Aussprache in einer Schneewüste.
Nüchtern, ja keine Emotionen zulassen.
Tatjana schüttelt Onegin ab.
Sie hat es ihm gezeigt.
Weitere Artikel über Eugen Onegin:
- ♫ Eugen Onegin – Das leben ist wie ein Baum
Oper zum Träumen Stimmig und romantisch stellt sich die Onegin Inszenierung von Matthias Kaiser im Stadttheater Ulm dar. Musik und Handlung passen zusammen. Erzählt wird die Geschichte nach dem Versro … - ♫ Onegin: Musikalisch auf höchstem Niveau
Die Premiere der Neuinszenierung „Eugen Onegin“ fand zwar schon am 30. November 2008 statt, aber leider nicht mit vollständiger Besetzung. Das Orchester der Stuttgarter Staatsoper streikte, wie viele … - ♫ Inhalt/Handlung: Eugen Onegin – Oper von Tschaikowski
Olga und Tatjana leben mit ihrer Mutter Larina und der Dienerin Filipjewna auf einem Gut in Russland. Die romantische Tatjana liest viel und leidet mit ihren Figuren. Die unkomplizierte Olga ist mit d … - ♫ Onegin: Die neue Bewegungssparsamkeit
Tschaikowski: Onegin in der Staatsoper Stuttgart Vom russischen Hinterhof zur russischen Millionärin, das klingt nach ausreichend Konfliktpotential für einen Onegin-Opernabend (Musikalische Leitung Ma …
Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Eugen Onegin
Staatsoper Stuttgart
Musikalische Leitung: Marc Soustrot
Regie: Waltraud Lehner
Bühne: Kazuko Watanabe
Kostüme: Werner Pick
Licht: Reinhard Traub
Chor: Johannes Knecht
Dramaturgie: Sergio Morabito
Besetzung am 27. November 2008
Larina: Trine Øien
Tatjana: Karine Babajanyan
Olga: Tajana Raj
Filipjewna: Cornelia Wulkopf
Eugen Onegin: Shigeo Ishino
Lenski: Roman Shulackoff
Fürst Gremin: Liang Li
Triquet: Heinz Göhrig
Saretzki: Christoph Sökler
Ein Hauptmann: Chorsoli
.
78
← einfach klicken, und schon erhalten Sie ein Lesezeichen mit den brandneusten Artikeln von 8ung.info
- ☛ Bild des Tages: Sphärische Klänge an HimmelfahrtUngewohnte Klänge tönen über den Kunsthandwerkermarkt in Kirchheim unter Teck. Verschiedene Gongschläge in unterschiedlichen Höhen lassen ein bisschen buddhistisches Klostergefühl aufkommen. Bei näherem Hinsehen könnte man auch auf ein mittelalterliches Kloster um Hildegard von der Bingen schließen. Die Musikerin bietet Handarbeit in doppeltem und dreifachen […]
- ☛ Trickfilm-Tipps: Frauen in Notsituationen und ausweglosen ZwangslagenITFS 2012: Ernste Animationsfilme im internationalen Wettbewerb. Zwei Frauen durchleben ein Martyrium, ohne sich aus dem Teufelskreis befreien zu können. Ein kleines Mädchen träumt sich aus einer unerträglichen Zwangslage heraus in eine Märchenwelt. Die Sinnlosigkeit ihrer Arbeit erlebt eine Frau hinter der Theke eines Pubs. Princesse von Fréderick Tremblay […]
- ☛ Trickfilm-Tipps für Kinder – lustig und lehrreich – ITFS 2012Trickfilme vermitteln Werte ohne erhobenen Zeigefinger – gesehen auf dem Internationalen Trickfilmfestival 2012 in Stuttgart. Probleme wie Mobbing, Blindheit, und Alzheimer können mit Humor dargestellt werden, mit einer für Kinder verständlichen Art der Bilder. Ernesto von Corinne Ladeinde | Großbritannien 2011 Ernesto wird gehänselt. Alle Kinder seines Alt […]
- ☛ Bild des Tages: Seid umschlungen, Frauen aller FormateOriginelles Design und Kreativität überrascht die Besucher auf dem Kunsthandwerkermarkt in Kirchheim unter Teck. Kleider, Röcke, Capes in einer Größe, passend für Frauen sämtlicher Größen – gibt’s das? Jawoll! Selbst gesehen in Kirchheim unter Teck Gleich hebt sie ab – als Fledermaus oder Engel? Nicht nur für die Traumfigur der Designerin eignen sich diese W […]
- ☛ Bild des Tages: Knöpfe zählen auf dem Kunsthandwerkermarkt in Kirchheim unter TeckKnöpfe galten lange Zeit als Zahlungsmittel. Pfarrer und Pastoren kannten sie früher sehr gut, denn ein großer Teil der Kollekte bestand daraus. „Ein Knopf, ein Knopf ein Hosenknopf, ein Knopf, der immer knallt“ Dieser Zungenbrecher kommt mir sofort in den Sinn – leider kennt ihn heute niemand mehr. Langsam werden die Knöpfe verdrängt durch Klettverschlüsse, […]
- ✒ Antireiseführer-Tipp neu 2012: „Kein Feuer, das nicht brennt“ von Rayk WielandRoadmovie um einen Reiseschriftsteller, der mit seinen lebendig geschriebenen Reportagen einen Reiseboom auslöst, obwohl er nicht reisen mag und diese Orte noch nie sah. Das holt er unfreiwillig nach. Die Orte, die er beschreibt, existieren. Er hat sie genauestens recherchiert, wie die Personen, die alle leben oder gelebt haben. W. bringt beide zusammen und […]
- ☛ Internationaler Trickfilm-Wettbewerb 2012 in Stuttgart – traurig und erschütterndWährend es vor einigen Jahres noch die humorigen Filme vorherrschten, bestimmen heute die nachhaltigen, traurigen, Erschütterung hervorrufenden Filme die erste Staffel. Abuelas (Grandmas) von Afarin Eghbal Eine Großmutter denkt zurück an die Zeit, in der ihre Tochter klein war. Sie schaut sich die alten Fotos an, und siehe da, ihre Tochter wird lebendig. Si […]


|
|
Manchmal kann weniger auch mehr sien. Ich freue mich immer, wenn nicht so viel auf der Bühne herumgehampelt wird!