
Wilhelmine und Friedrich – ein ungleiches Paar
Hinter jedem erfolgreichen Mann steckt eine Frau. Dieser Spruch gilt für erfolgreiche Manager, Künstler oder eben alle Männer, die sich NUR auf ihre Arbeit konzentrieren können, weil ihnen die Frau den Rücken frei hält. Wie aber verhält es sich umgekehrt? Was wäre aus Wilhelmine von Preußen (1709 – 1758) geworden, wenn sie einen anderen Mann geheiratet hätte? Besser gesagt, wenn sie mit einem anderen Mann verheiratet worden wäre?
Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth – langer Titel, wenig dahinter.
Wilhelmine, die Königstochter, wurde zur Strafe mit Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth verheiratet, dem „kleinen“ Markgrafen von Bayreuth, einem Städtchen in Franken. Im Gegensatz zu Wilhelmine, die sich geistig beschäftigte – viel las, komponierte, Theaterstücke schrieb, Bauwerke entwarf, Gärten kreierte – spielte er.
Nein!!! Nicht, was Sie jetzt gleich denken! Er zockte nicht.
Sein Lieblingsspiel war „Schiffe versenken“. Bei einem erwachsenen Markgrafen sieht das natürlich anders aus als bei einem kleinen Jungen mit aufblasbaren Badepool im Garten oder in der Badewanne. Friedrich ließ hinter seinem Schloss einen See ausbaggern, auf dem Kriegsschiffe mit Besatzung – uniformierte Matrosen – gegeneinander antraten. Diese Matrosen siedelte er mitsamt ihren Familien hinter seinem Schloss an, um sie immer in Bereitschaft zu haben. Bis zum heutigen Tage besteht diese „Matrosengasse“, während aus dem See nur noch ein paar Schilfkolben mitten in einem – vom Tourismus gemiedenen – Industriegebiet übrig geblieben sind. Ferner zeigte Friedrich III eine Vorliebe für Paraden. Er baute dafür besonders breite Straßen, in denen seine Soldaten, Schützen, Matrosen mit ihren Pferden, Kanonen und sonstigen Insignien, gut sichtbar marschieren konnten.
Ein Mann mit diesen Eigenschaften stand also hinter der Markgräfin Wilhelmine.
Das erklärt alles. Hätte sie einen Mann geheiratet, der ihr in geistigen Dingen ebenbürtig ist, hätte sie wohl mehr Zeit für tiefschürfende Gespräche aufbringen müssen. Sie hätte mit ihm über gelesene Bücher diskutieren, ihre Kompositionen besprechen und seine Anregungen mit einbringen können. Sie hätte mehr Zeit zum Überarbeiten aufbringen müssen. So aber hat sie ihre gewonnene Zeit damit zugebracht, das Markgräfliche Opernhaus zu entwerfen und bauen zu lassen, damit ihre Musik aufgeführt werden kann. Für ihre Theaterstücke entwarf und baute sie das Felsenlabyrinth Sanspareil mit dem Freilichttheater. Die Eremitage mit ihren Wasserspielen kitzelte ihre technische Begabung. Was damals möglich war, setzte sie um.
Insofern hat die Nachwelt Glück gehabt, dass sie ausgerechnet an diesen Mann geraten ist, der sich selbst beschäftigen konnte und ihr damit den Kopf frei hielt für kreative Werke.
Was ist vom Markgrafen übrig geblieben?
Im Markgräflichen Schloss ist heute die Justizvollzuganstalt von Franken einquartiert. Der See trocknet im Sommer aus. Die extra breite Straße – für die Paraden - mit dem Kopfsteinpflaster bildet immer noch der Mittelpunkt von Sankt Georgen. Demnächst soll auch diese Straße saniert werden. Hoffentlich bleibt der Charakter erhalten. Rechts und links stehen die stattlichen Häuser der früheren Verwaltung – Steuereintreiber, Schreiber und höhere Beamte wohnten hier.
Was ist von der Markgräfin Wilhelmine für die Nachwelt erhalten geblieben?
Das Neue Schloss, Schlosspark, Hofgarten, Eremitage mit Wasserspielen, das Felsenlabyrinth Sanspareil, Markgräfliches Opernhaus mit der größten Hinterbühne und der besten Akustik…
Markgraf Friedrich III sei Dank.
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