
Tiere – besonders die Schnecken – und Pflanzen wie Holunder, Mohn, Seerose und Mittagsblume sind sichere Wetterpropheten. Wer die Natur beobachtet, kann das Regenwetter vorhersagen.
Der Wetterbericht sagt für den Tag “Strichweise Regen” voraus. Es fragt sich bloß, wo der Strich verläuft. Bewohner in bergigen Gegenden betrachten skeptisch diese Wetteraussichten. Sie wissen aus Erfahrung, dass sich manchmal eine Wolke ein paar Kilometer vorher oder nachher abregnet. Die meisten Wetterregeln entstanden durch Beobachtungen. Sie stammen aus einer Zeit, in der es weder Autos noch Flugzeuge gab, die die Menschen mit hohen Geschwindigkeiten von einem Ort zum anderen führten. Bauernregeln, besonders von Pflanzen oder Tieren, beziehen sich auf einen bestimmten geographischen Punkt. Wenn also ein Gartenbesitzer wissen möchte, ob er die Gießkanne herausholen muss, oder ob die Natur das Bewässern für ihn erledigt, kann er sich auf folgende Regeln verlassen -> siehe auch Sommer 2011 – heiß und trocken.
Sobald die Schnecken laufen, wird es feucht.
Schnecken sind normalerweise kaum zu sehen. Sie verstecken sich unter Blättern oder sonst irgendwo im Schatten. Damit schützen sie sich vor dem Austrocknen ihrer empfindlichen Haut. Nachts kommen sie aus ihren Verstecken und machen sich über die Pflanzen her, die schöne weiche Blätter vorweisen können. Zu ihren Lieblingsspeisen gehören Salat, Zinnien, Rote Bete und mit Vorliebe die zarten Kürbissprossen. Sobald sie – besonders die Nacktschnecken(!) – einen ungeschützten Weg kreuzen, und das noch am Tage, herrscht schon sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Und die Schnecken laufen nur, weil sie wissen, dass diese Feuchtigkeit anhält. Schnecken zeigen somit eine länger anhaltende Regenperiode an. Aber wenn es regnet und die Schnecken haben sich zurück gezogen, hört der Regen mit Sicherheit auf – selbst wenn es noch einige Stunden nieselt.
Im Gegensatz zum Dauerregen zeigt der blühende Holunder plötzliche Regenschauer an.
Hier gilt die alte Bauernregel: „Sobald der Holunder blüht, hört der Regen nicht auf“. Der Holunderstrauch blüht in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juni. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, wie zum Beispiel im Jahre 2010. Charakteristisch für die Zeit der Holunderblüte ist die Wärme. Es ist eine Zeit, in der der sprichwörtliche “warme Regen” die Vegetation zum Wachsen bringt. Kenner der Regel gehen in dieser Zeit nie ohne Schirm aus dem Haus, selbst wenn die Sonne noch so schön und strahlend scheint. Aus heiterem Himmel kann schon der nächste Platzregen kommen.
Der Mohn entwickelt eine besondere Strategie, die besorgte Gärtner zur Verzweiflung bringt.
Pflanzen schützen ihre Pollen, denn die brauchen sie zur Fortpflanzung. Damit kein Regen in ihre Blütenkelche eindringt, lassen Mohnblüten einfach die Köpfe hängen. Ein Mohn-Stängel sieht aus wie der gebogene Knauf eines Regenschirms. Meist scheint um diese Zeit noch die Sonne und keiner ahnt, dass es in ein paar Stunden regnen wird. Liebevolle und sensible Gärtner, die ihre Pflanzen beobachten, tippen sofort auf Wassermangel. Egal, wie viele Kannen – mit feinstem Regenwasser aus der Tonne – sie um die Mohnpflanzen herum ausgießen, die Blüten schauen nach unten. Mohnblüten sind zwar gute Frühwarner, sagen aber (leider) nichts über die Regenstärke aus. Es kann sich auch nur um einige Tröpfchen handeln.
Mittagsblumen kommen aus Afrika zu uns.
Sie sind von der Sonne verwöhnt und reagieren empfindlich auf alles andere. Richtig aufgeblüht ist dieser Korbblütler lediglich zur Mittagszeit, aber auch nur dann, wenn die Sonne richtig scheint. Ist es bewölkt, schließen sich die Blüten, dass sie aufgehenden Knospen ähneln. Sind die Blütenköpfe ganz geschlossen, so dass die Blütenblätter wie gefaltete Finger aussehen, herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Es dauert nicht lange, bis es regnet. Bleiben die Blütenblätter in diesem senkrechten Zustand, wird es nicht regnen. Da können die Wolken noch so bedrohlich übers Land ziehen – dem Grillfest steht also nichts im Wege.
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Thema “Mensch, Umwelt und Natur”:
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Wenn man ein Auge dafür hat, kann man sehr viel in der Natur ablesen. Meine Seerosen sind auch ein gutes Wetterbarometer, sie schliessen die Blüten, wenn Regen im Anmarsch ist.
LG Soni
Mit Seerosen habe ich keine Erfahrung, kann es mir aber gut vorstellen.
In den nächsten Artikeln werde ich näher auf die Tiere eingehen – von den “stechlustigen” Bienen bis hin zu den tief fliegenden Schwalben.
Es ist faszinierend wie viel einem die Natur doch verraten kann und was man aus ihr ablesen kann – ich werde mich auch mal daran versuchen das Wetter durch die Pflanzen und Tiere vorherzusehen.
Grüße vom ScoutConcierge
Es ist auf alle Fälle einen Versuch wert!
Dieser Artikel lag seit letztem Sommer “auf Halde”. Heute habe ich die Kladde bearbeitet und freue mich natürlich über so viel Interessen.
Im Frühjahr fällt besonders der Krokus als Regen/Schneezeiger auf. Wenn die Sonne scheint, sind die Blüten tellerförnig geöffnet. Sobald sich Regen ankündigt, schließen sich die Blüten und sehen fast knospig aus.
Noch extremer ist es bei einer botanischen Tulpe, deren Name mir gerade nicht einfällt. Sie wird kaum 10 cm hoch, blüht sehr früh, und sieht in geöffnetem Zustand aus wie eine Sonne – von einem Kind gemalt. Geschlossen ist sie kaum zu sehen, denn die Unterseite der Blütenblätter ist fast grau.
Beide Blumen blühen gerade – zumindest hier.