Atomkraft? Kernenergie? Sicher? 500 Jahre lang?
2. April 2011 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Erde, Gestern / Heute / Morgen, Lebensstil, Stadt Land Fluss, Wasser
Wir wissen nicht, wie lange das radioaktiv verseuchte Wasser braucht, um aus Japan zu uns zu kommen. Wir wissen lediglich, dass wir den kommenden Generationen mit den Atommeilern eine gefährliche Bürde hinterlassen, die wir nicht im Griff haben. Können wir diese Technologie zum jetzigen Zeitpunkt – an dem Alternativen sichtbar sind – verantworten?
Wir wissen nicht, wann wir keine Fische mehr essen können, weil sie giftig sind.
Wir wissen nicht, wann die Fischer sich eine andere Arbeit suchen müssen.
Wir wissen nicht, wann die Strände weltweit so stark belastet sind, dass keiner darin baden, tauchen oder surfen kann – es sei denn, er /sie / es nehmen eine Strahlenkrankheit wie Leukämie in Kauf.
Wir wissen nicht, was das für die Touristik-Branche und alle damit verbundenen Arbeitsplätze bedeutet.
Wie sah das Leben vor 500 Jahren aus, also um 1500?
Gehen wir einmal davon aus, dass der Atommüll noch für 500 Jahre giftig ist – das sind nach heutiger Schätzung die niedrigsten Werte. Die Menschen der Renaissance waren große Erfinder, Künstler, Techniker. Sie bewegten sich entweder zu Fuß, auf Pferden, Eseln oder Kühen fort oder ließen sich von diesen ziehen. Bis auf Leonardo da Vinci dachte wohl noch niemand daran, dass eine Fortbewegung ohne menschliche oder tierische Energie möglich ist.
Zum Heizen standen in den Schlössern Kachelöfen bereit, die sogar schon aus einem Nebenzimmer befeuert werden konnten – Vorläufer unserer Heizung. In der übrigen Bevölkerung wärmte eine Lehmkugel oder das Vieh die Menschen. An Tag und Nacht – Sommer wie Winter – klimatisierte Räume dachte damals noch niemand.
Zur Beleuchtung diente ein Feuer, das mit Bienenwachs, Talg von Tieren oder Pech etwas gebremst wurde und somit länger anhielt. In den Schlössern reflektierten Spiegel die Kerzen und sorgten für Helligkeit. Niemand hätte sich in der Zeit vorstellen können, dass Helligkeit in der Dunkelheit anders als mit einem Feuer erreicht werden kann.
Wie werde ich satt – in den nächsten Tagen, Wochen, über den Winter?
Wie schütze ich mich vor Feuersbrunst, Hagelschauer, Pest? Diese Sorgen trieben die Menschen vor 500 Jahren um. Unsere heutige Sorge gilt dem Arbeitsplatz. Wie sichern wir unseren Lebensstandart? Wo verbringen wir unseren nächsten Urlaub?
Was wissen wir davon, wie Generationen nach uns ihre Freizeit gestalten, wie viel Energie sie brauchen, wie diese Energie gewonnen wird? Wir wissen mit Sicherheit, dass wir mit dem giftigen Atommüll den kommenden Generationen ein ungelöstes Problem hinterlassen, selbst dann noch, wenn sofort alle Atommeiler abgeschaltet werden. Zur Frage der Verantwortung – siehe oben!
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Die Frage die ich mir bezüglich der falschen Messwerte von Tepco stelle ist, ob das reine Unfähigkeit oder ob das Absicht ist. Japans Atomgigant Tepco hat in der Vergangenheit immer wieder Pannen vertuscht. Die Strahlen-Messwerte vom Grundwasser in und um das Atomkraftwerk seien teilweise fehlerhaft, teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde am Freitag mit. Das Grundwasser sei aber dennoch sehr wahrscheinlich verstrahlt. Ich weiss jetzt wirklich nicht was schlimmer ist, allerdings sollte man eins gelernt haben. Das Betreiben solcher gefährlicher Technik sollte in staatliche Hand gegeben werden und nicht mehr in private Hände.