Trickfilm-Tipp: Sonntag – die letzte Vorstellung des Krause-Theaters
7. Januar 2012 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Alles Theater, Bücher / Filme / Kunst, Film-Festival, Gestern / Heute / Morgen, Kino-Film, Mann oh Mann, Trickfilm Festival
Ein Mann mit Hut, vom Aussehen wie Humphrey Bogart, begleitet die Zuschauer durch den Trickfilm. Sowohl mit seiner – mit Bleistift schwarz/weiß gezeichneten – Figur als auch mit seiner Stimme dokumentiert er die einzelnen Stationen in den realistisch gemalten Kulissen.
Er kommt an die Theaterkasse und kauft eine Eintrittskarte für die letzte Vorstellung des Krause-Theaters. Er weiß nicht, was gespielt wird, denn es gibt kein Programm mehr. Er setzt sich in dem leeren Zuschauerraum in die erste Reihe. Der Vorhang fehlt. Auch die Kulissen sind nicht mehr vollständig. Schauspieler treten ohne Kostüm und Maske auf.
Eine Frau tritt vor und fragt ins Publikum, ob jemand sie nach Hause fahren kann. Der Erzähler erkennt seine Mutter, geht auf die Bühne und steht etwas hilflos da. Der Souffleur im Kasten ruft ihm zu, er solle seine Großmutter nach Hause bringen. „Das ist meine Mutter!“ ruft er empört zurück und bringt sie hinter die Bühne. Eigentlich mag er keine Theaterstücke, in denen die Zuschauer mit einbezogen werden. Zu seiner Mutter sagt er: „Du hast das Käthchen von Heilbronn auf großen Bühnen gespielt, warum machst du das hier?“ Sie deutet auf die Kameras, die alles ins Publikum übertragen. „Mutter, ich kenne das Stück nicht, ich weiß den Text nicht.“
Er geht wieder in den Zuschauerraum, in dem er jetzt ganz allein ist. Die Bühne wird abgebaut, die Wände verschwinden, die Decke hebt sich auf, und schließlich schweben die Sitzreihen davon. Außer ihm sitzt keiner mehr im Theater.
Mir ging dieser Trickfilm von Jochen Kuhn nicht aus dem Sinn. Nur konnte ich ihn nirgendwo einordnen, bis mir kurze Zeit später ein Träumer kurz nach dem Erwachen seine Traumbilder erzählte ->>Traumbilder: Das kleinste Theater der Welt
Es war ebenfalls ein Mann in ungefähr dem gleichen Alter, der einfach nur erzählte – im gleichen Tonfall. Ein typischer Traum, der den Träumenden ratlos hinterlässt. Nach dem Aufwachen fragt sich der Träumer: „Was hat das alles zu bedeuten?“Auch hier schien ihm alles Realität zu sein, obwohl es sich so nicht zugetragen haben kann. Beim einen Träumer bleiben die Bilder vor seinem geistigen Auge im Kopf, bei anderen nehmen sie im Film Gestalt an.
Meine Brücke zum Verständnis dieses Films, der mir in Ton und Bild lange Zeit im Gedächtnis blieb. Oder existieren diese beiden Parallelen nur in meinem Kopf?
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