Tristan und Isolde in Bayreuth 2011 – Was ist neu?
30. Juli 2011 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Aktuell, Bayreuth, Bühne, Inszenierung, Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Bühnenbild und Kostüme, Festspiele, Frauenkultur, Inszenierung, Mann oh Mann, Oper, Tristan und Isolde
Was hat sich geändert? Nix & Nuscht! Das Erfreuliche daran bleibt erhalten. Das hohe musikalische Bayreuth-Niveau der Sänger ist gleich geblieben. Ebenso das Festspielorchester unter der Leitung von Peter Schneider. Siehe-> Tristan und Isolde: Sänger, Dirigent, Orchester auf höchstem Niveau
Die Interaktion der Sänger untereinander ist gleich geblieben. Siehe-> Tristan und Isolde als öffentliche Oper für alle
Wie zum Beispiel Robert Dean Smith mit voller Stimme und der Beweglichkeit eines Oratoriensängers. Einmal hebt er den rechten Arm, nach langer Pause den linken Arm. Im Liebesduett steht er an der Rampe, ohne auch nur eine Blick auf seine geliebte und entbehrte Isolde zu werfen. Nebeneinander ins Publikum blickend sitzen sie auf den Designerhockern im Garten, den Anna Viehbrock als leeren Raum – bis auf besagte Designerhocker – gestaltet hat.
Kostüme und Bühnenbild sind gleich geblieben. Wahrscheinlich aus der Erkenntnis heraus, dass es hier nichts zu verbessern gibt. Siehe -> Tristan und Isolde: Nussbaumfurnier und Faltenrock
Eines brachte mich zum Grübeln. Warum stieren alle Sänger und die paar Statisten so ausgiebig die Wände an? Warum schleichen sie tastend an den Mauern entlang? Begutachten sie das Wachstum der Schimmelpilze, die den Zuschauern ab der dritten Reihe verborgen bleiben? Hat es etwa einen tieferen Sinn? Wie die Rüstung aus Filz in Schlingensiefs Parsifal, die an Beuys erinnern soll? Folgen diese Bewegungen den Strukturen des Mauerputzes? Ein typisches Verhalten von Autisten – die Rücken zum Publikum sprechen dafür.
Siehe -> Der Hungerkünstler von Georg Elterlein
Um das herauszufinden, werden Festspielbesucher in den kommenden Jahren noch Gelegenheit haben. Es hat nichts damit zu tun, dass die Inszenierung so gut angenommen wurde und deshalb immer wieder gewünscht wird. Der Grund ist weitaus pragmatischer. In den nächsten Jahren spielen Opern mit großer Chorbesetzung – Tannhäuser, Parsifal, Holländer und 2013 eine Neuinszenierung des Ringes. Die Chorsänger brauchen dazwischen ihre Ruhezeiten – deshalb Tristan.
Also …dem hervorragenden Festspielchor zuliebe.
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- Tristan und Isolde: Nussbaumfurnier und Faltenrock
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Tristan und Isolde, Oper mit Musik und Libretto von Richard Wagner
Aufführung der 100. Bayreuther Festspiele 2011
Besetzung 2011:
Musikalische Leitung – Peter Schneider
Regie – Christoph Marthaler
Szenische Leitung der Wiederaufnahme – Anna-Sophie Mahler
Bühnenbild – Anna Viebrock
Kostüme – Anna Viebrock
Chorleitung – Eberhard Friedrich
Dramaturgie – Malte Ubenauf
Tristan – Robert Dean Smith
Marke – Robert Holl
Isolde – Iréne Theorin
Kurwenal – Jukka Rasilainen
Melot – Ralf Lukas
Brangäne – Michelle Breedt
Junger Seemann – Clemens Bieber
Ein Hirt – Arnold Bezuyen
Ein Steuermann – Martin Snell
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