
Auf beiden Seiten der Bühne sitzen ausgeloste Opernbesucher. Als Zuschauer erleben sie das Operngeschehen hautnah. Seitlich sehen sie den Dirigenten Thomas Hengelbrock und einen Teil der Musiker, die der berühmte “Deckel über dem Orchestergraben” frei gibt. Überall auf der Bühne dirigiert Thomas Hengelbrock in kleinen Monitoren. Chor und Sänger empfangen damit ihre Einsätze.
Ich war dabei, und seitdem schwärme ich für den Inspizienten. Ruhe & Ausgeglichenheit, dein Name sei UDO. Dabei fing alles mit einem Missverständnis an. Wir landeten, nach einer Odyssee durch Gänge und Schläuche, hinter deckenhohen Paravents, vorbei an emsigen Kabelträgern, in einem Gang, direkt vor einen Überseecontainer von einem Mann: Udo. „Und ihr bleibt alle bei mir – in Sichtweite.“ Machen wir doch gern, obwohl wir, laut Tageskarte, nicht mitspielen dürfen. Es stellt sich heraus, dass damit die Statisten gemeint sind, die alle brav zu ihm hinschauen.
Sänger – Chor – Bläser – Souffleuse – Chordirigenten
Es ist ein Erlebnis, wenn Wolfram plötzlich neben mir anfängt zu singen. Eher ist es ein Schreck, denn ich bin noch mit den Geschehnissen auf der Bühne beschäftigt.Nur der Kopf der Souffleuse schaut aus ihrem Kasten. Sie singt alles mit und spricht es laut vor – bevor es die Sänger singen.
Der Musiker mit dem Englischhorn-Solo spielt nicht etwa auswendig, auch wenn es von vorn so aussieht. Er liest seine Noten vom Blatt, das an einem Pfeiler festgeklebt ist. Ein Auge auf das Notenblatt, eines auf den Dirigenten.
Neugierde und Kombinationsgabe treffen aufeinander.
Warum quetscht sich die Frau bloß in die schmale Besenkammer, die schon mit einer Unzahl von Rohren und Leitungen voll gestellt ist? Die auch noch durch eine Bretterwand von der Bühne getrennt ist? Wie machen es die Chormitglieder? Sie tanzen, bewegen sich in alle möglichen Richtungen – sogar nach hinten – und singen trotzdem wie ein Mann/Frau. Ganz einfach: Die Frau in der Besenkammer entpuppt sich als Chordirigentin – eine von mehreren. Als Taktstock hält sie eine Taschenlampe mit einem roten Lichtkopf in der Hand und dirigiert synchron mit Thomas Hengelbrock, den sie auf einem Monitor sieht.
Einige Illusionen gehen dahin
Wie der Alkoholator von hinten aussieht, verrate ich lieber nicht.Reaktionsschnelligkeit ist gefragt, wenn die Requisiten von der Bühne und auf die Bühne gebracht werden. Die großen Kisten müssen schnell und exakt von Punkt A nach Punkt B verschoben werden. Nur geistesgegenwärtiges Wegducken schützt da vor blauen Flecken.
Auf keines dieser Tannhäuser-Erlebnisse möchte ich verzichten. Auch nicht auf die – mit halbem Ohr gehörten – Gespräche der Bühnenarbeiter, die emotional nicht an dem Geschehen auf der Bühne beteiligt sind.
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