Elling schafft das!
14. Oktober 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühnenbild und Kostüme, Elling, InszenierungElling – Schauspiel von Axel Hellstenius
Theater 58 Zürich | 13.10.2009
Vorgezogene, hängende Schultern, kleine Trippelschritte, Kopf eingezogen, den Mund etwas schief – Elling scheint immer auf dem Sprung, immer schreckhaft. Elmar Schubert lebt diese Figur. Der zwanghafte, von Phobien verfolgte Elling gewinnt durch ihn Persönlichkeit, macht ihn sympathisch.
Der fantasiebegabte Elling lebt seit zwei Jahren mit dem einfach strukturierten Kjell Bjarne – Maurillio Nussio, zwar hervorragend in Mimik und Gestik, die Sprache allerdings zu geschliffen für einen derart tumben Tor – zusammen in einem Zimmer. Diesen Ort beschreibt Elling poetisch als Stätte, wo sich Leute nach einer hektischen Zeit erholen können. Kjell Bjarne nennt ihn schlicht Klapse. Elling erzählt seinem Mitbewohner Geschichten, in denen er als Bordellbetreiber, Söldner in Bosnien oder Referent des Ministerpräsidenten auftritt. Kjell Bjarne bewundert ihn dafür, denn er denkt immer nur an Frauen und daran, dass er noch keine hatte.
Diese beiden Männer bekommen zusammen eine Wohnung in einem Mietshaus zugewiesen, um das eigenständige Leben zu proben. Dabei soll der Sozialarbeiter Frank – Björge Hehner, etwas zu blass für diese Figur – behilflich sein. Vieles müssen sie erst lernen. Als das erste mal das Telefon klingelt, ergreift Kjell Bjarne die Flucht; Elling schnappt sich einen Putzeimer und putzt, und putzt, und putzt, bis es aufhört zu klingeln.
Der autistisch veranlagte Elling liebt es ordentlich und mag keine Veränderungen, zum Beispiel aus der Wohnung gehen. Fremde Menschen sind ihm suspekt. Mit dem Fernglas beobachten sie die Frauen von gegenüber. Während Elling sich erotische Geschichten über deren Leben ausdenkt, bemerkt Kjell Bjarne lediglich die übergrossen Geschlechtsmerkmale der Frauen.
Dieses geregelte Leben wird gestört, als Kjell Bjarne auf dem Flur eine Frau findet. Die ist nicht nur total blau, sondern auch noch hochschwanger. Elling plädiert dafür, die Frau liegen zu lassen, damit jemand anders sie finden kann, doch Kjell Bjarne kümmert sich um sie.
Pascale Jordan überzeugt mit dieser Frau, die auf dem gleichen geistigen Niveau steht wie Kjell Bjarne. Das lässt die beiden füreinander bestimmt sein – die Zuschauer sehen es mit liebevoller Erleichterung.
Elling entdeckt sein poetisches Talent, das er trotz aller Widerstände und selbst erschafften Hindernisse ausbaut. Als sein „Durchbruch“ – ein Abdruck seines Gedichtes in der Zeitung – ihm am Ende sogar das erste und einzige Lächeln entlockt, entlässt er die Zuschauer mit seinen strahlenden Augen heiter und erleichtert. Elling hat es geschafft!
Bühnenbild und Kostüme
Stimmige Kostüme von Maggie Zogg: der akkurate und blasse Elling erscheint mausgrau und unauffällig; Kjell Bjarne im Holzfällerhemd mit ausgebeulter Schlamperhose; schrill, billig und bunt die Frauenfiguren.
Das minimalistische Bühnenbild von Dani Bodmer, bestehend aus einem Hausrahmen, einer Tür, Tisch, zwei Stühlen und einem Regal, bietet Raum für eigene Fantasiebauten.
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Elling – Schauspiel von Axel Hellstenius
nach dem Roman „Blutsbrüder“ von Ingvar Ambjörnsen
Deutsch von Gabriele Haefs
Theater 58 Zürich | 13.10.2009
Regie: André Revelly
Bild: Dani Bodmer
Kostüme: Maggie Zogg
Elling: Elmar Schubert
Kjell Bjarne: Maurilio Nussio
Frank: Björge Hehner
Gunn, Kellnerin, Reidun: Pascale Jordan
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Elling schafft das!
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Es ist so ein schmaler Grat zwischen lächerlich machen und Betroffenheit. Wenn die figuren sympatisch sind, dann waren meiner Meinung nach die Schauspieler gut.
Warum kann man darüber nicht einfach lachen? In jedem von uns steckt doch ein bisschen Elling.
in vielen dingen habe ich tatsächlich über mich selbst gelacht, in anderen über meine mitmenschen