Lucio Silla: Spiel mit dem Feuer

19. Mai 2009 | Von | Kategorie: Inszenierung, Lucio Silla

Herzen im FeuerLucio Silla von Wolfgang Amadeus Mozart in der Staatsoper Stuttgart

Inszenierung

Olga Motta, verantwortlich für Regie, Bühne und Kostüme, bringt endlich einmal wieder das auf die Bühne, was mir am Theater so gefällt: Bühnenzauber und optisch schöne Kostüme. Diese Inszenierung hebt sich deutlich von anderen ab. Olga Motta spielt zum Beispiel mit Feuer auf der Bühne – gut sichtbar vor einem dunklen Hintergrund, der Boden angeleuchtet in tiefem Tintenblau.
Als Cinna (Ina Kancheva) und sein Freund Celicio (Tina Hörhold) beschließen, den Kampf gegen den Tyrannen Lucio Silla (Burkhard Fritz) aufzunehmen, legen sie zur Bekräftigung eine Lunte über die Bühne – in Schlangenlinien. Cinna (Ina Kancheva) entfacht hinten das Feuer, das während der Arie vorn bei Cecilio (Tina Hörhold) ankommt.

Sänger und ein Schauspieler

Feuer brennt auch während Lucio Sillas (Burkhard Fritz) Arie, in der er die Ungerechtigkeit der Welt besingt. Es symbolisiert die Wärme zu Giunia (Simone Schneider), aber auch den zerstörerischen Zorn über deren Zurückweisung. Seine Schwester Celia (Julia Sukamanova) zündet ihm Kerzen auf einer Geburtstagstorte an.
Nicht nur auf der Bühne wird gespielt. Olga Motta bezieht auch den Zuschauerraum in der großen Oper mit ein. Die Richter (beeindruckender Männerchor) singen aus der Galerie vom dritten Rang, von rechts und von links.  Lucio Silla (Burkhard Fritz) baut sich auf im zweiten Rang, der Bühne gegenüber– direkt neben der Königsloge mit dem Wappen – seine Schärpe dekorativ über die Brüstung geworfen. In Mimik, Gestik und Gesang eine beleidigte Leberwurst.
Der Tod (schaurig bis gespenstisch gespielt von Christian Wirmer ist immer dabei. Teilweise übernimmt er die Hand von Giunia (Simone Schneider) und hält statt ihrer die Hand des Verlobten.

Musikalische Spitzenleistung

Sébastien Rouland leitet das Stuttgarter Staatsorchester umsichtig, die Sänger unterstützend.
Viele Soli, mit Bravour geleistet. Sängerinnen und Sänger brillieren nicht nur musikalisch (die spitzen Töne von Julia Sukamanova einmal ausgeklammert), sondern auch darstellerisch. Burkhard Fritz singt und spielt hervorragend den eitlen Tyrannen, der sich von Spielverderbern umzingelt sieht. Ohne Instrumentenbegleitung singt er die letzte Arie als Totenklage.

Nachhall

Wunderschön der Klarinettenton von Nicole Kern. Als am Ende die Welt zusammenbricht, Leichen herumliegen, auch Lucio Silla verstummt ist, spielt sie statt einer Stimme die Arie, anklagend, sentimental, anrührend. Den Zuschauern bleibt genügend Zeit, das Gesehene und Gehörte noch einmal vor dem geistigen Auge und Ohr vorbeiziehen lassen, als Nachhall einer beeindruckenden Aufführung.

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Mitwirkende an diesem Abend

Wolfgang Amadeus Mozart
Lucio Silla
Dramma per musica in drei Akten
Libretto von Giovanni de Gamerra

Staatsoper Stuttgart

Musikalische Leitung: Sébastien Rouland
Regie, Bühne und Kostüme: Olga Motta
Licht: Claus Ackenhausen
Chor: Johannes Knecht
Dramaturgie: Albrecht Puhlmann

Besetzung am 8. Mai 2009:
Lucio Silla: Burkhard Fritz
Giunia: Simone Schneider
Cecilio: Tina Hörhold
Cinna: Ina Kancheva
Celia: Julia Sukamanova
Der Tod: Christian Wirmer

Thema “Oper”
- “Bühnenbild Kostüme”
- “Grüner Hügel”
- “Hauptsache Frauen”
- “Hauptsache Mann”
- “Inszenierung Regie”
- “Lucio Silla”
- “Opernhandlung Libretto Inhalt”
- “Paare”
- “Persönliche Empfehlung”
- “Presseartikel: Oper”

 

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2 Kommentare auf "Lucio Silla: Spiel mit dem Feuer"

  1. [...] Tyrann Lucio Silla liebt Giunia und beklagt sich bei seiner Schwester Celia, dass diese ihn immer noch nicht liebt. [...]

  2. Silvia sagt:

    Wie der Silla da oben im ersten Rang seinen Purpurmantel herunterhängen lässt, das hat schon was für sich. so ein “Herrscher” ist doch beeindruckend.

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