✒ Hörbuchtipp: „Verbrechen“ von Ferdinand von Schirach, gelesen von Burghart Klaußner

Warum?!
Mit dieser Frage beschäftigt sich Ferdinand von Schirach sowohl in seinen Kurzgeschichten als auch im realen Leben als Anwalt.

Warum betäubt eine Schwester ihren geliebten Bruder und ertränkt ihn in der Badewanne? Er war ihre einzige Bezugsperson – eine gegenseitige Liebe seit ihrer Kindheit. Als ihre Mutter tödlich verunglückte, wuchsen sie in Obhut einer lieblosen Haushälterin auf, die schon ewig im Hause des reichen Bauunternehmers gedient hatte. Die einzige Vorgabe des Vaters lautete: „Sie sollen nicht überheblich werden“. Sie sollten arbeiten lernen, sollten keine „reichen Pinkels“ werden. Die Haushälterin übernahm diese Aufgabe gewissenhaft. Spielzeug gab es nicht, Taschengeld gab es nur dann, wenn es vorher erarbeitet wurde. Löwenzahn aus dem Rasen zupfen vergütete sie mit einem halben Pfennig pro Stück. Schneeschippen bezahlte sie nach Metern. In den Ferien mussten beide im väterlichen Betrieb arbeiten, bekamen aber nur 30% des Lohnes, damit sie nicht überschnappten. In dieser Atmosphäre ohne Liebe, ohne Spielzeug, ohne Bücher wuchsen sie auf – mit Geld, das nur für eine einzelne Kinokarte langt, die sie sich teilen.
Sie teilen alles, sind fast wie siamesische Zwillinge. Die Schwester nimmt ihren Bruder mit, als sie sich befreit und das Haus verlässt. Es folgen glückliche Jahre – sie fühlen sich frei. Dann passiert der Unfall. Der Bruder liegt mehrere Wochen im Koma. Als er erwacht, erkennt er seine Schwester nicht mehr, denn sein Gedächtnis reicht nur 3,18 Minuten zurück. Sie nimmt ihn nach Hause und pflegt ihn aufopfernd. Alles, was sie ihm erzählt, ist nach 3,18 Minuten wieder vergessen. Die Ärzte prophezeien, dass er bald als Spätfolge auch sein Sprachvermögen verlieren wird.
Soweit das „Warum?“!

Ebenso aufgebaut sind die anderen Mini-Krimis.
Warum spaltet ein 72-jähriger, überall anerkannter Arzt  seiner Frau nach 50-jähriger Ehe mit einem Beil (solide, original schwedische Qualität) den Kopf?
Es war von Anfang an eine schlechte Ehe, in der er ihre Demütigungen in Fäkaliensprache stoisch ertragen hatte. Nach der Hochzeit hatte er ihr geschworen, sie nicht zu verlassen. Seine Ehre verbietet ihm, einen Schwur zu brechen, bis ihm eines Tages der Nachsatz einfällt: „Bis dass der Tod euch scheidet“.
Na bitte – geht doch.

Spannende Kurzgeschichten, die alle auf ein Verbrechen hinauslaufen.
Ferdinand von Schirach erzählt aus der Sicht eines Anwaltes von Verbrechen, die logisch erscheinen und Sympathie für die Täter wecken. Seine Klienten umgibt er mit der Aura des Unausweichlichen. Die Leserinnen/Hörer tun es ihm gleich. Ruhig, und trotzdem mit stimmlicher Dramatik liest Burghart Klaußner die einzelnen Kurzkrimis.

Ferdinand von Schirach gibt den Leserinnen einen Einblick in die Arbeit eines Anwaltes. Er beherrscht die Kunst, einen Fall so zu drehen, dass aus Schwerverbrechern Sympathieträger werden.

Verbrechen: Starke Stimmen. BRIGITTE Hörbuch-Edition |  Ferdinand von Schirach (Autor)  |  Burghart Klaußner (Sprecher) | Random House Audio Editionen; (19. September 2011) | 9,99 Euro

 

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Spannung: