Wie reagiert das Festspielpublikum auf diesen Parsifal?
Parsifal ist schon vom Thema Ritterromantik her eine reine Männeroper, vollendet von dem 69-jährigen Richard Wagner. Besonders die Herren gleichen Alters bekommen glänzende Augen, wenn sie ihre Begeisterung für diese Inszenierung von Stefan Herheim begründen: „… zeitgeschichtliche Zusammenhänge“, „… generationenübergreifend“, „… Kriege als Regulator schon seit Urzeiten“… Nicht erwähnt werden die eindeutig zweideutigen Szenen. Alle tun so, als hätten sie die nicht gesehen;-)
Männliche Besucher ab einem bestimmten Alter verbuchen diese Altherrenoper in dieser Altherreninszenierung als vollen Erfolg. Mann oh Mann.
Parsifal in Bayreuth 2012 – was ist neu?
Weitaus mehr Gewicht wird in der Parsifal-Inszenierung von Stefan Herheim im Jahr 2012 auf eine klarer strukturierte Lichtführung (Ulrich Niepel) gelegt. Die Sänger stehen im Lichtkegel, während die Nebenhandlungen etwas abgedunkelt sind. Selbst wenn das Auge abschweift, ist es leicht, wieder zum Hauptstrang zurückzufinden. Besonders die textlastigen Dialoge werden ohne Ablenkung deutlicher. Bis auf den Parsifal (Burkhard Fritz) sind die Sänger die gleichen (Amfortas – Detlef Roth, Titurel – Diógenes Randes, Gurnemanz – Kwangchul Youn, Klingsor – Thomas Jesatko, Kundry – Susan Maclean) – auf dem gleichen hohen Niveau wie im Parsifal 2011. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Stark ausgeprägte religiöse Riten – Besinnung auf das Bühnenweihfestspiel?
Religion wird besonders im ersten Akt sehr betont. Viele kleine Parsifale in Matrosenanzügen knien nieder und falten die Hände. Bemalte Säulen drehen sich vom großbürgerlichen Salon der Gründerzeit zur romanischen Kirche, in der sich die Gralszeremonie abspielt (Bühne Heike Scheele). Es wird viel gebetet in diesem Jahr, auch bei den Soldaten aus dem 1. Weltkrieg, die als Gralsritter – die Guten – in den Heiligen Krieg ziehen. Gestärkt durch die Zeremonie des Heiligen Grals. (Hat das was genützt?)
Die Fußwaschung scheint gerade einem Tiziangemälde entsprungen zu sein. Parsifal mit langen, roten Haaren im Jesusgewand, Kundry in Kleidern der Maria. Mit ihren langen, roten Haaren trocknet sie Parsifals/Jesus’ Füße.
Klingsors Zaubergarten fällt durch die SS – Klingsors Ritter, die Bösen – in Schutt und Asche.
Sie sprengen alles, einschließlich sich selbst, kaputt. Ausgerechnet ein Hitlerjunge wirft den Speer, den Parsifal nach einem Augenblickstotallichtausfall plötzlich in der Hand hält.
Meine geliebten Blumenmädchen (Kostüme Gesine Völlm) haben sich nicht geändert.
Sie vollführten immer noch auf dem Brunnenrand ihre Modenschau in Kostümen der Revuegirls der wilden Zwanzigerjahre. Deutlicher liegt der Fokus auf den Krankenschwestern in ihrer grauen Tracht, die sich jeweils an Parsifal herandrängen und die Nebenbuhlerinnen wegschubsen. Die einzelnen Methoden der Damen verführen zum Schmunzeln bis Glucksen.
Richtig schön kitschig ist und bleibt der Karfreitagszauber – wie immer, wenn Emotionen im Spiel sind. Vorn an der Rampe leuchten Glühbirnen in Rot, Grün, Gelb, Orange – wie in einer Schießbude auf dem Jahrmarkt. Dafür scheint der Heilige Gral am Schluss blutrot, vorher Magenta(Telefonhäuschen)rosa.
Werkstatt Bayreuth:
In der von Wolfgang Wagner eingeführten “Werkstatt Bayreuth” nutzen die meisten Regisseure, so auch Stefan Herheim, die folgenden Spielzeiten, um ihre Inszenierung weiter zu entwickeln. Wie ändert sich in diesem “Parsifal” die Inszenierung und die beachtenswerte Ausstattung von Bühne und Kostümen von 2009 im Laufe der Jahre nach 2010 über 2011 bis schließlich und endlich 2012?
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Parsifal von Richard Wagner – Bayreuther Festspiele 2012
Musikalische Leitung – Philippe Jordan
Regie – Stefan Herheim
Bühnenbild – Heike Scheele
Kostüme – Gesine Völlm
Licht – Ulrich Niepel
Video – Momme Hinrichs Torge Møller
Dramaturgie – Alexander Meier-Dörzenbach
Chorleitung – Eberhard Friedrich
Besetzung 2012
Amfortas – Detlef Roth
Titurel -Diógenes Randes
Gurnemanz – Kwangchul Youn
Parsifal - Burkhard Fritz
Klingsor – Thomas Jesatko
Kundry – Susan Maclean
1. Gralsritter – Arnold Bezuyen
2. Gralsritter – Christian Tschelebiew
1. Knappe – Julia Borchert
2. Knappe – Ulrike Helzel
3. Knappe – Clemens Bieber
4. Knappe – Willem Van der Heyden
Klingsors Zaubermädchen – Julia Borchert
Klingsors Zaubermädchen – Martina Rüping
Klingsors Zaubermädchen – Carola Guber
Klingsors Zaubermädchen – Christiane Kohl
Klingsors Zaubermädchen – Jutta Maria Böhnert
Klingsors Zaubermädchen – Ulrike Helzel
Altsolo – Simone Schröder



