Am 30 Juni 2012 wurde das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth vom UNESCO-Welterbekomitee als “einzigartiges Monument der europäischen Fest- und Musikkultur des Barock” gewürdigt, also zum Weltkulturerbe eingestuft. Mit dem Opernhaus erhöht sich die Liste auf weltweit auf 962 Stätten.
Es gehört zu den ganz wenigen barocken Theaterbauten, die noch erhalten sind, und zwar fast im Originalzustand. Es gab zwar genügend andere, vielleicht sogar noch weitaus prunkvollere Bauten aus dieser Zeit. Fast alle sind abgebrannt. Nur Wilhelmines Opernhaus überlebte die feurigen Zeiten im Dornröschenschlaf, und das kam so:
Wilhelmine vollendete nach vierjähriger Bauzeit 1748 ihr prunkvolles Opernhaus, das sie nach ihrer eigenen Aussage mehr liebte als ihre Tochter – obwohl es zur Verlobung eben dieser Tochter eingeweiht wurde.
Wilhelmine nutzte dieses barocke Juwel ausgiebig bis zu ihrem Tode 1758. Ihrem Nachfolger fehlte für Kultur das Verständnis. Kurzerhand ließ er das Haus schließen. Als sich die Bayreuther irgendwann auf ihr vergessenes Theater besannen, gab es schon elektrisches Licht, das sofort installiert wurde. So kam Bayreuth im Schlafwagen zu einem prunkvollen Opernhaus – mit einem Minimum an Investitionen.
Weil die Akustik so hervorragend war, wurde das Opernhaus bald wieder bespielt. Sogar Richard Wagner vernahm den exzellenten Ruf, musste aber feststellen, dass zwar der Klang hervorragend war, der Orchestergraben aber keinen Platz für ein 120 Musiker starkes Orchester vorweisen konnte. Außerdem wünschte sich der bescheidene Komponist mindestens die vierfache Besucherzahl. 500 Zuschauer waren ihm einfach zu wenig für seine Werke.
Die Bayreuther wussten schon lange um den Wert ihres barocken Bretterbodens und meldeten ihr Schmuckstück bei der UNESCO zur Aufnahme in die Liste der Weltkulturerben an. Jahre sind damit ins Land gegangen, bis sie endlich an die Reihe kamen.
Inzwischen waren sie auch nicht faul. Die Oper muss dringend renoviert werden, und die Renovierung wird einige Jahre in Anspruch nehmen. Neben allen unsichtbaren Ausbesserungen wird hier die für alle sichtbare Farbe aufgefrischt. Das preußische Blau soll wieder in vollem Königsblau erstrahlen. Wie zu Wilhelmines Zeiten. Gerade war das Haus zu diesem Zweck geschlossen, da kam die freudige Nachricht aus Sankt Petersburg.
Also werden bis zu Herbst noch Führungen im Prunksaal durchgeführt – es lohnt sich.
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