Stürmisch, kraftvoll, elegant, rhythmisch, farbenfroh – so lässt sich dieses Handlungsballett “Don Quijote”(Choreografie Maximiliano Guerra) in Kurzform beschreiben.
Genau so kurz erzählt ist der Inhalt. Junge Frau und junger Mann verlieben sich, können aber nicht heiraten, weil der Vater einen reichen Mann für seine Tochter ausgesucht hat. Die Liebenden fliehen, erleben unterwegs Abenteuer und feiern drei Akte später ihre turbulente Hochzeit.

Nikolay Godunov (Cervantes), Myriam Simon (Dulcinea) in „Don Quijote“ (Maximiliano Guerra), Copyright: Stuttgarter Ballett
Aber der Reihe nach:
Cervantes (Nikolay Godunov), der Dichter des Don Quijote, träumt sich in seine Fantasiewelt hinein. Begleitet wird er von seinem tollpatschigen Freund Sancho Pansa (Arman Zazyan) und seiner graziösen Muse Dulcinea (Myriam Simon).
Der arme Barbier Basilio (Daniel Camargo) liebt Kitri (Elisa Badenes), die ihn scheinbar kaum beachtet – das aber sehr anmutig. Reichtum kann er nicht vorweisen. Da hilft nur männliches Imponiergehabe. Mit Unterstützung seiner Freunde manderlt Basilio sich gewaltig auf – mit kräftigen Sprüngen und Pirouetten, danach sogar mit Gitarre. Andere Männer in dieser Situation stellen sich höchstens auf den Kopf und wackeln mit den Ohren. Kitri bleibt bei diesem Überschwang nichts anderes übrig, als sich – von Freude überrollt – herumzuwirbeln. Am anschließenden Freudentanz der Beiden beteiligt sich die ganze Dorfgemeinschaft.

Elisa Badenes (Kitri), Daniel Camargo (Basilio), in „Don Quijote“ (Maximiliano Guerra), Copyright: Stuttgarter Ballett
Die jungen Liebenden wissen zwar die Freunde hinter sich, aber Vater Lorenzo (Petros Terteryan) hat seiner Kitri einen reichen, wenn auch tollpatschigen Kavalier (Damiano Petenella ist einfach zum Knuddeln, aber zugegebenermaßen nichts für die forsche Kitri)) fortgeschrittenen Alters ausgesucht, den sie nicht einmal geschenkt möchte. Im Trubel der eintreffenden Toreros flieht das Paar.
Noch einen Tick eleganter und selbstbewusster (sogar das ist noch möglich) als die übrigen Toreros tanzt sich der Toreador (Alexander Jones) in den Vordergrund. Sind es die stolzen Gesten oder das goldene Cape, das auf der Innenseite blutrot blitzt? Es inspiriert die rassige Straßentänzerin Mercedes (Anna Osadcenco) zu einem Solotanz mit anschießendem Pas de Deux. Sie tanzt sich auf Spitzen im Slalom durch die senkrechten Messer, die die Toreros in den Boden rammten.
Ein sonniger Herbsttag im Zigeunerlager wandelt sich in fahles Licht wie bei Mondschein; wie ein Traum, erzeugt mit Lichtfächern (Olli-Pekka Koivunen) vom Boden bis zur Decke. Ein Gefühl wie Schwanensee – auf Spitzen kommen sie hereingetrippelt, die jungen Dryaden. Ihre Königin (Anna Osadcenko) mit zarter Krone, ein immer fröhlich lächelnder Cupido (Katarzyna Kozielska), Kitri im Goldtutu und die elegante Dulcinea (Myriam Simon) zeigen, wie leicht und mühelos ein hochkarätiger klassischer Spitzentanz aussehen kann.
In einer Tanztheatereinlage zeigten die beiden Zigeuner Magdalene Dziegielewska und David Moore die Lösung des Paarproblems. Sehr theatralisch spielen die beiden Verliebten es nach und dem Vater vor, wie Basilio sich vor Kummer ins Herz (daneben) sticht und Kitri vor Schmerz vergeht. Als Vater Lorenzo in Anbetracht des baldigen Ablebens des Bräutigams den beiden seinen Segen gibt, springen sie auf und vollführen einen Freudentanz.
Wie viele Arten von unterschiedlichen Um-die-eigene-Achse-Drehungen es doch gibt – nicht nur um die senkrechte Achse, sogar leicht schräg wie die Achse im Globus. Elisa Badenes wirbelt auf der Spitze. Daniel Camargo spiralt sich in die Luft, oder er spreizt ein Bein, malt damit eine Planetenumlaufbahn nach der anderen, zwischendrin eine Achterbahn, und stoppt direkt vor Kitri mit einem Kniefall.
Beim nächsten Mal zähle ich von Anfang an seine Drehungen mit
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Don Quijote – Der Träumer von La Mancha
Ballett in einem Prolog und drei Akten nach dem Roman von Miguel de Cervantes
Stuttgarter Ballett
Choreographie und Inszenierung | Maximiliano Guerra
Musik | Ludwig Minkus u.a.
Bühnenbild und Kostüme | Ramon B. Ivars
Lichtdesign | Olli-Pekka Koivunen
Musikalische Leitung | James Tuggle
Staatsorchester Stuttgart
Besetzung
Kitri | Elisa Badenes
Basilio | Daniel Camargo

