♫ Stuttgarter Ballett tanzt Onegin

14. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Aktuell, Ballett, Bühne, Inszenierung, Choreographen, Eugen Onegin, Inszenierung, Mann oh Mann, Musik & Theater

John Cranko choreografierte dieses Ballett vor 45 Jahren – eine romantische Inszenierung, bei der sich das Publikum immer noch verzaubern lässt. Sein Onegin ist jetzt im besten Mannesalter. Die Handlung des Ballettes hält sich eng an die Romanvorlage von Alexander Puschkin, genau wie die gleichnamige Oper. -> Inhalt/Handlung: Eugen Onegin – Oper von Tschaikowski

Onegin, Stuttgarter Ballett

Foto: Stuttgarter Ballett

Onegin beherrscht die Oper von (fast) vorn bis hinten. Alexander Jones tanzt nicht nur hervorragend, er durchlebt den Onegin vom überheblichen Lackaffen bis zum Schluss, als er sich Tatjana zu Füßen wirft. Anfangs kommt er mit einem gelangweilten Gesicht in das muntere Landleben, von dem er sich distanzieren möchte. Er zeigt mit seinen Soli deutlich, wie elegant, stark und weltgewandt er doch ist – leider imponiert das niemandem. Niemandem, außer der kleinen Tatjana (Maria Eichwald), die er nicht ernst nehmen kann.

Dominiert wird das Ballett von den großen Paartänzen – gelungene Charakterstudien.

Im Tanz zeigen die Paare die jeweilige Stimmung, in der sie sich befinden. Lenski (Marijn Rademaker) und Olga (Anna Osadcenko) springen vergnügt, jung, lebenslustig. In ihrem Pas de deux sind beide gleichberechtigt, verliebt, sorgenfrei und sprühen vor Tatendrang.
Onegin lässt Tatjana links liegen und tanzt seine Soli. Mit machtvollen Sprüngen zeigt er deutlich, wie wenig er von der kleinen Tatjana hält. Zwischendurch erinnert er sich an seine gute Erziehung, reicht ihr immer wieder seinen Arm, beachtet sie aber kaum. Im Gegensatz zu Tatjana, die mit ihren Augen an ihm hängt.
Im Traum, der Tatjanas Brief  in Tanz und Pantomime umsetzt, wendet sich das Blatt. Tatjana (Maria Eichwald) wird das Ziel von Onegins Begierde – er wirbt um sie. Ein fast zärtlicher Onegin, eine zarte, elegante, begehrenswerte Tatjana. Ihr Solo zeigt sie als eine verliebte und selbstbewusste junge Frau.
Auf dem Ball in Gutshaus langweilt sich Onegin, obwohl um ihn herum alle fröhlich tanzen. Demonstrativ legt er Karten und kümmert sich nicht um die Anwesenden. Als die Polonaise nach draußen marschiert, möchte er in dem kurzen Moment Tatjana ihren Brief zurückgeben. Sie weigert sich, ihn anzunehmen. Daraufhin zerreißt der sichtlich genervte Onegin den Brief und drückt ihr die Fetzen in die Hand. Auf Tatjanas Entsetzen reagiert er gereizt. Ihn sticht der Hafer. Nur um Lenski zu ärgern, fordert er Olga zum Tanzen auf und tanzt und tanzt immer wieder nur mit ihr.
Olga (Anna Osadcenko) nimmt seine Gefühlsentladung in ihrer Naivität auf die leichte Schulter, denn sie ist sich Lenskis Zuneigung gewiss. Lenski reagiert sauer. Er schmeißt Onegin den Fehdehandschuh hin. Dieser nimmt ihn auf – mehr aus Trotz und Borniertheit als aus Zorn.

Foto: Stuttgarter Ballett


Nach einem Zeitsprung von zehn Jahren zeigt sich Tatjana gereift und harmonisch im Tanz mit dem Fürsten Gremin (Nikolay Godunov). Schon die vielen Hebefiguren in ihrem Pas de deux deuten ihr Vertrauen zueinander an. Tatjana vollführt die tollsten Tanzfiguren, während er sie fest und sicher hält. Auf Gremin kann sie sich verlassen. Er lässt ihr die Freiheiten, in denen sie sich entfalten kann. Wie kann eine Partnerschaft, getragen von Fürsorge, Liebe und Vertrauen, eleganter gezeigt werden?

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Onegin dagegen zeigt sich mit versteinerter Miene. Auf dem Ball fliegen ihm die jungen Frauen nur so zu – das ist wörtlich zu nehmen. Mit reglosem Gesichtsausdruck absolviert er die kompliziertesten Tanzschritte, ohne eine der Schönen eines Blickes zu würdigen. Vor seinem geistigen Auge sieht er seinen Freund Lenski sterben. Ganz anders reagiert er, als er Tatjana wiedersieht. Mit schmerzverzerrtem Gesicht wirft er sich vor ihr auf die Füße und bettelt um Verzeihung.
Statt dessen bekommt er seinen Brief zurück – in Fetzen!

-> Weiterlesen: ♫ Onegin – junge Tänzer in zeitloser Choreografie

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 Stuttgarter Ballett tanzt Onegin
Choreographie und Inszenierung | John Cranko
Musik | Peter I. Tschaikowsky (Einrichtung: Kurt-Heinz Stolze)
Bühnenbild und Kostüme | Jürgen Rose
Uraufführung | 13. April 1965, Stuttgarter Ballett
Musikalische Leitung | James Tuggle
Staatsorchester Stuttgart

 

Besetzung am 12. Oktober 2012
Tatjana | Maria Eichwald
Onegin | Alexander Jones
Olga | Anna Osadcenko
Lenski | Marijn Rademaker
Fürst Gremin | Nikolay Godunov

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