✍ Architekturbuch-Tipp: Opera House – Musiktheater Linz

Linz hat eine neue Oper – und was für eine! Mit Recht sehen es die Linzer als ihr erweitertes Wohnzimmer an, mit Blick auf ihren Volkspark. Vielleicht betrachten sie es sogar als ihr Esszimmer, denn das Restaurant hat täglich geöffnet. Allen Benutzern bietet das Haus viel Komfort – Linzern, Opernpublikum und Mitarbeitern des Opernhauses. Das Musiktheater sieht aus, als hätte es schon immer da gestanden und gehörte dorthin.

Klar teilt es sich in verschiedene Bereiche, für Mitarbeiter und Publikum. Zum Volkspark hin residieren die Besucher der Opern-Vorstellungen und des Restaurants auf dem Dach. Gäste genießen als Zugabe den einzigartigen Blick über die Stadt bis hin zur Donau. Die gläserne Fassade lässt sowohl Licht hinein und bietet von außen einen Blick auf die strukturierte Fassade, die von Weitem wie ein Vorhang wirkt. Im Zuschauerraum können bis zu 1250 Besucher sitzen, und das außerordentlich bequem. Die roten Sitze sind nicht nur gut gepolstert, sondern lassen durch genügend Beinfreiheit die Langbeinigen aufatmen, die vorher immer am Stuhlreihenende sitzen mussten.

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Dabei war es ein schwieriges Grundstück, eher eine überdimensionale Verkehrsinsel. Die fünf unterschiedlich langen Seitenwände verlaufen alle an Straßen, eine Seite sogar in Nähe der Eisenbahn. Das mag für die zentrale Lage gut sein, für einen Opernbetrieb, bei dem Opernkenner die kleinsten Dissonanzen hören, wird es zur Herausforderung. Dies und andere Probleme lösten die Architekten Terry Pawson & ArchitekturConsult mit Bravour. Der Bühnenraum liegt eingebettet in der Mitte, somit ist schon einmal ein natürlicher Schallschutz da. Trotzdem wurde noch weiter daran gearbeitet. Selbst wenn im Haus mehrere Aufführungen stattfinden, in den Werkstätten die nächsten Bühnenbilder entstehen oder die Bühnentechnik nebenan für die neue Aufführung Kulissen aufbaut, dringt kein Laut hüber und nüber. Der Schallschutz sieht sogar so elegant aus, dass der großzügige Probenraum des Orchesters zum „goldenen Saal“ erklärt wurde. Die dreidimensionale golden schimmernde Oberfläche verändert sich je nach Lichteinfall.

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Und überhaupt das Licht! Tageslicht für alle, lautet hier die Devise, zumindest für die Besucher und die Mitarbeiter des Hauses. Für Sänger, Musiker, Ballett herrschen – mit anderen Häusern verglichen – schon fast paradiesische Zustände. Ein heller, weißer Ballettsaal für das Training, natürlich mit Tageslicht. Ebenso der großzügige Chorsaal. Der elegante Probenraum für das Orchester wird nicht nur für Proben des Brucknerorchesters, sondern auch für Kammerkonzerte im intimen Rahmen genutzt. Die Künstlergarderoben erhalten ihr Licht durch Lichtschächte im Dach. Nahe den Künstlergarderoben residiert die Kostümabteilung – so ist der Weg am Kürzesten und die Kommunikation am Schnellsten. Die Werkstätten mit ihren riesigen Abmessungen, wie der Malsaal oder die Schreinerei, liegen auf der anderen Seite. Verwaltung und Intendanz befinden sich weiter oben. Technik und die Tiefgarage, die auch außerhalb der Vorstellungen genutzt werden kann, liegen im Untergeschoss.

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Ganz oben, auf der Rückseite des Restaurants, liegt die Mitarbeiterkantine, wie immer in solchen Häusern ein Treffpunkt für spartenübergreifende Kommunikation aller Mitarbeiter. Genau wie die Restaurantbesucher haben auch sie einen Blick über die ganze Stadt.

Judith Eiblmayr berichtet über Bau- und Planungsphase. Sie führt Interviews mit den Architekten Terry Pawson und ArchitekturConsult. Fotos von verschiedenen Bauphasen verdeutlichen dieses prächtige Bauwerk, das in einer relativ kurzen Zeit fertiggestellt wurde.

Baubeginn 2009 – teilweise Inbetriebnahme 2012 – Eröffnung im Frühjahr 2013.

„Na bitte, geht doch“, werden jetzt diejenigen sagen, die an die Elbphilharmonie oder die im Verhältnis viel kleinere (fast genau so lang dauernde) Sanierung des Stuttgarter Schauspielhauses denken.
Besser und zutreffender wäre allerdings: CHAPEAU!
Opera House – Musiktheater Linz von ArchitekturConsult |  EUR 20,00 | Callwey (29. Mai 2013)

 

 

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