
Georg Elterlein erzählt die Krankheit und Gesundung eines magersüchtigen jungen Mannes so flott und fesselnd, dass die Leser nicht ins Grübeln kommen.
Andi hat heute, an seinem 19. Geburtstag, ein Etappenziel erreicht. Er wiegt jetzt 50 Kilogramm und darf aus der Psychiatrie entlassen werden. Sein großes Ziel, sich zu Tode zu hungern, wird er hier nicht erreichen, denn sobald er unter 45 Kilogramm kommt, wird er sofort künstlich ernährt. Seine Endstation soll ein Aussichtspunkt sein in Griechenland – mit Blick auf das Meer. Diesen Ort nannte sein Mutter: „Ein schöner Platz zum Sterben.“ Kurz danach fuhr sie gegen einen Baum. Ihren Freitod kann Andi nicht verwinden, genau so wenig wie den Ehrgeiz des Vaters, der einen Tennisprofi aus ihm gemacht hat und ihm damit einen großen Teil seiner Jugend nahm.
Der Tod der Großmutter bringt Andis Pläne durcheinander
Um ins Ausland zu fahren, muss er daheim seine Papiere holen und erfährt dabei, dass seine Großmutter ausgerechnet an diesem Morgen gestorben ist. Sofort macht er sich auf den Weg zu seinem geliebten Opa, dem zweiten Mann seiner Großmutter, der von den übrigen Familienmitgliedern geschnitten wird. Seine Großmutter betrieb eine – vom ersten Mann geerbte – Spedition, in der sie Fahrer beschäftigte und auch selbst die Sattelschlepper fuhr. Der Opa ist Mechaniker, für die Technik des Fuhrparks zuständig und immer präsent. Für Andi war er während seiner ganzen Kindheit und Jugend der Fluchtpunkt, wenn er zu seiner alkoholkranken Mutter oder seinem über-ehrgeizigen Vater Abstand brauchte. Andi beschließt, ihm noch bis zur Beerdigung beizustehen und ihn gegen die übrige Familie zu beschützen. Nach der Beerdigung will er sofort mit dem nächsten Zug Richtung Süden fahren. Doch da bekommt der Opa einen Schwächeanfall und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Gerade schafft es Andi noch zum Bahnhof und in den Zug, aus dem er aber in letzter Sekunde wieder abspringt. Er sorgt sich um seinen Opa, der ihn jetzt braucht, so wie Andi ihn vorher gebraucht hat.
Hindernisse auf dem Weg zum Ziel
Sobald Opa wieder auf den Beinen ist, würde er fahren. Kaum kommt er diesem Ziel näher, lernt er „Krähe“ kennen, eine Studentin, die seine Großeltern für ein Hochschul-Projekt interviewte. Zum ersten mal spürt er ein Gefühl, das er sich selbst nicht erklären kann. Hier hilft Opa ihm auf die Sprünge – er ist schlicht und einfach verliebt. Und schon wieder muss er sein Endziel verschieben, denn jetzt möchte er zum einen seinen Schulabschluss nachholen, zum anderen wieder trainieren, um mit der sportlichen „Krähe“ mithalten zu können. Um den Schulabschluss auf einer Privatschule nachmachen zu können, braucht er Geld. Also muss er sich eine Arbeit suchen. Das kostet Zeit und vor allen Dingen Kraft. Das schafft er wiederum nur, wenn er – zumindest vorübergehend – etwas mehr isst…
Fazit: Dieses Buch ist unbedingt eine Empfehlung wert
Ein magersüchtiger junger Mann will verhungern, muss aber vorher seinen Opa aufpäppeln, sich verlieben, die Schule beenden, die verschollene Tante finden…
Es werden zwar die genauen Details der Krankheit beschreiben, aber das lenkt nicht von der Handlung ab. Spaß machen auch die genau beschriebenen Typen: Opa und sein Verhältnis zu Oma; der herrische Vater und seine mütterliche Lebensgefährtin; Krähe, ihre Familie und ihre Studienkollegen; Andis Arbeitskollegen. Alles spielt sich rund um den Garagenhof ab, ein ungewöhnliches, aber mitreißendes Umfeld – passend zu seinen Bewohnern.
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Der Hungerkünstler
von Georg Elterlein (Autor)
Verlag: Picus Verlag; Auflage: 1., Aufl. (März 2009)
Thema “Kultur allgemein”
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