Der Ginsengjäger: Roman von Jeff Talarigo
Der alte Ginsengjäger erkennt die von außen unsichtbaren Ginsengwurzeln an unterschiedlichen Merkmalen. Ja, er hört sogar, wo die Wurzeln wachsen. Wenn Spatzen bestimmte Töne singen, ist eine Pflanze in der Nähe, die mit dem Ginseng zusammen wächst.
Seine Wurzeln liegen fest im Boden, unter winzigen Teilblättchen, die sowohl zum Ginseng gehören können, aber auch anderen Pflanzen ähneln. Der erfahrene Ginsengjäger erkennt das Alter an den Ringen am Stielansatz. Dementsprechend weit muss er auch den Kreis ziehen, um die Wurzel mit seinen Knochenspaten zu heben. Ginseng darf erst ab einem bestimmten Alter ausgegraben werden. Je älter und größer – und natürlich unbeschadeter – eine Wurzel ist, umso teurer wird sie bezahlt.
Jeff Talarigo zeichnet in diesem Buch den von der Natur bestimmten Jahreslauf eines alten Ginsengjägers. Er beschreibt detailgetreu - in einer ruhigen, poetischen Sprache – dessen Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt im Grenzgebiet zwischen China und Korea.
Schade um die schönen Naturbeobachtungen, die Beschreibung des Jahreslaufs, aufgeteilt in Frühling, Sommer, Herbst und dem nicht enden wollenden Winter, in dem seine Liebe zu dem Waisenkind reift.
Diese Sprache verdient ein besseres Umfeld.
Leider benutzte Jeff Talarigo (oder sein Verlag) wohl so eine Software wie: „Bestseller Schreiben – leicht gemacht!” (oder so ähnlich) …für den amerikanischen Markt optimiert.
Eine Software, die der großen Konsumenten-Masse klar machen soll, dass die Weißen die Guten, die Roten die Bösen und die Schwarzen die Dummen sind. (Die beiden letzten Farben können natürlich noch verändert werden.)
Die stimmungsvollen Original-Texte (anscheinend Jeff Talarigo) werden dauernd unterbrochen von den Zwischen-Texten, heben sich jedoch deutlich davon ab. Das alles liest sich so, als ob sie nachträglich in den fertigen Roman hineingezwängt wurden.
Wie zum Beispiel die Prostituierte – natürlich eine Gute – die von den Bösen zur Prostitution gezwungen wird. Und die irgendwann, als sie und der Ginsengjäger sich näher anfreunden, woanders hintransportiert wird. Wie in 60% der amerikanischen Bestseller wird das Problem dann durch den Tod gelöst und der Held ist wieder frei für neue Taten.
Der amerikanische Markt lechzt ebenfalls nach Gewaltdarstellungen, denn Brutalität muss unbedingt befriedigt werden. Hier werden sie besonders drastisch eingeblendet, denn anscheinend sind Jeff Talarigos Beschreibungen zu lasch.
Schade!!
Für mich wäre es spannend genug gewesen, dem Lebenslauf dieses Naturmenschen zu folgen. Vom Frühlingserwachen über die Zeit des Säens, die Zeit der Ernte, das Haus winterfest machen und die langen, kalten Wintermonate. Die zarte Vater- oder gar Großvaterliebe zu dem kleinen Waisenmädchen vervollständigt diesen Roman.
Zu wenig action?!
Mag sein, aber weitaus authentischer.
Der Ginsengjäger von Jeff Talarigo (Autor), Rudolf Hermstein (Übersetzer) | Luchterhand Literaturverlag (1. April 2008)
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In diesem Fall denke ich ähnlich. Mich hat die Brutalität auch sehr gestört, weil sie nicht zum übrigen Buch passt. Vielleicht wurde diese Passagen erst später hineingenommen. Darauf wäre ich nicht gekommen.
Mir ging gerade die Geschichte mit der Prostituierten sehr ans Herz. Warum sollte er darüber nicht schreiben? So etwas passiert doch dort an der Grenze taglich.
Dieser Roman ist typisch amerikanisch. Wer so was lesen mag, soll’s gerne tun. Vielleicht bekommt die Verfilmung ja mal einen Oskar. Mich persönlich stören auch viel dinge. Siese Romane sind irgendwie vorhersehbar.
Bunte MSN Nicks mit Farbe und Vorschau…
Ich fand Ihr Blog-Artikel interessant deshalb habe ich ein Trackback auf meiner Webseite hinzufügt…