“Der Ginsengjäger” – Zarte Poesie gepaart mit Liebe zur Natur
25. September 2009 | Von Elke Wilkenstein | Kategorie: Buchtipps, Flora, Liebesroman, Mann im Buch, Mann oh Mann, Stadt Land FlussDer Ginsengjäger: Roman von Jeff Talarigo
Der alte Ginsengjäger erkennt die von außen unsichtbaren Ginsengwurzeln an unterschiedlichen Merkmalen. Ja, er hört sogar, wo die Wurzeln wachsen. Wenn Spatzen bestimmte Töne singen, ist eine Pflanze in der Nähe, die mit dem Ginseng zusammen wächst.
Seine Wurzeln liegen fest im Boden, unter winzigen Teilblättchen, die sowohl zum Ginseng gehören können, aber auch anderen Pflanzen ähneln. Der erfahrene Ginsengjäger erkennt das Alter an den Ringen am Stielansatz. Dementsprechend weit muss er auch den Kreis ziehen, um die Wurzel mit seinen Knochenspaten zu heben. Ginseng darf erst ab einem bestimmten Alter ausgegraben werden. Je älter und größer – und natürlich unbeschadeter – eine Wurzel ist, umso teurer wird sie bezahlt.
Jeff Talarigo zeichnet in diesem Buch den von der Natur bestimmten Jahreslauf eines alten Ginsengjägers. Er beschreibt detailgetreu - in einer ruhigen, poetischen Sprache – dessen Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt im Grenzgebiet zwischen China und Korea.
Schade um die schönen Naturbeobachtungen, die Beschreibung des Jahreslaufs, aufgeteilt in Frühling, Sommer, Herbst und dem nicht enden wollenden Winter, in dem seine Liebe zu dem Waisenkind reift.
Diese Sprache verdient ein besseres Umfeld.
Leider benutzte Jeff Talarigo (oder sein Verlag) wohl so eine Software wie: „Bestseller Schreiben – leicht gemacht!” (oder so ähnlich) …für den amerikanischen Markt optimiert.
Eine Software, die der großen Konsumenten-Masse klar machen soll, dass die Weißen die Guten, die Roten die Bösen und die Schwarzen die Dummen sind. (Die beiden letzten Farben können natürlich noch verändert werden.)
Die stimmungsvollen Original-Texte (anscheinend Jeff Talarigo) werden dauernd unterbrochen von den Zwischen-Texten, heben sich jedoch deutlich davon ab. Das alles liest sich so, als ob sie nachträglich in den fertigen Roman hineingezwängt wurden.
Wie zum Beispiel die Prostituierte – natürlich eine Gute – die von den Bösen zur Prostitution gezwungen wird. Und die irgendwann, als sie und der Ginsengjäger sich näher anfreunden, woanders hintransportiert wird. Wie in 60% der amerikanischen Bestseller wird das Problem dann durch den Tod gelöst und der Held ist wieder frei für neue Taten.
Der amerikanische Markt lechzt ebenfalls nach Gewaltdarstellungen, denn Brutalität muss unbedingt befriedigt werden. Hier werden sie besonders drastisch eingeblendet, denn anscheinend sind Jeff Talarigos Beschreibungen zu lasch.
Schade!!
Für mich wäre es spannend genug gewesen, dem Lebenslauf dieses Naturmenschen zu folgen. Vom Frühlingserwachen über die Zeit des Säens, die Zeit der Ernte, das Haus winterfest machen und die langen, kalten Wintermonate. Die zarte Vater- oder gar Großvaterliebe zu dem kleinen Waisenmädchen vervollständigt diesen Roman.
Zu wenig action?!
Mag sein, aber weitaus authentischer.
– Artikel veröffentlichen -> pdf-Datei
Gleich online bestellen:
Der Ginsengjäger
von Jeff Talarigo (Autor)
Rudolf Hermstein (Übersetzer)
Verlag: Luchterhand Literaturverlag (1. April 2008)
ISBN-10: 3630621368
ISBN-13: 978-3630621364
.
Mehr zum Thema “Kultur allgemein”
- “Buchtipps”
- “Geschichten”
- “Hauptsache Mann”
- “Liebe in all ihren Facetten”
- “Presseartikel: Kultur”
- “Stadt – Land – Fluss”
- “Natur”
- “Persönliche Empfehlung”
.
32
← einfach klicken, und schon erhalten Sie ein Lesezeichen mit den brandneusten Artikeln von 8ung.info
- ☛ Bild des Tages: Sphärische Klänge an HimmelfahrtUngewohnte Klänge tönen über den Kunsthandwerkermarkt in Kirchheim unter Teck. Verschiedene Gongschläge in unterschiedlichen Höhen lassen ein bisschen buddhistisches Klostergefühl aufkommen. Bei näherem Hinsehen könnte man auch auf ein mittelalterliches Kloster um Hildegard von der Bingen schließen. Die Musikerin bietet Handarbeit in doppeltem und dreifachen […]
- ☛ Trickfilm-Tipps: Frauen in Notsituationen und ausweglosen ZwangslagenITFS 2012: Ernste Animationsfilme im internationalen Wettbewerb. Zwei Frauen durchleben ein Martyrium, ohne sich aus dem Teufelskreis befreien zu können. Ein kleines Mädchen träumt sich aus einer unerträglichen Zwangslage heraus in eine Märchenwelt. Die Sinnlosigkeit ihrer Arbeit erlebt eine Frau hinter der Theke eines Pubs. Princesse von Fréderick Tremblay […]
- ☛ Trickfilm-Tipps für Kinder – lustig und lehrreich – ITFS 2012Trickfilme vermitteln Werte ohne erhobenen Zeigefinger – gesehen auf dem Internationalen Trickfilmfestival 2012 in Stuttgart. Probleme wie Mobbing, Blindheit, und Alzheimer können mit Humor dargestellt werden, mit einer für Kinder verständlichen Art der Bilder. Ernesto von Corinne Ladeinde | Großbritannien 2011 Ernesto wird gehänselt. Alle Kinder seines Alt […]
- ☛ Bild des Tages: Seid umschlungen, Frauen aller FormateOriginelles Design und Kreativität überrascht die Besucher auf dem Kunsthandwerkermarkt in Kirchheim unter Teck. Kleider, Röcke, Capes in einer Größe, passend für Frauen sämtlicher Größen – gibt’s das? Jawoll! Selbst gesehen in Kirchheim unter Teck Gleich hebt sie ab – als Fledermaus oder Engel? Nicht nur für die Traumfigur der Designerin eignen sich diese W […]
- ☛ Bild des Tages: Knöpfe zählen auf dem Kunsthandwerkermarkt in Kirchheim unter TeckKnöpfe galten lange Zeit als Zahlungsmittel. Pfarrer und Pastoren kannten sie früher sehr gut, denn ein großer Teil der Kollekte bestand daraus. „Ein Knopf, ein Knopf ein Hosenknopf, ein Knopf, der immer knallt“ Dieser Zungenbrecher kommt mir sofort in den Sinn – leider kennt ihn heute niemand mehr. Langsam werden die Knöpfe verdrängt durch Klettverschlüsse, […]
- ✒ Antireiseführer-Tipp neu 2012: „Kein Feuer, das nicht brennt“ von Rayk WielandRoadmovie um einen Reiseschriftsteller, der mit seinen lebendig geschriebenen Reportagen einen Reiseboom auslöst, obwohl er nicht reisen mag und diese Orte noch nie sah. Das holt er unfreiwillig nach. Die Orte, die er beschreibt, existieren. Er hat sie genauestens recherchiert, wie die Personen, die alle leben oder gelebt haben. W. bringt beide zusammen und […]
- ☛ Internationaler Trickfilm-Wettbewerb 2012 in Stuttgart – traurig und erschütterndWährend es vor einigen Jahres noch die humorigen Filme vorherrschten, bestimmen heute die nachhaltigen, traurigen, Erschütterung hervorrufenden Filme die erste Staffel. Abuelas (Grandmas) von Afarin Eghbal Eine Großmutter denkt zurück an die Zeit, in der ihre Tochter klein war. Sie schaut sich die alten Fotos an, und siehe da, ihre Tochter wird lebendig. Si […]


|
|
In diesem Fall denke ich ähnlich. Mich hat die Brutalität auch sehr gestört, weil sie nicht zum übrigen Buch passt. Vielleicht wurde diese Passagen erst später hineingenommen. Darauf wäre ich nicht gekommen.
Mir ging gerade die Geschichte mit der Prostituierten sehr ans Herz. Warum sollte er darüber nicht schreiben? So etwas passiert doch dort an der Grenze taglich.
Dieser Roman ist typisch amerikanisch. Wer so was lesen mag, soll’s gerne tun. Vielleicht bekommt die Verfilmung ja mal einen Oskar. Mich persönlich stören auch viel dinge. Siese Romane sind irgendwie vorhersehbar.
Bunte MSN Nicks mit Farbe und Vorschau…
Ich fand Ihr Blog-Artikel interessant deshalb habe ich ein Trackback auf meiner Webseite hinzufügt…