Buchtipp: Buntschatten und Fledermäuse – freundlich und schrecklich

28. Februar 2010 | Von | Kategorie: Bücher / Filme / Kunst, Buchtipps, Gestern / Heute / Morgen, Humor, Mann im Buch, Mann oh Mann

Buntschatten und Fledermäuse, Roman von Axel Brauns

Als sein Vater stirbt, weinen Mutter und Bruder – er jedoch zeigt sich über ihre Gefühlsausbrüche erstaunt. Sein Bruder schreit, als wäre er vom Rad gefallen. Seine Mutter umarmt zitternd beide Söhne und verkrampft sich mit den Händen in seinem Hemd. Und das alles, weil sein Vater sich kurz vor Mitternacht entschlossen hatte, auf den Friedhof umzuziehen.
Axel kennt keine Gefühle. Axel ist ein Autist.
Ebenso wenig wie Gefühle kennt er Schmerzen. Als sich einmal ein Eisenpflock in seinen Fuß bohrt, spürt er nichts, obwohl Mutter, Arzt und Krankenschwester ihm immer wieder versichern, dass es sehr weh tut.  Sie loben ihn, weil er nicht einmal weint.
Axel liebt Gegenstände, besonders deren Strukturen, an denen er immer wieder „entlangwischelt“. Stehen Tische, Schränke oder Stühle an einem anderen Platz als vorher, verunsichert es ihn. Gesichter dagegen kann er nicht erkennen, denn sie verbergen sich hinter Wolken, die allerdings ab und an aufreißen. Schlimm ist es für ihn, wenn sich diese Gesichter zu nahe kommen, zum Beispiel bei einem Kuss, denn dann verklumpen sie sich. Das erschreckt ihn dermaßen, dass er sich im Fernsehen nur Tierfilme anschauen mag. Axel ist gern allein und freut sich, wenn er nicht angesprochen wird, denn häufig hört er nur Geräusche, ohne einzelne Wörter oder Töne unterscheiden zu können.
Axel Brauns erzählt von seinem „Leben im Autismus, das eine miserable Vorbereitung ist für das Leben in einer Welt ohne Autismus. Die Höflichkeit hat viele Näpfchen aufgestellt, in die man treten kann. Autisten sind Meister darin, keines auszulassen.“
Die Leserin nimmt teil an seinen frühesten Erinnerungen von seinem dritten Lebensjahr an bis zu seinem Abitur -  als Drittbester seines Jahrgangs – und dem nachfolgenden Studium.
Wer sich aber auf Betroffenheits-Literatur einstellt, wird vielleicht enttäuscht. Dieses Buch ist so spannend und humorvoll geschrieben, dass man es nicht aus der Hand legen möchte. Und die Sprache, mit der er seine Befindlichkeiten beschreibt, strotzt nur so von kreativen Wortschöpfungen. Axel Brauns nimmt seine Leser an die Hand und führt sie durch eine andre Welt, die sie vorher nicht gekannt und in ihrer einzigartigen Vielfalt nicht vermutet hätten.

Junge Autoren:

Dieses spannende und kurzweilige Buch nehme ich gern in die Liste meiner persönlichen Empfehlungen.

Gleich online  bestellen:

Buntschatten und Fledermäuse: Leben in einer anderen Welt
von Axel Brauns (Autor)
Verlag: Goldmann Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442152445
ISBN-13: 978-3442152445

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3 Kommentare auf "Buchtipp: Buntschatten und Fledermäuse – freundlich und schrecklich"

  1. Anonymous sagt:

    Ich hätte vorher auch nicht gedacht, dass Autisten so ein reiches Innenleben haben. Wir haben einen in der Familie, der aber weitaus mehr gestört ist wie Axel Brauns. Jetzt sehe ich vieles anders. Hoffentlich gehöe ich zu den Buntschatten und nicht zu den Fledermäusen.

  2. Vesuv sagt:

    Ganz zufällig habe ich einen Kurzfilm über einen autisten gesehen, der weder reden kann noch von sich aus auf sich aufmerksam macht. Mit Hilfe von Therapeuten, die ihm den Arm stützen, kann er aber mit dem Computer schreiben. Keiner weiss, wie er das gelernt hat, denn vorher hat er nie gelesen. Es war beeindruckend!

  3. Ich habe auch schon davon gehört, dass es hochintelligente Menschen sind, die sich aber nicht äußern können. Schade, es geht viel verloren.

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