Schwabengarage – Die Jagd – Naturoper mit Autos von Marios Joannou Elia
14. Dezember 2009 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bühne: Oper / Ballett / Schauspiel, Bühnenbild und Kostüme, Inhalt, Inszenierung, Oper, Opernhandlung, Schwabengarage - Die Jagd, Z bis AExperiment geglückt: „Schwabengarage – die Jagd“ mit Musik von Marios Joannou Elia
Wäre nicht der Dirigent Bernhard Epstein – und hinter ihm das Orchester – oben auf der Empore des Auto-Ausstellungsraumes, hätte ich fast gedacht, mitten in einem Stau zu stehen zwischen lauter ungeduldigen Autofahrern. Da tritt einer aufs Gaspedal und der andere spielt mit dem Verdeck. Zwischendurch röhren die unterschiedlichen Automotoren. Hupen, Autotüren schlagen, Motor an und aus, Lichthupen. Ein eigenartiger Rhythmus – Orchester im Hintergrund, im Vordergrund Autochor – ergänzt sich optimal zu einem Ganzen in dieser Komposition von Marios Joannou Elia.
Oper für Stimmenjongleure, Autochor und Orchester
Das meiste spielt sich in und um und auf einem gelben Kastenwagen ab.
Eltern (Janin Roeder und Christoph Kail) und Tochter (Valerie Oberhof ) fahren aufs Land und finden Gefallen an der Jagd, eher aus der Not heraus, denn sie haben Hunger. Den Eltern steht jeweils ein musikalisches Alter Ego (Heidi Wolf und Michael Hofmeister) zur Seite, das aber auch ein gewisses Eigenleben entwickelt. Sie kommentieren das Geschehen jeweils mit mehr Lautmalereien als Texten und erzeugen Gefühle. Maria I (Heidi Wolf) und Andy I (Michael Hofmeister) geben mit Stimmen, Mimik und Gestik den Gemütszustand wieder. Beide sind nicht nur Stimmenjongleure. Es ist schon fast akrobatisch, was sie auf und um und in diesem Auto machen. Was Michael Hofmeister dabei aus seiner Kehle hervorbringt, ist wirklich phänomenal.
Teilweise komisch, wenn einzelne Wörter in unterschiedlichen Betonungen oder anderen Vokalen wiederholt werden. Die beiden Elternteile (Janin Roeder und Christoph Kail) werfen sich damit gegenseitig etwas an den Kopf, zum Beispiel: “Reden”. Mutter möchte es gern, Vater hasst es. So reden sie halt durcheinander, jeder im eigenen Rhythmus und Lautstärke, verschieden betont und gedehnt: „Reden, immer nur Reden“ … wie im richtigen Leben, wenn zwei (oder mehrere) aneinander vorbeireden.
Während eines Orchesterzwischenspiels, mit den herkömmlichen Instrumenten und Autochor, verschwindet Vater Andy in den Tiefen des Autohauses zum Jagen. Mutter Maria versucht, ihn per Handy zu erreichen und von der Jagd abzubringen: “Jage ja keinen Hirsch.” Andy kommt in Unterhosen, blutüberströmt, von der Jagd zurück und erzählt (typisch Mann) Jägerlatein.
Daraufhin probiert Mutter Maria ebenfalls das Jagen. Mit aufgelösten Zöpfen kehrt sie zurück, in blutverschmierter Strumpfhose und ebensolchem Unterhemd. Das begeistert die Tochter so, dass sie sich auch auf die Jagd begibt. Am Ende erklingt noch die sonore Stimme des Werkstattbesitzers (Mark Munkittrick), der im Wald eine Panne mit seinem Geländewagen hat.
Absurd, aber kurzweilig
Dank der Regie von Eva Hosemann eine gelungene Aufführung, die neue Seh- und Hörweisen öffnet und sowohl Schauspieler als auch Sänger zu Höchstleistungen treibt.
Die Stuttgarter Oper erweist sich als Pfadfinder für erfrischend neue Wege (pardon: Autobahnen)
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SCHWABENGARAGE – DIE JAGD
Musik: Marios Joannou Elia
Naturoper mit Autos
Text von Marianne Freidig und Andreas Liebmann
Eine Koproduktion der Stuttgarter Staatsoper
mit dem Theater Rampe Stuttgart
Musikalische Leitung Bernhard Epstein
Regie Eva Hosemann
Komposition Marios Joannou Elia
Raum und Licht Hubert Schwaiger
Kostüme Ingrid Leibezeder
Dramaturgie Xavier Zuber
Besetzung:
Maria I Heidi Wolf
Andy I Michael Hofmeister
Cem Mark Munkittrick
Maria II Janin Roeder
Andy II Christoph Kail
Isa Valerie Oberhof
Jagdchor:
Jonathan Bruckmeier, Winnie Burz, Berkem Günes, Cornelia Lanz, Michel Schulz, Leonie Zehle
Ensemble des Staatsorchesters Stuttgart
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Artikel zur Oper: Schwabengarage – Die Jagd
Schwabengarage – Die Jagd – Naturoper mit Autos
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Ich habe die Aufführung sogar zweimal besucht. Die Musik hat mich am meisten beeindruckt. Es war etwas besonders, eine Ausnahmequalität von Musik. Der Komponist Marios Joannou Elia ist sicherlich einer der ganz eigenartigen Komponisten seiner Generation.
Ich finde, dass ruhig noch mehr zeitgenössische Komponisten gespielt werden sollten. Wer weiß, was sich einmla durchsetzen wird und in 50 Jahren noch gespielt wird (Hoffen wir für Marios Joannou Elia).
Wenn aber nichts (oder nur wenig) gespielt wird, wird auch nichts (oder nur wenig) in 50 Jahren übrig bleiben.
Hoffen wir, dass diese Reihe (junge, zeitgenössische Komponisten) auch bleibt, wenn die neue Intendanz das Sagen hat. Meinetwegen könnte es noch ausgebaut werden.
Ich habe gerade gelesen, dass der Komponist Marios Joannou Elia ein riesig neues Werk für Mannheim vorbereitet, mit 250 Musiker in einem Open-Air Multimedia-Konzert. “Auto-symphonic” heisst es und ich bin schon höchst gespannt darauf!