Willkommen bei den Sch’tis
9. Januar 2010 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Kino-Film, Z bis A
Ein Film von und mit Day Boon
Französische Komödie, 106 Minuten, ab 0
Heute schon gelacht?
Na wunderbar, dann sind Sie ja schon in Übung!
Die Handlung ist schnell erzählt:
Ein Postbeamter aus Südfrankreich wird als Postdirektor nach Nordfrankreich versetzt. Seine Familie weigert sich, mitzukommen. Erst gefällt es ihm gar nicht, dann lernt er die Leute und die Gegend näher kennen und schätzen dann…
…mag er nicht mehr weg.
Alles, was dazwischen liegt, ist zu Brüllen.
In diesem Film ist alles anders
Dieser Film spielt mit den Vorurteilen. Was uns normal erscheint oder vielleicht auch abnorm, wird hier noch einmal verlängert. Es rutscht auf der Fahnenstange etwas weiter nach oben. Ist etwas klein, wird es noch kleiner gemacht. Ebenso wird Großes noch größer und Weites wird weiter, Kaltes kälter – und so weiter. Lediglich unsere Vorurteile verhalten sich danach anders – sie werden kleiner statt größer.
In diesem Film wird über niemanden gelacht. Somit kann keine Schadenfreude aufkommen. Am meisten haben wohl diejenigen davon, die in Frankreich aufgewachsen sind und die französische Mentalität kennen.
Nord-Süd-Konflikt
Anscheinend sprechen die Nordfranzosen das “s” eher als “sch” aus. Das führt in diesem Film dazu, dass alle S-Laute und was an Konsonanten vorn und hinten übrig bleibt, auch als “sch” ausgesprochen wird.
Nehmen wir einmal an, ich erzähle es Ihnen und Sie antworten darauf:
“Sagen Sie bloss!”
Dann hiesse es im Film:
“Schaschen Schie blosch!”
Am Anfang ist das für die Kinobesucher noch ebenso schwierig wie für den Südfranzosen. Aber schon beim Hinausgehen nach Filmende hören Sie vorn, hinten, rechts und links eigene Sch’tis-Kreationen.
Weitere Vorurteile:
Ein Postbeamter aus Südfrankreich wird nach Nordfrankreich versetzt, ins französische Sibirien. Seine Frau kann sich das nur mit einer Strafversetzung erklären. Sie löchert ihn, um herauszufinden, welche schwerwiegenden Missetaten er begangen hat und erweist sich äußerst einfallsreich im Aufzählen möglicher Fehltritte.
Noch ein Vorurteil:
Briefträger werden in ländlichen Gegenden als Belohnung für den-Brief-bringen mit einem Schnäpschen belohnt. Um seinen Untergebenen zu zeigen, dass man auch Post austragen kann, wenn man standhaft bleibt, fährt der neue Postdirektor aus dem Süden eine Tour auf dem Fahrrad mit. Das endet nach einer Reihe von Slapstick-Szenen, bei der sie sich unter anderem auch bei jemandem zu einem Schnaps einladen, für den sie keine Post haben, mit zwei angedüdelten Postlern in der Ausnüchterungszelle.
Oder:
Im Norden ist es immer kalt! Also bekommt er von seiner besorgten Ehefrau – die sich nicht in die Kälte wagt – eine Mütze aus echtem Polarpelz geschenkt.
…und der zukünftigen Schwiegermutter möchte wohl keiner im Dunkeln begegnen. Bei der vergehen jedem – ob Männlein oder Weiblein – die Heiratsgedanken.
Selbst wenn sie heute noch nicht gelacht haben, aber es spaßeshalber einmal versuchen möchten, lohnt sich ein Kinobesuch bei den Sch’tis.
Sie müssen ja nicht gleich so wiehern, wie ich es getan habe.
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Für mich war das schönste an dem Film das Glockenspiel! Ich lache mich jetzt noch schlapp, wenn ich die Leute sehe, die gen Himmel schaun. Aber man kann es nicht beschreiben, man muss diesen Film einfach gesehen haben!
Der Film läuft noch immer oder schon wieder. Ich habe mich zum x-ten Male kringelicg gelacht!
Die Franzosen haben es einfach raus, diese Leichtigkeit des Seins.