♫ Liedmatinee – Hommage an Gundula Janowitz

Das Rahmenprogramm um die Verleihung der Hugo-Wolf-Medaille an Kammersängerin Gundula Janowitz hinterlässt einen tiefen, bleibenden Eindruck. Für diese Ehrung bietet die Stuttgarter Staatsoper den idealen klanglichen und optischen Raum.

Einen Höhepunkt bildet die Laudatio des eigens aus Wien angereisten Dr. Wilhelm Sinkovicz.

Wilhelm Sinkowitz, Gundula Janowitz
Foto (c) Reiner Pfisterer

Humorvoll und gutgelaunt, kurzweilig vom Anfang bis zum Schluss, erzählt er Geschichten und Begebenheiten aus dem Leben von Gundula Janowitz. Ihr Berufswunsch war schon klar, als sie mit fünf Jahren ihre erste Oper hörte. Ausgerechnet Richard Wagners Meistersinger – die längste Oper mit 4 1/2 Stunden Musik. Am Ende war ihr Kommentar: „Schon fertig? Schade!“

Kleine Anekdötchen führen über die Studienzeit, die aktive Zeit an der Wiener Oper und bald auch an allen großen Festspielen, die Freundschaft mit Kammersängerin Christa Ludwig bis in die Zeit, als sie nicht mehr öffentlich sang, sondern überwiegend unterrichtete. Mit ihrem exzellenten Gehör hatte sie bei einer jungen koreanischen Schülerin sofort erfasst, dass diese ihre Partie nicht nach der Partitur, sondern nach einer Aufnahme einstudiert hat. In jeder Wiederholung kam der gleiche rhythmische Fehler vor. Es stellte sich heraus, dass die Schülerin das Lied nach einer CD von Gundula Janowitz gelernt hat.

Musikalisch umrahmen Juliane Banse, Benjamin Appl und Wolfram Rieger die Ehrung.

Juliane Banse
Foto (c) Reiner Pfisterer

Zur Einstimmung interpretiert die Sopranistin Juliane Banse zunächst drei Lieder von Johannes Brahms, mit wunderbar zartem Ansatz und einem warmen Timbre, besonders in der mittleren Lage.

Benjamin Appl
Foto (c) Reiner Pfisterer

Mit drei Liedern von Robert Schumann lässt der Bariton Benjamin Appl – besonders im „Belsatzar“ – einen dramatischen Duktus hören.
Benjamin Appl singt nicht nur klar verständlich, er unterstreicht den Text mit ausdrucksstarker Mimik. Ein Blick zur Seite; den Kopf entweder hängen lassend oder trotzig hoch gereckt; Mundwinkel zweifelnd zur Seite; Stirn gekraust …

Juliane Banse, Benjamin Appl
Foto (c) Reiner Pfisterer

Dass Juliane Banse eine erfahrene Opernsängerin ist, zeigt sich in Duetten “Vergebliches Ständchen“ op. 84/4 (Brahms) und „Unterm Fenster“ op 34/3 (Schumann). Beiden zusammen gelingt eine sehr spielfreudige kleine Szene zwischen neckendem Humor und sehnsuchtsvollem Abschied.

Wolfram Rieger
Foto (c) Reiner Pfisterer

Begleitet werden sie am Flügel von Wolfram Rieger, mit dem Gundula Janowitz diverse Aufnahmen eingespielt hat.

gundula Janowitz mit Hugo-Wolf-Medaille
Foto (c) Reiner Pfisterer

Prof. Dr. Hansjörg Bäzner überreicht die Hugo-Wolf-Medaille der Kammersängerin Gundula Janowitz. Sie bedankt sich mit wohlartikulierter Stimme, der niemand die 82 Jahre anhört. Das Publikum begleitet die Ehrung mit langem, stehenden Beifall.

Juliane Banse, Benjamin Appl
Foto (c) Reiner Pfisterer

Als Schlusspunkt folgt der gewichtigste musikalische Beitrag dieser Matinee: 16 Lieder aus dem „Italienischen Liederbuch“ von Hugo Wolf, abwechselnd gesungen von Juliane Banse und Benjamin Appl, quasi sanft auf Händen getragen vom Pianisten Wolfram Rieger.

Publikum in der Stuttgarter Staatsoper
Foto (c) Reiner Pfisterer

Ein wundervoller Vormittag.

Liedmatinee – Hommage an Gundula Janowitz
Verleihung der Hugo-Wolf-Medaille
Veranstaltung der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie
Am 6. Oktober 2019 im Opernhaus Stuttgart