♫ „L’Enfant et les Sortilèges” – der Stoff, aus dem die Alpträume sind

Nach einer romantischen, märchenhaften Aufführung der Oper – im Theater an der Wien – blicke ich zurück auf eine Inszenierung mit einer gegenteiligen Aussage. Die Musik bleibt; ebenso die Bilder in meinem Kopf. 

„Das Kind und die Zauberdinge“ von Maurice Ravel in Düsseldorf 

miau-miauh-au.

Gespenst, GeistZwei Kater schleichen bedrohlich umeinander herum. Immer haben sie sich im Blickfeld. Sie drehen sich nie die Rückseiten zu, aus Angst, dass der andere ihnen in den Rücken springt. Bei der Gelegenheit heben sie einen Gullydeckel nach dem anderen hoch, bis der Bühnenboden einem Schweizer Käse ähnelt. In zwei dieser Löcher verschwinden sie, nicht ohne vorher oberhalb und unterhalb noch einmal gefährlich zu fauchen. Dieses Katerduett ist zwar leidenschaftlich, aber mitnichten ein Liebesduett. Genau so Furcht einflößend geht es weiter.

Keine Operninszenierung für Kinder

Mechthild Hoersch inszeniert diese Oper als einen nicht enden wollenden Albtraum. Selbst am Schluss gibt es keine richtige Auflösung. Die Tiere, die sich vorher noch aggressiv auf das Kind stürzen, es schubsen und stoßen, lassen von ihm ab und reden vor sich hin, dass es doch ein gutes Kind sei. Sie berühren es lediglich nicht mehr, scheinen aber nur eine Pause einzulegen.
Das Kind (Melanie Lang) ist weder von Mimik, Gestik, Kostüm noch von der Figur her ein Kind. Es ist in gewisser Weise ein Neutrum, eine so-was-kann-jedem-mal-passieren-Figur. Alpträume sind geschlechtsübergreifend und nicht vom Alter abhängig.

Bühnenbild

Viel zu diesem unwirklichen Eindruck trägt das  Bühnenbild von Stephan Rinke bei – ein Wellblechschuppen, der sich nach hinten hin verjüngt. Dort sitzt das 17-köpfige Orchester, Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker, dieser brillant gespielten Vorstellung. Die Aufführung in diesem Raum wurde nur durch Umarbeitung der Partitur Maurice Ravel’s möglich. Der Komponist Xaver Paul Thoma hat eine Orchester-Reduktion für 17-köpfiges Ensemble geschaffen, die ganz verblüffend die orchestralen Farben der sehr groß besetzten Original-Partitur erhalten hat.
Der Dirigent Christoph Stöcker führt sicher das ganze Ensemble, obwohl der Sichtkontakt zu den Sängern erschwert wird, denn das Kammerorchester ist hinter den Sängern platziert.

L’Enfant et les sortilèges
Musik von Maurice Ravel
Libretto von Colette

Deutsche Oper am Rhein / Central in der alten Paketpost
Musikalische Leitung Christoph Stöcker
Inszenierung Mechthild Hoersch
Ausstattung Stephan Rinke
Choreografie Carole Schmitt

Besetzung am 26.3.2010:
Kind Melanie Lang
Mutter/Libelle Nassrin Azarmi
Bergére/Prinzessin/Nachtigall Alma Sadé
Feuer/Fledermaus/1.Tier Jaclyn Bermudez
Katze/Eichhörnchen/Die chinesische Tasse Judita Nagyová
Sessel/Baum/4.Tier Lukasz Konieczny
Standuhr/Kater Richard Sveda
Teekanne/altes Männchen/Frosch/3.Tier Dmitry Trunov

 

L’Enfant et les Sortilèges:

  • Bühne, Kostüme, Inszenierung in Düsseldorf Zwielicht wie in einer Vollmondnacht beherrscht die Bühne (Licht Darius Kusnik). Sie gleicht dem Innenraum eines Wellblechschuppens, in dem das Kind gefangen ist (Bühnenbild Stephan Rinke). Gestalten steigen aus Luken … mehr erfahren Quelle
  • Nach einer romantischen, märchenhaften Aufführung der Oper – im Theater an der Wien – blicke ich zurück auf eine Inszenierung mit einer gegenteiligen Aussage. Die Musik bleibt; ebenso die Bilder in meinem Kopf.  „Das Kind … mehr erfahren Quelle
  • Bildband/Fotobuch von Elke Heidenreich; Christian Schuller; Klaus Lefebvre Wenn ich begeistert von einer Opernaufführung erzähle, von bunten, fantasievollen Kostümen schwärme, die Effekte (knallen, sich verwandeln) beschreibe, wendet sich Interesse in mitleidiges Lächeln um. Sobald ich … mehr erfahren Quelle
  • Maurice Ravel lässt ein Kind mit antiautoritären Verhaltensweisen in seiner Oper L’Enfant et les Sortilèges/Das Kind und die Zauberdinge von aufgebrachten Spielzeugen und gequälten Tieren in die Ecke treiben. Jetzt lesen! Eine lebende Spielwelt erweist sich als wirkungsvolle Erziehungsmaßnahme. … mehr erfahren Quelle

Mehr in unserem persönlichen Opernblog:

QR-Code musiktheater.8ung.info
https://www.8ung.info/musik-theater/oper-kritik

Mit diesem Feed versäumen sie keinen Musik-Beitrag