❢ 25.2.2018 in 3sat: Giulias Verschwinden

Wer diesen Film über das Altwerden noch einmal sehen möchte, hat am 25. Februar Gelegenheit dazu. Schon wegen Leonie, der renitenten Alt68gerin (“Ich mag keine gemischten Chöre, und die ungemischten auch nicht!“) schaue ich mir diese Komödie noch einmal an .

Giulias Verschwinden, ein Film von Christoph Schaub, geschrieben von Martin Suter

Als Thomas (Daniel Rohr) von einem Express-Paketboten wegen zu wenig Trinkgeld als „Altes Arschloch“ tituliert wird, geht er schnurstracks ins Badezimmer und betrachtet sich kritisch im Spiegel, trägt etwas Make-up, das er hinter einer Shampoo-Flasche versteckt hält, auf die beginnenden Tränensäcke unter den Augen auf und befragt sein Spiegelbild:  „Arschloch?“ „Ja!“ „Alt?“ „Nein!“

Wie allen anderen Personen in diesem Film dreht sich bei Thomas  alles um das Alter, das sich bei ihm mit zunehmender Vergesslichkeit ankündigt.

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Giulia (Corinna Harfouch) hat andere Probleme, denn sie wird für  ihre Mitmenschen unsichtbar. Ganz zufällig kam sie drauf, als sie im Bus saß, den Leuten zuhörte und bei einem Blick auf die Scheibe feststellte, dass sie sich nicht darin spiegelte, im Gegensatz zu den anderen. Erst denkt sie an eine Sinnestäuschung. Als sie sich jedoch in einer Boutique ein neues Kleid zulegen möchte, wird sie von den Verkäuferinnen nicht beachtet. Die kümmern sich hingebungsvoll um eine junge Kundin. In einem Brillengeschäft bittet sie ein älterer Herr (Bruno Ganz), eine Brille für seine Tochter aufzuprobieren. Mit ihm verbringt sie die weitere Zeit und lässt damit ihre Freunde, die sie zu ihrem Fünfzigsten Geburtstag eingeladen hat, im Lokal warten.

Älter werden wirft seine Schatten voraus.

Diese wartende Geburtstagsgesellschaft (Stefan Kurt, André Jung, Teresa Harder, Max Herbrechter) hat schwer mit dem Alter zu kämpfen. Zum Lesen der Speisekarte brauchen alle eine Brille, tierische Fette sind wegen des Cholesterins verpönt und Alissa (Sunnyi Melles) zeigt stolz ihre gelifteten Wangen und Schultern.

Köstlich agiert Christine Schorn als Leonie.

Sie feiert in einer Seniorenresidenz im Kreise der anderen Bewohner, ihrer Freundin Lili (Renate Becker) und ihrer altjungferlichen Tochter Helen ( Babett Arens) ihren achtzigsten Geburtstag. Zornig unterbricht sie den hauseigenen Senioren-Chor: “Ich mag keine gemischten Chöre, und die ungemischten auch nicht!“ Den Tränen nahe entschuldigt sich die Tochter bei den Sängern und beklagt sich anschließend bitter, dass sie sich immer für ihre Mutter schämen muss – wie schon 1965, als sie „oben ohne“ im Hallenbad herumlief. So gibt ein Wort das andere. Die Heimbewohner mischen kräftig mit, die sahnigen Schwarzwald-Tortenstücke fliegen, die Gäste bringen sich in Sicherheit und Lili taucht ab unter den Tisch. Zurück bleibt eine zufriedene Leonie: „Nun ist es ja doch ganz lustig geworden – hätt‘ ich nicht gedacht!“

Für alle, die sich mit dem Altwerden beschäftigen, sicher ein kurzweiliger Film. Für alle anderen können 88 Minuten – nur mit diesem Thema voller Ü-50er-Clichés – schon lang werden.

John Bruno Ganz
Stefan Stefan Kurt
Lorenz André Jung
Alessia Sunnyi Melles
Thomas Daniel Rohr
Lena Teresa Harder
Valentin Max Herbrechter
LEONIE Christine Schorn
HELEN Babett Arens
Lili Renate Becker
CORNELIA Susanne-Marie Wrage
Max Samuel Weiss
JESSICA Elisa Schlott
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