♫ Tristan und Isolde in Bayreuth 2012 – allerletzte Vorstellung am 26. August

Als gutes Stimmungsbarometer für eine Vorstellung entpuppen sich  Pausengespräche;  das gilt nicht nur die aktiven, sondern auch die passiven – mittels langer Ohren.

Fazit: Diese Inszenierung ist Kult!!!
Gelobt werden die „minimalistische Ausstattung“, „… endlich sind die Sänger gut zu hören“, „… müssen keinen Sport auf der Bühne treiben“, „… mit dieser Ausstattung geht es nur in eine Richtung, nämlich bergab“, „… deutlicher kann nicht gezeigt werden, dass Isolde als Königin ausgebootet ist“ …
Mit anderen Worten: Tristan und Isolde mutierte im verflixten 7. Jahr zur Kult-Inszenierung der Intellektuellen.

Auch 2012 ist in dieser Inszenierung alles beim Alten, nämlich ->trist –> trister —>Tristan

Die Beleuchtung ist nach wie vor zu dunkel, wie die einnickenden und aufschreckenden Köpfe rings herum beweisen.
Michelle Breed singt und spielt wieder die lebenspraktische Brangäne. Mit ihrem Spiel bringt sie etwas Leben in die extrem statische Inszenierung. Sie verteidigt ihre Herrin gegen den spottenden Kurneval, sie hört Isolde zu und beruhigt sie. Sie räumt den Salon auf, kleidet Isolde ein, die nach ihrem Liebestrank nur apathisch lächelnd daneben steht.

Langsam begreife ich diese entschleunigte Inszenierung. Tristan und Isolde stehen unter Drogen – sie sind vollgetankt, nicht fähig, etwas füreinander zu empfinden. Also müssen sie sich auch nicht anschauen. Warum bin ich nicht ein paar Jahre früher drauf gekommen?

Ansonsten gilt 2012 gilt das Gleiche wie 2011:

Was hat sich in dieser Oper .in den letzten Jahren geändert? Nix & Nuscht! Das Erfreuliche daran bleibt erhalten. Das hohe musikalische Bayreuth-Niveau der Sänger ist gleich geblieben. Ebenso das Festspielorchester unter der Leitung von Peter Schneider. Siehe-> Tristan und Isolde: Sänger, Dirigent, Orchester auf höchstem Niveau
Die Interaktion der Sänger untereinander ist gleich geblieben. Siehe-> Tristan und Isolde als öffentliche Oper für alle

Wie zum Beispiel Robert Dean Smith mit voller Stimme und der Beweglichkeit eines Oratoriensängers. Einmal hebt er den rechten Arm, nach langer Pause den linken Arm. Im Liebesduett steht er an der Rampe, ohne auch nur eine Blick auf seine geliebte und entbehrte Isolde (Irene Theorin) zu werfen. Nebeneinander ins Publikum blickend sitzen sie auf den Designerhockern im Garten, den Anna Viehbrock als leeren Raum – bis auf besagte Designerhocker – gestaltet hat.
Kostüme und Bühnenbild sind gleich geblieben. Wahrscheinlich aus der Erkenntnis heraus, dass es hier nichts zu verbessern gibt. Siehe  -> Tristan und Isolde: Nussbaumfurnier und Faltenrock
Eines brachte mich zum Grübeln. Warum stieren alle Sänger und die paar Statisten so ausgiebig die Wände an? Warum schleichen sie tastend an den Mauern entlang? Begutachten sie das Wachstum der Schimmelpilze, die den Zuschauern ab der dritten Reihe verborgen bleiben? Hat es etwa einen tieferen Sinn? Wie die Rüstung aus Filz in Schlingensiefs Parsifal, die an Beuys erinnern soll? Folgen diese Bewegungen den Strukturen des Mauerputzes? Ein typisches Verhalten von Autisten – die Rücken zum Publikum sprechen dafür.
Siehe -> Der Hungerkünstler von Georg Elterlein
Um das herauszufinden, werden Festspielbesucher in den kommenden Jahren noch Gelegenheit haben. Es hat nichts damit zu tun, dass die Inszenierung so gut angenommen wurde und deshalb immer wieder gewünscht wird. Der Grund ist weitaus pragmatischer. In den nächsten Jahren spielen Opern mit großer Chorbesetzung – Tannhäuser, Parsifal, Holländer und 2013 eine Neuinszenierung des Ringes. Die Chorsänger brauchen dazwischen ihre Ruhezeiten – deshalb Tristan und Isolde.
Also …dem hervorragenden Festspielchor zuliebe.

Inhalt / Handlung: Tristan und Isolde von Richard Wagner
Tristan und Isolde in Bayreuth 2009: Sänger, Dirigent, Orchester auf höchstem Niveau
Tristan und Isolde als öffentliche Oper für alle
Tristan und Isolde – umsonst und draußen
Tristan und Isolde: Nussbaumfurnier und Faltenrock
Tristan und Isolde in Bayreuth 2012 – allerletzte Vorstellung am 26. August

 

 

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Tristan und Isolde
, Oper mit Musik und Libretto von Richard Wagner
Aufführung der 100. Bayreuther Festspiele 2011

Besetzung 2011:
Musikalische Leitung – Peter Schneider
Regie – Christoph Marthaler
Szenische Leitung der Wiederaufnahme – Anna-Sophie Mahler
Bühnenbild – Anna Viebrock
Kostüme – Anna Viebrock
Chorleitung – Eberhard Friedrich
Dramaturgie – Malte Ubenauf

 

Tristan – Robert Dean Smith
Marke – Robert Holl
Isolde – Iréne Theorin
Kurwenal – Jukka Rasilainen
Melot – Ralf Lukas
Brangäne – Michelle Breedt
Junger Seemann – Clemens Bieber
Ein Hirt – Arnold Bezuyen
Ein Steuermann – Martin Snell

Werkstatt Bayreuth:

In der von Wolfgang Wagner eingeführten “Werkstatt Bayreuth” nutzen die meisten Regisseure (außer Christoph Marthaler) die folgenden Spielzeiten, um ihre Inszenierung zu verändern. Wie ändert sich “Tristan und Isolde” in der Inszenierung von Christoph Marthaler mit  Bühne und Kostüme von 2009,  im Laufe der Jahre 2010 und  2011/2012?

 

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Tristan und Isolde:

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Tristan und Isolde
, Oper mit Musik und Libretto von Richard Wagner
Aufführung der 100. Bayreuther Festspiele 2011

Besetzung 2011:
Musikalische Leitung – Peter Schneider
Regie – Christoph Marthaler
Szenische Leitung der Wiederaufnahme – Anna-Sophie Mahler
Bühnenbild – Anna Viebrock
Kostüme – Anna Viebrock
Chorleitung – Eberhard Friedrich
Dramaturgie – Malte Ubenauf

 

Tristan – Robert Dean Smith
Marke – Robert Holl
Isolde – Iréne Theorin
Kurwenal – Jukka Rasilainen
Melot – Ralf Lukas
Brangäne – Michelle Breedt
Junger Seemann – Clemens Bieber
Ein Hirt – Arnold Bezuyen
Ein Steuermann – Martin Snell