♫ Lohengrin in Bayreuth 2012 – Galerie mit perfekter Akkustik

Auch diese Spielzeit 2012 geht zu Ende.
Interessant sind die Pausengespräche der Zuschauer – alle (für mich hörbaren) äußerten sich positiv über diese Inszenierung. Das wundert mich nicht, denn damit teilen die Wagnerianer meine Begeisterung für diese extravagante Interpretation. Hervorgehoben wird die Personenführung des Regisseurs Hans Neuenfels und die Ausstattung Reinhard von Thannens. Begeistert zeigen sich die Besucher von Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Neben den anderen Sängern wird er immer besonders hervorgehoben – „… verschmolzen mit der Figur“, “… seine Stimme geht unter die Haut“ …

Lohengrin 2010 bis 2012 – was ist neu?

In der Inszenierung (2010) von Hans Neuenfels und der musikalischen Leitung von Andris Nelsons spielt die Oper Lohengrin im dritten Festspieljahr. In der von Wolfgang Wagner eingeführten „Werkstatt Bayreuth“ wird traditionell permanent daran gearbeitet.

2012 hat sich mein Standpunkt geändert – in diesem Jahr sitzt er oben in der Galerie 🙂

Jeder Platz hat seine Vorteile – dieser punktet mit einem schrankenlosen Überblick und einer hervorragenden Akustik, was die Feinabstimmung von Lautstärke, Klangfarbe und Tonhöhe angeht.

„Sei mir gegrüßt …“ oder die Gralserzählung: „In fernem Land, unnahbar euren Schritten liegt eine Burg, die Monsalvat genannt.“ Bei diesen lyrischen Stellen, die Klaus Florian Vogt besonders zart ansetzt, geht einem das Herz auf; oder bei Anette Dasch in Elsas Traumerzählung: „Einsam in trüben Tagen“.
Ebenso deutlich hört sich die Aussprache von Heerrufer (Samuel Youn), König Heinrich (Wilhelm Schwinghammer), Ortrud (Susan Maclean) und Telramund (Thomas J. Mayer) an.
Eine neue Erfahrung, denn fast überall gibt es in Opernhäusern Übertitel. Mitlesen ist schon fast zur Gewohnheit geworden. Klar artikulierende Sänger sind ein ganz neues Erlebnis und purer Genuss!

Von oben wirkt der Chor unter der Leitung von Eberhard Friedrich mit seinen gefühlten 200 Sängern übermächtig. Der Chorformation zuzusehen bereitet besonderen Spaß, wenn aus einem chaotischen Rattengewimmel eine Hufeisenform in Viererreihen entsteht – wie geölt rutschend, organisch fließend und dabei virtuos singend. Eine Wucht, dieser Chor.

Hoch geht es her bei Lohengrins in der Hochzeitsnacht.

Nicht etwa gesittet bittet Elsa um den Namen, und Lohengrin versucht ihr zart anzudeuten, dass sie lieber nicht fragen soll. Im Gegenteil. Elsa ist sauer, dass sie nicht einmal den Namen ihres Ehemannes kennt. Sie stellt ihn zur Rede, aber immer mit etwas Abstand. Lohengrin ist über so viel Nichtvertrauen genervt. So schleichen sie lauernd um das Ehebett herum. Als Elsa stolpert und sich wegrobben will, packt Lohengrin sie am Bein und zieht sie zu sich her, um ihr noch einmal eindeutig wütend zu erklären, dass sie ja nie fragen soll. Das Ergebnis ist bekannt, und schon wandelt sich das Blatt. Beide werden leiser und traurig über die verpasste Chance.

Bevor Sie sich demnächst auf die Galerie-Karten stürzen, noch ein Tipp:

Die Galerie ist im wahrsten Sinne des Wortes die Bayreuther „Festspielhaus-Holzklasse“. Nehmen Sie zwei Kissen mit. Eines für den Rücken und eines fürs Sitzfleisch.

  Bayreuther Festspiele 2012: Lohengrin von  Richard Wagner

Musikalische Leitung Andris Nelsons
Regie Hans Neuenfels
Bühnenbild Reinhard von der Thannen
Kostüme Reinhard von der Thannen
Licht Franck Evin
Video Björn Verloh
Dramaturgie und Regie-Mitarbeit Henry Arnold
Chorleitung Eberhard Friedrich

Besetzung 2012
Lohengrin – Klaus Florian Vogt
Heinrich der Vogler –  Wilhelm Schwinghammer
Elsa von Brabant –  Annette Dasch
Friedrich von Telramund –  Thomas J. Mayer
Ortrud – Susan Maclean
Der Heerrufer des Königs – Samuel Youn
1. Edler – Stefan Heibach
2. Edler – Willem Van der Heyden
3. Edler – Rainer Zaun
4. Edler – Christian Tschelebiew

 

 

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