☛ Theatertipp: Vier linke Hände

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Schnelle, kurzweilige, stimmige Inszenierung dieser Beziehungskomödie von Pierre Chesnot in der Komödie im Marquardt in Stuttgart.

Sophie tanzt beschwingt im Abendkleid durch ihre neue Wohnung. Aus gutem Grund, denn sie hat viel vor. Einerseits wird sie heute 40 Jahre alt, andererseits will sie exakt an diesem Tag ihrem Leben ein Ende setzen. Gut gelaunt stellt sie die Magnumflasche auf den Tisch, stopft einen entsprechend langen Trinkhalm hinein und füllt den Sekt mit bunten Pillen auf. Ausgerechnet jetzt ruft ihre Freundin Susanne an, die ihr zum Geburtstag gratuliert. Die Zuschauer erfahren, dass Sophie schon wieder einen Selbstmordversuch plant, weil sich immer noch kein Mann fürs Leben festnageln ließ. Allein lebt sie mit ihrem ererbten Vermögen seit Kurzem in Paris.
Ihre Freundin nimmt ihr das Versprechen ab, mit dem Selbstmord noch drei Tage zu warten, bis sie aus dem Urlaub zurück sein wird. Damit es ihr nicht langweilig wird, soll Sophie in der Zwischenzeit einen Menschen glücklich machen, und zwar den erstbesten Mann, der ihr über den Weg läuft.

Das kommt schneller als gedacht, denn die Badewanne ist übergelaufen und hat ein Stockwerk tiefer Bertrands Wohnung überschwemmt. Als er – bekleidet mit einer ausgeleierten, gestreiften Pyjamahose älteren Modells – bei ihr klingelt, um sich zu beschweren, will Sophie sofort ihr Versprechen rückgängig machen. Zwar ist er exakt der Erste, aber leider rein optisch nicht der beste Mann. Bertrand, ein Junggeselle wider Willen – schrullig von den grauen Haaren bis zu den Schlappen – erforscht als Professor für alte Geschichte einen untergegangenen indischen Volksstamm. In seiner Freizeit näht er Stofftiere, teilweise so groß, dass sie als Sitzkissen zu gebrauchen sind.

Die weltgewandte Sophie bemüht sich pflichteifrig, ihr Versprechen einzulösen. Sie lädt den miesepetrigen Bertrand erst zum Schränkeaufhängen (mit bleibender Erinnerung an beiden Daumen) und dann zum Essen ein. Leider trifft Sophie mit ihren internationalen Rezepturen nicht seinen Geschmack. Die Chili-Fleischbällchen verführen ihn zu einer feurigen Solotanzeinlage. Bertrand möchte nicht unhöflich erscheinen. In einem unbeobachteten Augenblick lässt er das Essen in einer Schublade verschwinden oder katapultiert es zum Fenster hinaus. Köstlich ist sein Bemühen, in Sophies luftmatratzenähnlicher Sitzgelegenheit in die Senkrechte zu kommen.
Zwar kommen sie sich näher, aber immer wieder sieht es so aus, als wäre ihre Beziehung zu Ende. Sophie betrinkt sich allein, möchte ihrem Leben endlich ein Ende bereiten, springt aus dem Fenster und landet, statt im Himmel, auf Bertrands Balkon.

Voller Situationskomik geht es weiter in dieser flotten Inszenierung von Christian H.Voss. Für zwei kurzweilige Stunden können Theaterbesucher abschalten – vergnügt und unbeschwert.
Beide Akteure verkörpern überzeugend ihre unterschiedlichen Charaktere; starke Persönlichkeiten, die jede auf ihre Art sympathisch rüberkommen. Susanne Steidle als die kapriziöse, lebenslustige Sophie – trotz der pompösen Selbstmordinszenierungen. Sophie, die nie abschließt, weil sie immer ihre Schlüssel verliert. Andreas Klaue, der schrullige Bertrand, verschließt seine Türen und Fenster dreifach gesichert. Bis zum Happy End bleiben sie sich und ihren Idealen treu, tolerieren aber trotzdem den anderen.
Auf der Bühne (Alexander Roy) sehen die Zuschauer zwei gegensätzliche Wohnzimmer nebeneinander – elegant nach Feng-Shui eingerichtet bei Sophie; vollgestopft und widerstandsfähig gegen Erneuerungen bei Bertrand: Sein Archiv, bestehend aus Aktenbergen, daneben ein Ohrensessel – mit gediegenem Gobelinstoff bezogen – vorn seine selbst genähten Stofftiere.
Hervorragend passen die Kostüme von Sibylle Schulze. Bertrand, ein Mann, der keinen besonderen Wert auf sein Äußeres legt. Er wechselt kaum die Kleidung, genau wie seinen ausgeklügelten Wochenplan. Sophie wechselt ständig ihre eleganten Kleider und lebt planlos in den Tag hinein.

Schnelle, kurzweilige, stimmige Inszenierung dieser Beziehungskomödie in der Komödie im Marquardt in Stuttgart.

 

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Junggeselle:


Vier linke Hände – Komödie von Pierre Chesnot
Inszenierung: Christian H. Voss
Bühnenbild: Alexander Roy
Kostümbild: Sibylle Schulze

Mit
Susanne Steidle
Andreas Klaue