♫ Bayreuther Festspiele 2013: Tannhäuser – berührende Inszenierung

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Im Tannhäuser 2013 in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten beeindruckt die darstellerische Leistung der Sänger, die nicht nur präzise singen, sondern die Handlung auch durch ihr Minenspiel vorantreiben. Das gilt sowohl für den Chor – Leitung Eberhard Friedrich – als auch für die Solisten.

Zur Erinnerung: ♫ Inhalt / Handlung: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg

Der entnervte und unglücklich liebende Wolfram von Eschenbach – Michael Nagy – sieht krank aus. Seine innere Anspannung ist nicht nur in der Musik zu hören, sondern auch an seinen Seitenblicken und Handbewegungen zu sehen. Camilla Nylund zeigt als Elisabeth, die vor lauter unerfüllter Liebessehnsucht verrückt geworden ist, ihre Wandlung von der Schwärmerin bis hin zur letzten Konsequenz – ihren Freitod. Michelle Breedt, großartig von Stimme sowie Darstellung, gibt der hochschwangeren Venus eine verruchte Femme fatale, der es nichts ausmacht, nicht in den illustren Kreis aufgenommen zu werden. Sie weiß, dass Tannhäuser nur sie liebt, auch wenn er mit jedem Rockzipfel schäkert. Tannhäuser – Torsten Kerl – zeigt Elisabeth, dass sie ihm wert und teuer ist, dass er aber fest mit Venus verbunden ist und bleiben will.

Venus wird von den Edlen in Elisabeths Hofstaat – Günther Groissböck, Lothar Odinius, Thomas Jesatko, Stefan Heibach, Martin Snell – nicht anerkannt, was ihr aber nicht viel ausmacht. Tannhäuser dagegen wird lediglich hofiert, weil Elisabeth noch immer in ihn verliebt ist. Langsam aber muss auch Elisabeth erkennen, dass er zwar liebenswürdig zu allen weiblichen Wesen ist, aber nur Augen und Herz für die Venus übrig hat. Sie registriert die Vertrautheit des Paares Venus und Tannhäuser, die aus zwei verschiedenen Welten kommen. Zum Eklat kommt es im Sängerwettstreit, als Tannhäuser sein Lied singt, das eigentlich zu Ehren der Elisabeth erklingen soll. Dabei tanzen Tannhäuser und Venus ungeniert, sich verliebt in die Augen schauend – wie zu einem Liebeslied, das er nur für Venus allein singt. Die hochschwangere Venus legt sogar einen erotischen Solotanz aufs Parkett, während sie stolz ihren Bauch streichelt. Die Umstehenden sind peinlich geschockt. Anscheinend wissen die Beiden nicht, dass Elisabeth immer auf Tannhäuser gewartet hat. Die Konsequenz daraus zieht Elisabeth radikal. Sie legt ihren Schmuck ab und weist Wolfram an, sie in den Gaskessel zu stecken. Erst weigert Wolfram sich, ist aber sichtlich am Ende seiner Kräfte. Selbst als Elisabeth doch noch herauskommen möchte, hält er die Tür geschlossen. In seinem traurigen Abschiedslied vom „holden Abendstern“ tanzt er im Traum mit der Venus.

Diese Inszenierung berührt, obwohl oder weil sie nicht den gängigen Interpretationen entspricht.

Bayreuther Festspiele 2013
Tannhäuser – Oper von Richard Wagner

Besetzung 2013

Musikalische Leitung: Axel Kober
Regie: Sebastian Baumgarten
Bühnenbild: Joep van Lieshout
Kostüme: Nina von Mechow
Licht: Franck Evin
Video: Christopher Kondek
Dramaturgie: Carl Hegemann
Chorleitung: Eberhard Friedrich

 

Landgraf Hermann: Günther Groissböck
Tannhäuser: Torsten Kerl
Wolfram von Eschenbach: Michael Nagy
Walther von der Vogelweide: Lothar Odinius
Biterolf: Thomas Jesatko
Heinrich der Schreiber: Stefan Heibach
Reinmar von Zweter: Martin Snell
Elisabeth, Nichte des Landgrafen: Camilla Nylund
Venus: Michelle Breedt
Ein junger Hirt: Katja Stuber

 

Tannhäuser: