Hörbuch: Der Waschküchenschlüssel von Hugo Loetscher – gelesen von Emil Steinberger

Erinnerung an eine Rückblende

Was hat ein Waschküchenschlüssel mit dem sprichwörtlichen Schweizer Pflichtbewusstsein zu tun, und warum findet sich kein gemeinsames deutsch-schweizer Wort für ein Überkleid?
Der Waschküchenschlüssel steht für Akkuratesse, Eigenverantwortung und Pflichtbewusstsein der Schweizer Seele. Die Geschichte spielt in einer Zeit, als die Waschmaschinen noch nicht in jede Wohnung Einzug gehalten hatten, sondern im Mietshaus eine einzige Waschmaschine vorhanden war, die jeder Mieter für eine bestimmte Zeit benutzen durfte. Jede Mietpartei bekam nach einem bestimmten System den Schlüssel zur Waschküche. Dieses System galt für alle – ohne Ausnahme. Selbst für diejenigen, die diesen Schlüssel nicht brauchten, weil sie ihre Wäsche anders organisierten. Genüsslich wird erzählt, wie ein ahnungsloser Junggeselle ein heilloses Durcheinander provoziert. Für jeden Schweizer sollte das eine Mahnung sein, ja die Regeln einzuhalten.

Beide – sowohl der Autor Hugo Loetscher als auch der Interpret Emil Steinberger – sind Schweizer und ungefähr gleichaltrig. Sie zeigen unterhaltsam, mit der Abgeklärtheit des Alters, wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht. Was andere vielleicht in zwei kurzen Sätzen erzählen würden, dauert bei ihnen zwischen sieben und zwölf Minuten. Dabei wird nicht etwa Unsinn gedroschen – nein, es wird alles bis ins letzte Detail ausführlich erklärt. Jetzt endlich wissen die geneigten Hörerinnen, wie und warum die Schweizer so und nicht anders ticken.

Der Unterschied zwischen der deutschen Sprache und dem Schweizerdeutsch
Mehr als zwölf Minuten lang wird nach einem Wort gesucht, das die Arbeitskleidung eines Arbeiters beschreibt. Überkleid versteht man – nach Meinung des Lektors – in Deutschland nicht. Sämtliche Alternativ-Ausdrücke treffen aber nicht zu, denn entweder der Ausdruck ist zu spezifisch, oder zu modern, oder trifft nicht auf Arbeitskleidung zu, oder…

In einer weiteren Geschichte wird darüber sinniert, warum die Schweizer x-fache Ausdrücke und Wörter für Arbeit in Gebrauch haben, aber nur ein einziges für Freude.

Anschaulich wird berichtet, wie es dazu kommt, dass der Autor in Südamerika für ein Bücherpaket in die Schweiz die Portogebühr  selbst aushandelt.

Dieses Hörbuch empfiehlt sich für angespannte Menschen – zum Entspannen. Es beruhigt. Wer kann sich noch aufregen, wenn Emil Steinberger in seiner unnachahmlichen Art erzählt? Außerdem regen die Geschichten zum Mitdenken an. Für diese Gänge durch verwinkelte Gehirnwindungen braucht die Hörerin Zeit. Die wird ihr gegeben.

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Der Waschküchenschlüssel. Oder Was – wenn Gott Schweizer wäre von Hugo Loetscher (Autor), Emil Steinberger (Sprecher)
Spieldauer: 1 Std. 19 Min. | Diogenes Verlag AG (Oktober 2010) |

 

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Geschichten:

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