☛ Frankfurter Buchmesse 2015 – Selfpublisher und Auffallendes

Auffallen ist Alles! Entweder fallen Verlage durch ein besonderes Buch auf oder durch eine besondere Darstellung.
Selfpublisher präsentieren sich in einem eigenen Hallenbereich.

Auffallen durch ein Endlosbuch.

Hatje Cantz punktet mit einem meterlangen Kunstdruck in der Mitte des großformatigen Buches „Roma Rotunda“ von Jakob Straub. Vier Personen sind nötig, um dieses Wunder an Leporello halbwegs zu zeigen. Es benötigt etwas Platz. Im Privatgebrauch langt selten ein ausgezogener Esstisch. Besser wäre ein langer Flur.
Überhaupt werden die Bücher in ihren Aufmachungen immer interessanter. In der Halle 4.1 präsentieren Kunstverlage ihre Kostbarkeiten. Dort zeigt der Verband „Buchkunst International“ in einer Ausstellung exemplarisch schöne Bücher aus der ganzen Welt, pro Land drei Bücher. Vertreten sind sowohl Bildbände, Kinderbücher als auch ganz normale Romane, die von der Aufmachung her besonders stilvoll aussehen.
Einige davon werden im Laufe der nächsten Zeit ausführlich in den Buchtipps von 8ung.info vorgestellt.


Viel Raum für Selfpublisher.

Warum die Selbstverleger sich diesen Namen angetan haben, bleibt offen. So wie es aussieht, sind es hauptsächlich deutsche Autoren. Öffentlichkeit finden sie in einem eigenständigen Bereich, der Selfpublishing-Area in der Halle 3.0. Ihre gedruckten Bücher stellen sie an verschiedenen Stellen aus, unter anderem am Stand des Selfpublisher-Verbandes. In diesem neu gegründeten Zusammenschluss vernetzen sich freie Autoren und tauschen untereinander Erfahrungen aus. Der Verband setzt sich für ihre Belange ein, zum Beispiel für eine kostengünstigere ISBN, die ein Buch heute braucht, um überhaupt im Katalog für den Buchhandel zu erscheinen. Eine Ausstellung von Büchern der Klein- und Kleinstverlage kann sich sehen lassen, ist übersichtlich sortiert in verschiedene Schwerpunkte von Sachbuch und Belletristik. Einige der Autoren sind anwesend und stellen ihre Bücher vor.
Überhaupt geht es an dieser Selfpublishing-Area rege zu. An zwei verschiedenen Stellen werden Fachvorträge gehalten. Einmal eine moderierte Expertenrunde, bestehend aus Fachleuten der Anbieter. Parallel dazu erzählen „Alte Hasen“ aus ihrem Erfahrungsschatz den Autoren, was sie unternehmen können, um mit ihren Büchern besser auffindbar zu sein – im weiten Netz und bei Konkurrenz von X-Millionen anderen Büchern.

Um die Gunst der unabhängigen Autoren buhlen mittlerweile mehrere Anbieter.

Inzwischen nehmen nicht nur Leser, sondern auch große Verlage die Indies (Unabhängigen) ernst. Sie alle verfügen über Wissen, Können und Knowhow, die ein Selfpublisher ihrer Meinung nach unbedingt braucht.
Schreibsoftware ist für einen Autor sehr wichtig, besonders wenn sie praktische Funktionen enthält wie Papyrus. Mit der Duden-Funktion wird eventuell das Korrektorat gespart, aber es fehlt noch das Lektorat. Hier bieten über 700 freie Lektoren des Lektorenverbandes ihre Erfahrung an. Und das Cover gestalten professionelle Grafiker besser als die meisten Autoren.
Zu den zahlenmäßig größten Anbietern zählen Dienstleister, welche die Bücher in die stationären und Onlinebuchhandlungen bringen. Viele Autoren fangen mit einem E-Book an, weil das in den meisten Fällen umsonst ist – mit einigen Ausnahmen. Ein gedrucktes Buch erscheint vollkommen kostenfrei bei Kindle. Für Autoren, die nur auf Amazon und sonst keinem anderen Online-Buchshop veröffentlichen, winken finanzielle Vorteile. Sie werden an der Onlineausleihe beteiligt und können auch einen der (finanziell) attraktiven Preise gewinnen. Je mehr ihr Buch verkauft oder ausgeliehen wird, umso höher steigt ihre Beteiligung.
Für einen geringen Preis – als Basisangebot, das nach oben hin ausbaufähig ist – wirbt BOD mit kostenlosen ISBNs, Exemplaren für die Deutsche Nationalbibliothek, Rezensionsexemplaren und einem engen Netz von stationären Buchhändlern – durchaus ein Mehrwert.
Bevor das erhoffte, große Geld kommt – das einige Autoren schon verdient haben sollen – ist erst einmal finanzieller Einsatz gefragt. Verschiedene Plattformen werden von großen Publikumsverlagen unterhalten. Sobald ein Titel gut läuft, kümmern sich die hauseigenen Lektoren um das Buch. Ein Mehrwert sowohl für Autoren als auch Verlage. Sie sehen, welche Bücher Erfolg beim Publikum haben und ersparen sich dadurch manchen Fehldruck.
Die Fortsetzung kann also spannend werden, wenn diejenigen, die wissen, wie man Geld verdient, das Ruder in die Hand nehmen. Hoffentlich gehen die Selfpublisher dabei nicht unter.


Auffallen durch originelle Präsentation.

Auch Kleinstverlage können die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nur einen einzigen Titel – Hochzeitsratgeber von 1950 – hat dieser Verlag im Programm. Dabei gehört dieser Stand zum meist fotografierten dieser Buchmesse. Undergroundmarketing zahlt sich aus – Kreativität zählt manchmal mehr als ein Riesenbudget.


 

 

Kunst:

 

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