✍ Roman von Yadé Kara: Café Cyprus – ein Türke in London

Der junge Türke Hasan kommt nach London, um die Sprache zu lernen. Sowohl in Istanbul als auch in Berlin hat er jeweils ein Studium angefangen, es aber nicht zu Ende gebracht. Wird er es hier schaffen?

Die Schriftstellerin Yadé Kara erzählt aus der Perspektive eines jungen Mannes, und das merkt man und frau sofort. Hasan, ihr Ich-Erzähler, vereinigt die weiblichen Seiten in seiner Person. Er ist sensibel, schüchtern und in seiner Berufswahl alles andere als strebsam. Anrührend ist die Liebesgeschichte.  Sein Hoffen und Sehnen, seine Höhen und Tiefen, sein banges Warten auf einen Blick von ihr, sein nie-mehr-sehen-wollen lassen die Leserinnen mit ihm hoffen. Hannah hingegen, seine große Liebe, stellt ihren Beruf und ihre Karriere über alles. Diese Eigenschaft wird sonst eher den Männern zugeschrieben.

Leben, studieren und arbeiten in London

Bei einem Familienmitglied kommt Hasan in London unter – in einer Behausung, die denen in Kreuzberg ähnlich sieht. Er will die Sprache lernen, weil er sich dadurch bessere Berufschancen verspricht. Konkrete Berufsvorstellungen hat er zwar nicht, aber genügend Ehrgeiz, sein Geld für das Studium und seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen – ohne Unterhalt von seinen Eltern zu verlangen. Am Wochenende hilft er seinem Freund, der davon träumt, mit seinem Döner-Imbiss einmal McDonalds Konkurrenz zu machen. Während der Woche besucht er eine Sprachschule, die er sich von seinem Verdienst leisten kann. Am Abend wird er Mitarbeiter in einem türkischen Delikatessengeschäft, braucht also kein zusätzliches Geld für seine Verpflegung. Angeschlossen an diesen Laden ist das Café Cyprus, in dem sich türkische und griechische alte Männer treffen, die während des Zypern-Krieges das Land verlassen mussten. Jede Fraktion – griechische Zyprioten sowie türkische Zyprioten – besitzt in diesem Café ihre eigene Seite. Hassans Aufgabe ist es, die Schankschulden einzutreiben, die traumatisierten alten Männer zu beruhigen und sich nicht in ihre politischen Ansichten einzumischen.
Mit Khan, einem psychisch angeknacksten Künstler, und seiner Freundin verkauft Hasan auf dem Portobello-Market Kleider aus den Siebzigern. Damit kann er auch seiner von fern angebeteten „Sonne“, der englisch-türkischen Designstudentin Hannah, imponieren. Mit ihr verlebt er Tage wie im Flug, aber seine Eifersüchtelei bringt die Beziehung immer wieder in Schwierigkeiten.

Familienbindung in der Fremde

Dieser Roman erzählt von den Mühen und Freuden eines jungen Mannes, der seinen eigenen Weg finden will. Er probiert es fern von seiner Familie, sucht sie aber auch in der Fremde.
Der Besuch seiner Mutter steht unter nervenaufreibenden Vorzeichen, verläuft aber doch sehr harmonisch. Seine Mutter nimmt Anteil an sämtlichen Nachbarn, die er vorher nicht kannte. Sie erkundet London und die Lebensmittel-Märkte auf eigene Faust, macht seine Wohnung sauber und fährt nach drei Wochen zufrieden wieder ab.

Unser Buchtipp:

Insgesamt ist der Roman schlüssig erzählt, wenn auch verkehrte Welt – oder gar Wunschdenken?
Gleich online bestellen: Café Cyprus Roman von Yadé Kara | Taschenbuch, 384 Seiten | Diogenes-Verlag | Euro; 10.90 | Erschienen im Juli 2010

 

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