♫ Bayreuth 2016: Parsifal – Oase des Friedens

Ruhig und friedlich beginnt und endet der Parsifal in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg bei den Bayreuther Festspielen 2016. 

Die Premiere der neuen Parsifal-Inszenierung wird überschattet von den Ereignissen der letzten Tage und Wochen. Amokläufe und Terroranschläge forderten viele Todesopfer und Verletzte. Obwohl diese Inszenierung weitaus vorher entstanden ist, zeigt sie genau eine Antwort auf die Brutalität der jüngsten Vergangenheit – eine Gesellschaft, in der Angehörige verschiedener Religionen friedlich nebeneinander existieren.

Oase des Friedens in einer feindlichen Umgebung.

Der erste Akt im Parsifal beginnt im Dunkeln mit dem Vorspiel. Langsam öffnet sich der Vorhang. In einem Männerkloster finden Wohnsitzlose einen Schlafplatz für die Nacht. Sie werden von den Mönchen sanft geweckt. Das geschieht alles in einer Ruhe, welche die Aufmerksamkeit auf die Musik aus dem Orchestergraben lenkt. Bevor Soldaten mit gezückten Gewehren die Kirche durchsuchen, sind die Flüchtlinge (?) verschwunden.

Täter und Opfer

Als der „reine Tor“ Parsifal den Schwan erschießt, steht nicht er – der Täter – im Mittelpunkt, sondern das Opfer, der Schwan. Liebevoll bemühen die Mönche sich um ihn. Parsifal zeigt sich dadurch betroffen, denn anscheinend war ihm nicht klar, dass er mit seinen Schießübungen ein Lebewesen getötet hat.

Zum Raum wird die Zeit und zur Zeit wird der Raum

Auch die Einstellung zur Musik unterscheidet diese Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg von den Inszenierungen seiner Vorgänger. Entweder wurde sie wie im Film als Hintergrundmusik behandelt, siehe ♫ Parsifal in Bayreuth – Schlingensief, Beuys und der Filz

oder das Publikum durch allzu viel Aktionismus abgelenkt, siehe ♫ Parsifal in Bayreuth 2009 im Matrosen-Anzügle – Klingsor in Strapsen – Kundry im Umziehstress

Ein Animationsfilm (Gérard Naziri) führt die Zuschauer hinaus. Sie schauen hinab auf das byzantinische Kloster, entschweben ins Weltall, blicken auf Mesopotamien, dann den gesamten Orient und lassen die Erdkugel hinter sich. Sie fliegen ins Weltall, an kleineren und größeren Sternen vorbei und umrunden die Sonne. Jetzt geht es auf dem gleichen Wege wieder zurück ins Kloster. Das alles zur Verwandlungsmusik mit dem Titel „Zum Raum wird die Zeit und zur Zeit wird der Raum“. Durch diesen Trickfilm wird die Musik sichtbar gemacht. Es ist seltsam, wie stark diese unaufgeregte Animation hinführt zum intensiven Hören auf die Musik.

Inszenierung, Sänger, Orchester

Eine klare und deutlich erzählte Opernhandlung, die jeder Zuschauer verstehen kann. Inhalt und Aussage der Musik passen zusammen. Nach überfrachteten Bühnenbildern und persönlichen Auslegungen der letzten Inszenierungen, siehe ♫ „Parsifal“ – die Oper mit den Dehnungsfugen transportiert diese Inszenierung eine eindeutige Botschaft.

Es ist eine Aufführung zum Zurücklehnen und die Musik des Festspielorchesters zu genießen. Der kurzfristig eingesprungene Dirigent Hartmut Haenchen hat allerdings eher den Drang zu zügigen Tempi.
Sängerisch insgesamt ein sehr guter Abend mit harmonisch klingenden Blumenmädchen. Klaus Florian Vogt als Parsifal vermittelt mit seiner hellen, unverwechselbaren Stimme eine Art von Leichtigkeit. Bei Georg Zeppenfeld als Gurnemanz fasziniert seine deutliche Aussprache. Die ausdrucksstarke, wandlungsfähige Stimme von Elena Pankratova  überzeugt als Kundry. Ryan McKinny als Amfortas und Karl-Heinz Lehner als Titurel gestalten ihre Partie beeindruckend.

 

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Bayreuther Festspiele 2016: Parsifal mit Musik von Richard Wagner

Musikalische Leitung – Hartmut Haenchen, Regie – Uwe Eric Laufenberg, Bühne – Gisbert Jäkel, Kostüm – Jessica Karge, Licht – Reinhard Traub, Video – Gérard Naziri, Dramaturgie – Richard Lorber, Chorleitung – Eberhard Friedrich

Besetzung 2016

Amfortas – Ryan McKinny, Titurel – Karl-Heinz Lehner- Gurnemanz – Georg Zeppenfeld, Parsifal – Klaus Florian Vogt, Klingsor – Gerd Grochowski, Kundry – Elena Pankratova, 1. Gralsritter – Tansel Akzeybek, 2. Gralsritter – Timo Riihonen, 1. Knappe – Alexandra Steiner, 2. Knappe – Mareike Morr, 3. Knappe – Charles Kim, 4. Knappe – Stefan Heibach, Klingsors Zaubermädchen – Anna Siminska, Klingsors Zaubermädchen – Katharina Persicke, Klingsors Zaubermädchen – Mareike Morr, – Klingsors Zaubermädchen – Alexandra Steiner, Klingsors Zaubermädchen – Bele Kumberger, – Klingsors Zaubermädchen – Ingeborg Gillebo, Altsolo – Wiebke Lehmkuhl

 

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