Filmtipp: Lola Rennt – Ein deutscher Klassiker

Der Action-Thriller des deutschen Regisseurs und Produzenten Tom Tykwer von 1998, mit Franka Potente und Moritz Bleibtreu in den Hauptrollen, war, so zeigt eine Betrachtung heute, seiner Zeit deutlich voraus. Eine Retrospektive macht deutlich, dass der Film zurecht zu einem Symbol für ein neues und experimentierfreudiges deutsches Kino wurde und weit über die Landesgrenzen hinaus Wellen schlug und internationale Produktionen beeinflusste.

Dabei ist die Geschichte einfach zusammenzufassen: Lola, gespielt von Franka Potente, wird von ihrem Freund Manni, gespielt von Moritz Bleibtreu, aus einer Telefonzelle angerufen um sie um Hilfe zu bitten. Manni, der für einen Kriminellen als Kurier arbeitet, hat gerade ausversehen 100.000 Mark verloren, die er eigentlich in 20 Minuten seinem Boss übergeben sollte. Nun bleiben Lola also genau 20 Minuten um irgendwie 100.000 Mark zu beschaffen um Manni das Leben zu retten. Es folgt eine Hetzjagd gegen die Zeit, daher auch der Titel ‚Lola Rennt‘. Der Film zeigt nun dreimal dieselbe Zeitspanne in der Lola versucht das Geld aufzutreiben, nur führen kleine Handlungsunterschiede zwischen den Wiederholungen zu einem immer völlig unterschiedlichen Ausgang.  Im letzten Durchlauf schafft es Lola in ein Casino und setzt, entgegen jedem guten Roulette-Ratgeber, 100 Mark zweimal hintereinander auf die Nummer 20 und gewinnt genug um die Schulden ihres Freundes zu begleichen.

Dies war Tom Tykwers erster Spielfilm und auch gleich sein Durchbruch, damals war er erst 33. Der Film war so erfolgreich, dass sogar der Deutsche Filmpreis nach ihm benannt wurde – so heißt dieser seit 1999 „Lola“. Diesen Erfolg konnte Tom Tykwer, so wie es die Zeit im Zuge seines zweiten Berlin-Films „Drei“ im Jahr 2010 beschrieb, nie wiederholen. Egal ob Riesenprojekt, sowie die Verfilmung des Patrick Süskind-Romans Das Parfüm, oder Hollywood-Produktion, The International.

Obwohl die Handlung relativ einfach gestrickt ist, ist der Film schwer einzuordnen. Er ist komisch, spannend und beinhaltete einige gute Schreckmomente. Dazu läuft er auch mit 79 Minuten in klassischer Thriller-Länge. Auch die um den sogenannten Schmetterlingseffekt aufgebaute Erzählstruktur war zu dem Zeitpunkt nichts bahnbrechend Neues. So wird diese zum Beispiel schon von dem polnischen Regisseur Krysztof Kieslowski in 1981 in dem Film „Zensur“ als Methodik zur philosophischen Auseinandersetzung mit der Thematik Zufall und Schicksal genutzt.

Es ist das Zusammenspiel von den vielen sehr eigenwilligen Einzelteilen des Films, angefangen mit dem Erzähler aus dem Off (vom „Märchenonkel der Nation“ Hans Paetsch gesprochen), bis hin zu der, zu mindestens damals, außergewöhnlichen Stilmischung, die den Film so guckbar und zu einem internationalen Hit machte. Auch die Zeit hat an dem nichts geändert (so wurde dem Film in 2015 die seltene Ehre zu teil nun als Deutschprüfungsstoff in Englischen Schulen zu dienen).

Tykwer nutzt virtuos alle Mittel die ihm Film bietet (unter anderem Zeichentrickeinlagen, geteilte Bilder und Zeitraffer) ohne dass er sich diese durch eine künstlerische Beliebigkeit erkauft. Alle Einstellungen und genutzten Stilmittel stehen im Dienst der Handlung und treiben diese mit einem wahnsinnigen Tempo an. Zusammen erzeugt dies den Puls des Films; einen hektischen, stressreichen und atemlosen Rhythmus der sich auch in der Art und Weise wie Lola durch Berlin rennt wiederfindet. Diese Kombination machte auch Tykwer selbst in einem Interview mit dem Spiegel 10 Jahre nach der Produktion für den Erfolg des Films verantwortlich.

Die Dramaturgie, als spiralförmige Erzählstruktur konzipiert, spiegelt das Handlungstempo wieder. Denn dieses, nimmt wie eine Spiralform, immer weiter zu, bis das Zentrum erreicht ist. Die Spirale ist im Film auch mehrere Male als Bildmetapher eingebaut. In einer Iteration, als spiralförmige Frisur einer Frau in einem Bild an der Wand des Casinos, dient sie auch als Hommage an Hitchcock und dessen Film Vertigo.

Diese thematische Geschlossenheit und hinreißende Erzählschnelligkeit ist ansteckend und lässt die Energie der Bilder quasi von der Leinwand springen. So bereitete der Film schon damals, 1998 als er in die Kinos kam, genau wie heute, eine pure und unbändige Freude.

Als letztendliche Bestätigung des mittlerweile erreichten Kultstatus dienen eine ganze Anzahl von verschiedenen Parodien und Hommagen; von den Simpsons, der kanadischen Fernsehserie Orphan Black, Buffy, Scrubs, Johnny Bravo und bis hin zu einer ganzen Reihe von Erotikfilmen – in allen wird auf Tykwers Meisterwerk verwiesen.
Filmkritik:

  • Willkommen bei den Sch’tis
    Mein Tipp: Wann immer dieser Film irgendwo gezeigt wird, schauen Sie sich ihn an! Die Sch’tis vertreiben sämtliche Sorgen und Depressionen. Ein paar Stunden voller Fröhlichkeit kann doch jeder g …