☛ Camera Obscura: Lübecker Holstentor schlägt einen Purzelbaum

Ausstellung im St. Annen Museum in Lübeck

Die größte begehbare Kamera der Welt steht nicht im Guinnessbuch der Rekorde, sondern vom 21.5. bis 28.8.2022 in Lübeck vor dem Holstentor. Entworfen und gebaut hat sie der Lichtkünstler Martin Streit☛ Camera Obscura: Lübecker Holstentor schlägt einen Purzelbaum | Kulturmagazin 8ung.info.

Camera Obscuravon außen mit dem Lübecker Holstentor
Dr. Dagmar Täube und Martin Streit vor der Camera Obscura, im Hintergrund das Holstentor von Lübeck

Sie besteht aus zwei übereinander gestapelten Schiffscontainern, dazwischen führt eine Treppe zur Fotoplattform. Hier steht das Holstentor im dunklen Raum direkt vor der Besucherin, und zwar auf dem Kopf.

in der Camera Obscura: Lübecker Holstentor auf einer Containerwand
In der begehbaren Camera Obscura – Bild am Ende des Containers

Wie funktioniert eine Camera Obscura?

… je dunkler der Raum ist, umso klarer wird das Bild auf dem Tisch. Bei geschlossener Tür erkennen die erstaunten Besucher das Schloss gegenüber. Für Fotografen mit heutigen Kameras ein Aha-Erlebnis…
weiterlesen → Camera Obscura in Marburg

Lichtkammer oder Dunkelkammer?

Das Holstentor in Lübeck steht nicht nur auf dem Kopf, es dreht sich um die eigene Achse. Möglich wird das mit Hilfe von zwei Schiffscontainern und einem winzigen Loch von 1-Euro-Größe, das mit einer Blende ein paar Millimeter größer oder kleiner verstellt werden kann. Dadurch überträgt sich das Holstentor – von verschwommen bis relativ scharf – in eine „Dunkle Kammer“ (Camera obscura) .
Das Loch in der Wand ist der Brennpunkt. Die Abstände zwischen Holstentor und Loch im Container sind genau berechnet. Ebenso die Abstände zur Leinwand, auf der das Bild wiedergegeben wird. Es wirkt wie von Impressionisten gemalt.

Holstentor macht Yoga

Camera Obscura: Lübecker Holstentor mit Zuschauer
Zuschauer in der Camera Obscura vor dem Bild des Holstentors

Das Holstentor steht mannsgroß vor der Containerwand. Huch – was ist denn da passiert? Es steht auf dem Kopf und verwechselt auch noch rechts mit links. Die Leute laufen an der Decke entlang. Wäre vor dem Bild nicht die Silhouette eines Mannes, der vor mir steht, käme ich ins Grübeln.
Yoga-Praktizierende hätten keine Probleme. Mit einem Kopfstand wäre ihre Welt wieder im Lot.

Camera Obscura zum Mitnehmen

Martin Streit mit der Camera Obscura im Kleinformat
Martin Streit mit seiner handlichen Version der Camera Obscura

Martin Streit hat noch einmal eine Camera Obscura im Miniformat gebaut – die handliche Version. Vorn ein Loch, hinten eine Digitalkamera.

Martin Streit vor der Camera Obscura, Lübecker Holstentor
Martin Streit vor der großen Camera Obscura, bereit zu einem Schnappschuss aus der Hüfte mit der Miniversion der Kamera

Stellen Sie sich vor, sie schießen einen Schnappschuss aus der Hüfte. Das Loch in der Box halten Sie auf das Motiv und drücken auf den Fernauslöser der Digitalkamera. Dabei muss die Fotobox lichtdicht abgeschlossen sein, damit ein Bild erzeugt werden kann. Was dabei herauskommt, muss nicht unbedingt das sein, was Sie vor Augen hatten.

Schönheit des Lübecker Sackbahnhofs

Mit der Fotobox kann der Fotograf auf ein Motiv halten. Ob er es aber wirklich trifft, ist reine Glücksache. Das Bild, das die Kamera aufnimmt, ist es auch. Verschwommen, nebelig, mit einem eigentümlichen Reiz.

Bild mit der kleinen Camera Obscura: Gleise im Lübecker Hauptbahnhof
Ausstellung im St. Annen Museum: Lübecker Hauptbahnhof, mit der kleinen Camera Obscura fotografiert

Lübecker Bahnhof im Nebel. Ich werde regelrecht in das Bild hineingezogen, sehe es vor meinem inneren Auge und kann es genau beschreiben. Strahlend hell die Ausfahrt, dunkle Gleise rechts und links führen in den Nebel hinein. Oberlichter wie eine Tüte voller Strahlen. Liefe vorn nicht ein Fahrgast im Nebel durchs Bild, wäre alles symmetrisch.
Ein Zug kommt auf mich zu. Undeutlich, aber sehr realistisch löst er sich aus einem grauen Nebel heraus. Das zumindest hätte ich schwören können, bevor ich mir mein selbst geschossenes Foto angeschaut habe.
Es muss wohl ein Geisterzug gewesen sein – na sowas!

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