Landesmuseum Stuttgart: „Berauschend“ – Ausstellung im Aufbau

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Planung und Ausführung einer Sonderausstellung dauert ungefähr 2 ½ Jahre, danach läuft die Ausstellung im Landesmuseum ½ Jahr. So manchem Zeitgenossen mag es sehr lang vorkommen. Erstaunt stellen einige fest, dass sie es wieder einmal nicht geschafft haben. Die Dauer war eigentlich viel zu kurzLandesmuseum Stuttgart: „Berauschend“ - Ausstellung im Aufbau | Kulturmagazin 8ung.info

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Vorbereitungen: Wer denkt schon daran, dass sie das Fünffache an Zeit beanspruchen?

Der längste Weg beginnt mit dem 1. Schritt. Mindestens 2 ½ Jahre vergehen, bevor die Ausstellung steht – und am Abend vorher noch alle Mitarbeitenden in Hektik herumlaufen, weil dieses oder jenes noch erledigt werden muss.

Sonderausstellung: Erst kommt die Idee

Im Falle von „Berauschend“ könnte es der Zustand nach einem größeren Fest, Jubiläum, Hochzeit sein. Wohlig berauscht – higgs!

Große Sonderausstellung „Berauschend – 10.000 Jahre Bier und Wein“: Trinkhorn (sog. Greifenklaue) Ende 14. Jahrhundert, Wisenthorn, Silber, vergoldet, Email Landesmuseum Württemberg, Stuttgart © Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch
Große Sonderausstellung „Berauschend – 10.000 Jahre Bier und Wein“:
Trinkhorn (sog. Greifenklaue) Ende 14. Jahrhundert, Wisenthorn, Silber, vergoldet, Email
Landesmuseum Württemberg, Stuttgart © Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch

Ein Vorschlag im Kollegenkreis führt sofort zu weiteren eigenen Erlebnissen wie die S-Bahnfahrt am Abend in einem voll besetzten Wasenzug. Wieder andere weisen darauf hin, dass die Schwaben schon lange um die Wirkung von Alkohol gewusst haben. Sie bauten mutwillig Weinreben an, die sich bis in die heutige Zeit als Semsakrebser (Fenstersims-Kletterer) gehalten haben. Eine Frucht, die sich durch ihren hohen Säuregehalt auszeichnet. Teilweise dient es auch als Bezeichnung für einen Mitmenschen, bei dem die gute Laune irgendwo auf der Strecke geblieben ist.

Hürden werden genommen

Es hagelt an Gedankenblitzen, die nicht alle berücksichtigt werden können. Darunter fällt die Idee vom schwäbischen Nationalgetränk, dem Apfel-Moscht. Dass sauer bekanntlich lustig machen soll, sieht mensch an den lebensfrohen und immer lustigen Schwaben. Diese Ausstellung beschränkt sich allerdings nur auf Bier und Wein – dafür aber die letzten 10.000 Jahre.
Die nächste Hürde ist die Direktion, die zustimmen muss, um die Mittel fließen zu lassen. Das gehört zu den kleineren Übungen – gebongt! Genehmigt wird eine bestimmte Summe, mit der die Fachgruppe auskommen muss. Darüber wacht der Ausstellungs-Manager.

Nächste Schritte führen ins Depot, dem Lager für nicht ausgestellte Schätze

Was könnte für die Ausstellung interessant sein? Hier sichten die Kuratorinnen, die die Schau zusammenstellen, gemeinsam mit dem Ausstellungs-Manager und den Restauratorinnen, die die Stücke erhalten und pflegen.
So eine Fülle von Vorzeigeobjekten weckt Begehrlichkeiten. Hervorragend passt ein ramponiertes Fass, das aus einem herzoglichen Weinkeller stammt. Es wurde ausgemustert, nachdem ungebetene Gäste sich dort reichlich daneben benommen haben. Und schon tönt es von Restauratorenseite: „Neu, des goht idde. Da brauchet mir 300 zusätzliche Stonda an Arbeit.“ Damit ist auch ohne Finanzexperten klar, dass die Zeit von 2 ½ Jahren nicht langt. Also suchen sie sich etwas anderes aus und lassen dieses Glanzlicht großzügig weg.

Leihgaben in der Sonderausstellung

Wie bei jeder Ausstellung gibt es Dinge, die im Haus nicht zu finden sind, aber in anderen Museen noch im Depot schlummern. Schnell steht die Liste der begehrten Ausstellungsstücke. Und schon wieder kommt der Ausstellungsmanager als Spielverderber zum Zuge. Die Leihgebühren schlagen genau so zu Buche wie der Transport – der erst recht. Wenn mit dem eigenen Museumsauto etwas transportiert werden kann, können die Stücke herbeigeholt werden.
Anders sieht es aus, wenn eine Kunst-Transportfirma den Auftrag bekommt. Von Hamburg, St. Petersburg oder New York, in die es die reiselustigen Schwaben einmal verschlagen hat. Also wieder die Lieblingsstücke streichen.
Stehen Themen, Anzahl, Größe fest, wird eine Ausschreibung an Designbüros verschickt. Die Agentur, die den Ausstellungsmachern die beste Lösung liefert, wird beauftragt.

Es wächst die Zahl der Planer

Museumskuratorinnen, Restauratorinnen, Ausstellungsmanagerin und Designerin finden zusammen den endgültigen Entwurf.
Wie werden die Besucherinnen gelenkt, damit sie sich Punkt für Punkt die Umsetzung anschauen können? Wo stehen die Vitrinen? Welche Informationen sind gut für Anschauen und Lesen? Welche Objekte brauchen viel Raum um sich herum?
Für manche Objekte muss der Abstand mindestens einen Meter betragen, um die Lust zum Anfassen etwas zu bremsen. Andererseits ist es wichtig, dass auch größere Gruppen sich die Kostbarkeiten anschauen, ohne mit dem Hinterteil an die Vitrinen zu stoßen.

Nach dem gedankenschweren Teil folgt der praktische

Beauftragte Werkstätten liefern. Im Raum stehen kahle Gerüste aus Holz, die mit Stoff bespannt werden – alles nur Schein, kein Beton. Dann finden die 5-Zentner-schweren Vitrinen ihren Platz, wieder in Verbindung mit allen Beteiligten. Die Ausstellung auf dem Papier ist eine Sache, sie in der Praxis zu erproben eine andere.

Große Sonderausstellung „Berauschend – 10.000 Jahre Bier und Wein“: Trinkgeschirr in Form eines Segelschiffs Esaias zur Linden (nachweisbar 1609–1632), Nürnberg, 1630/32, silbervergoldet Landesmuseum Württemberg, Stuttgart Ausstellungsbereich „Willkomm und Prosit – Trinkrituale und Herrschaftsrepräsentation“ © Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch
Große Sonderausstellung „Berauschend – 10.000 Jahre Bier und Wein“: Trinkgeschirr in Form eines Segelschiffs Esaias zur Linden
© Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch

Wenn die Vitrinen befüllt werden, geschieht das grundsätzlich zu zweit. Eine Restauratorin setzt das empfindliche Teil ein. Sie weiß genau, welche Stelle sich zum Drehen und Wenden eignet. Die Kuratorin dirigiert im 2-Meter-Abstand die richtige Schauseite. Mal sehen drei Pfannen aus, als ob sie schweben oder zwei Bierkrüge prosten sich zu.

Mehr oder weniger Information?

Für manche Besucher fehlen in den Vitrinen noch kleine Informationsschilder. Wie alt ist es, woher stammt es, wofür wurde es genutzt? Das interessiert nicht jede Besucherin, wird vielleicht sogar als störend empfunden. Also erhält jedes Objekt eine Nummer, die jeweils exakt in der Reihe ausgerichtet ist. Dadurch fallen sie nicht störend auf. Ebenso die Infotafeln. Auch sie stehen, akkurat ausgerichtet, an der linken Seite aufgereiht. Alles, was mit einem Blick zu erfassen ist, wird schnell abgehakt und stört nicht bei der Betrachtung. Der Blick bleibt nicht an einem „Ausreißer“ hängen. Kenner wissen es zu schätzen.

Was fehlt noch? Die genaue Beleuchtung!

Der Lichtdesigner stellt die Lampen so ein, dass jeweils die Schokoladenseite gut zu erkennen ist. Ein sportlicher Mann, denn er klettert für jeden Scheinwerfer die Leiter hoch, um den Deckenstrahler haargenau auf die Blickpunkt zu richten – für JEDES Objekt.
Dabei kommt es nicht nur auf den richtigen Punkt an. Diese teilweise 10.000 Jahre alten Objekte sind empfindlich und sollten mindestens noch einmal so lange halten.
Textilien vertragen keine starke Strahlung, wie wir es leider von unseren Kleidern kennen, die mit einer Seite am Fenster mit grellem Sonnenlicht standen. Andere, wie Glas, leuchten, je mehr Licht darauf fällt. Es ist wichtig, die Bedürfnisse der einzelnen Materialien zu kombinieren, dass sie sich gegenseitig nicht stören.

Ende in Sicht?

Ist dies – und noch viel mehr – erledigt, verschwinden die Technikteile hinter Platten und Vorhängen.
Die Ausstellung „berauschend“ kann von Besuchern gestürmt, durchschweift, bewundert werden.

Große Sonderausstellung „berauschend“

Große Sonderausstellung im Landesmuseum Stuttgart
„Berauschend – 10.000 Jahre Bier und Wein“

22. Okotober 2022 bis 30. April 2023
Freier Eintritt am großen Eröffnungswochende 22. und 23. Oktober!
Kein Vorverkauf – Einfach kommen!
Inbegriffen sind die Sonderausstellung inkl. Multimediaguide sowie die Schausammlungen im Alten Schloss.