Der 6. Stuttgarter Medienkongress am 17.11.2015 stand unter dem Motto: „Im Paradies der Medien“. Mir stellen sich mehr Fragen, als ich Antworten erhielt.
Die illustre Expertenrunde mit Thomas Langheinrich (LFK), MP a. D. Kurt Beck (Friedrich-Ebert-Stiftung), Peter Kloeppel (RTL), Kurt Sabathil (Schwäbisch Media), Achim Voeske (antenne 1) und Markus Schöberl (HdM) hochkarätig besetztem Podium verrät, woher sie am Morgen ihre Informationen bezieht. Zeitung steht an erster Stelle, dann folgt das Radio. Lediglich Markus Schöberl meint selbstbewusst: „Natürlich ist das iPhone das erste, was am Morgen eingeschaltet, und das letzte, was am Abend ausgeschaltet wird.“ Er bezieht sein Wissen aus Schlagzeilen. Wenn ihn irgendetwas interessiert, kann er ja auf weitere Informationen klicken.
Aus dem Zuschauerraum wurde moniert, dass zwischen ergrauten Teilnehmern nur ein junger sitzt – der einzige mit originären Haaren. Wo dieses Alter doch die kommende Zielgruppe darstellt, um die sich die Medienschaffenden kümmern sollten.
Wirklich?
Nach meiner Beobachtung ist noch eine andere Altersgruppe auf dem Vormarsch. Im Stadtteil-Quartier „wirRauner“ wurde ein Tablet-Kurs angeboten. Mit zehn Teilnehmern hat man gerechnet. Es kamen über 50 Interessenten, die ein Tablet von ihren Enkeln oder Kindern geerbt haben und es auch gebrauchen wollen. Diese Zielgruppe der Generation 60+ hat noch ein paar Jährchen Online-Nutzung vor sich. Wenn es Angebote gibt, die ihren Sehgewohnheiten entsprechen, könnte es lukrativ werden.
Was ist lukrativ?
Der Privatsender Bodensee TV hat sich für das Jahr 2015 das Thema Flüchtlinge vorgenommen, bevor die Brisanz abzusehen war. Die Beiträge gestalten sich emotional mit Bildern und Schicksalen einzelner Flüchtlinge.
Wie finanziert sich so ein Thema? Mit Werbung ist kein Geld zu verdienen, denn welcher Kunde schaltet auf Probleme? Von der MFG Baden-Württemberg erhielten sie einen Zuschuss. Der Rest wird als „gut für das Image“ abgeschrieben.
Sieht so die Finanzierung von werbeuntauglichen Themen aus?
Ist die Zeit der hochwertigen journalistischen Inhalte als wichtige Nachrichtenquelle vorbei?
Wer mag sich noch ein Thema leisten, das für Werbung uninteressant ist?
Prof. Dr. Uwe Hasebrink zeigt mit Diagrammen, dass die jungen Leute mehr zu Onlinemedien neigen, während die älteren lieber die Printmedien bevorzugen. Sollte die morgendliche Zeitung eingestellt werden, müssen auch sie zum Tablet greifen.
Was wäre, wenn sie ihre gewohnten Themen wie gehabt am gleichen Fleck vorfinden – Sport, Politik, Kultur…
Auf Journalisten wartet Arbeit für die nächsten 20 Jahre – meine ich.
Wie wird journalistische Arbeit im Web bezahlt?
Leider wurde dieser Aspekt, der doch allen (freien) Journalisten unter den Nägeln brennt, nicht weiter ausgeführt. Außer Bezahlschranken und Werbung scheint es keine Alternative zu geben. Bezahlschranken lohnen sich nur für die fünf Großen der Medienwelt. Werbung bringt immer weniger ein, da sie mit Adblockern leicht abgeschaltet werden kann.
Wer möchte Beiträge sehen, die nicht zu dem gesuchten Thema passen?
Im Web läuft vieles automatisiert. Algorithmen von Google oder Amazon sorgen dafür, dass die persönlichen Vorlieben der Suchenden gefiltert werden. Was wichtig ist, entscheiden gefütterte Maschinen nach eigenem Gutdünken. Das führt allerdings dazu, dass Autoren ihre Beiträge schon unter diesem Gesichtspunkt schreiben.
Das heißt dann SEO 😉
Dabei möchten viele User die persönliche Einstellung eines Experten wissen, siehe unten.
Der letzte Beitrag gib mir endlich eine Antwort.
Steffen Koch gründet mit Cloud4you ein Portal, in dem Experten den Lesern ihre persönlichen Lieblinge verraten. Ein DJ gib seinen Lieblingssong an, ein Literaturkritiker weist auf sein Lieblingsbuch hin – natürlich gleich mit Bestelllink.
Steffen Kochs Credo: Wer genau das macht, was ihm/ihr gefällt, wird auch irgendwann damit Erfolg haben. Dann stellt sich der finanzielle Gewinn von selber ein.
Sobald diese Wunschvorstellung Wirklichkeit wird, befinden wir uns im Medienparadies, siehe Motto des Medienkongresses.
Diese Eindrücke vom Stuttgarter Medienkongress 2015 richten sich keineswegs nach den (noch) nicht vorhandenen Werbekunden dieser Seite, und auch nicht nach den mir unbekannten Algorithmen von Google, sondern geben meine persönlichen Eindrücke wieder. Genau wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, es wahrscheinlich erwarten, siehe oben.
Mit Blick auf paradiesische Zeiten verbleibe ich
Ihre Dorle Knapp-Klatsch 🙂
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