Repertoire-Vorstellung mit den Sänger/Darstellern der Oper Stuttgart – einer der Höhepunkte in der Spielzeit 2011/12.
Graf und Gräfin Almaviva treten in Rokoko-Kostümen auf. Der Graf (Shigeo Ishino mit baritonalem Schmelz ) wirkt edel, selbst wenn er im Nachthemd nach Susanna sucht und sich im Bad verstecken muss – ausgerechnet neben seinem Rivalen Cherubino. Die Gräfin (Catriona Smith, mit variabler Sopranstimme) ist in ihrem vornehmen, weit ausladendem Kleid sofort als Adlige zu erkennen. Catriona Smith verkörpert überzeugend diese Rolle. Selbst wenn sie mit Susanna die Kleider tauscht, behält sie ihre vornehme Haltung.
Regie, Bühne und Kostüme
Bei diesem Verwirrspiel, in dem jeder sich irgendwo versteckt, in die Kleider des anderen schlüpft oder an verschiedenen Stellen kurz auf der Bühne erscheint, behalten die Zuschauer dennoch den Durchblick, siehe
-> Inhalt / Handlung: Figaros Hochzeit von Wolfgang Amadeus Mozart
Nicht nur die Übertitel tragen zum Verständnis bei, sondern Regie, Bühne und Kostüme – bei Nigel Lowery ist alles aus einem Guss. Gut unterscheiden kann das Publikum die einzelnen Personen in ihren individuellen Masken und Kostümen.
Ein paar schräge Typen bevölkern die Bühne.
Figaro (André Morsch) verfolgt Susanna und den Grafen im Hausmeisterkittel. André Morsch gibt mit seinem Bariton den Gegenpart zum Grafen. Beide sind ebenbürtig, sowohl was die Stimme als auch die Darstellung anbelangt. Susanna (Pumeza Matshikiza) tritt privat mit einem karierten Miniröckchen auf, im Dienst als Stubenmädchen mit weißer Schürze. Pumeza Matshikiza, seit dieser Spielzeit Ensemblemitglied der Oper Stuttgart, hat sich schon längst in die Herzen des Opernpublikums gesungen. Bartolo (Karl-Friedrich Dürr) wurde zu einem Carabinieri umfunktioniert. Helene Schneidermann singt jetzt glücklicherweise wieder vermehrt in Stuttgart. Ihre Marcellina bekommt als Erkennungszeichen eine dicke Brille und gefärbte lange Haare verpasst, die als Zeichen ihres Alters am Scheitel grau auswachsen.
Als Antonio ist Mark Munkittrick mit seinem unverkennbaren Bass gleich heraus zu hören. Ihn ausfindig zu machen ist etwas schwieriger, denn statt der gewohnt schlaksigen Gestalt bewegt sich eine Obelix-Figur über die Bühne. Der kleine Schwerenöter Cherubino wird – vom Äußeren her – seine besten Chancen bei absolutem Männermangel haben. Diana Haller, mit ihrem Mezzosopran häufig in einer Hosenrolle zu hören, verkörpert auch ihn souverän. Basilio (Heinz Göhrig) schleicht herum mit pechschwarzen, fettigen Haaren, einem weinroten Jackett und Hosen, die über den Knöcheln enden. Heinz Göhrig, der wandlungsfähige Sänger/Darsteller, schlüpft in viele Rollen hinein – perfekt. Den Richter Curzio singt Roberto Ortiz. Barbarina (Yun-Jeong Lee) zwitschert mit ihrem hohen Sopran, während sie in ihrem seidenen Kleidchen über die Bühne trippelt.
Das Bühnenbild spielt mit der offenen Verwandlung.
Die Zimmer sind fast leer, bis auf wenige Requisiten. Sobald die Handlung in den gräflichen Gemächern spielt, schweift der Blick aus dem Fenster in den Schlossgarten. In der Dienerwohnung fällt der Blick in einen Hinterhof.
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Figaros Hochzeit (Le nozze di Figaro) von Wolfgang Amadeus Mozart in der Oper Stuttgart
Musikalische Leitung: Uwe Sandner, Regie, Bühne und Kostüme: Nigel Lowery, Licht: Pat Collins, Chor: Johannes Knecht, Dramaturgie: Juliane Votteler
Foto: Ebby May
Besetzung am 5. Dezember 2012:
Graf: Shigeo Ishino, Gräfin: Catriona Smith, Susanna: Pumeza Matshikiza, Figaro: André Morsch, Cherubino: Diana Haller, Marcellina: Helene Schneiderman, Bartolo: Karl-Friedrich Dürr, Basilio: Heinz Göhrig, Curzio: Roberto Ortiz, Barbarina: Yun-Jeong Lee, Antonio: Mark Munkittrick

