Renate Hücking stellt in diesem aufwendigen Bildband 15 Blumenmalerinnen aus vier Jahrhunderten vor, jede mit ihrer individuellen Sicht auf Blumen, Früchte, Kräuter und teilweise auch Insekten wie Schmetterlinge und ihre Larven.
- Von dem Format des Bildes (24,5 x 34,5 cm) her sind die Früchte wohl in Originalgröße gezeichnet.
- Ganz anders wirken die Johannisbeeren von Beate Sellin, gemalt 2010 mit knalligen Acrylfarben.
- Ähnlich groß – wenn auch nur einen halben Meter – misst die Erbsenblüte (gemalt 2006) von Sylvia Peter.
- Auf Genauigkeit kam es auch Maria Sibylla Merian (1647 – 1717) an.
- Botanische Malerei aus vier Jahrhunderten.
- Ein Buch wie eine Wattewolke – sich hineinpflatschen lassen und genießen.
Von dem Format des Bildes (24,5 x 34,5 cm) her sind die Früchte wohl in Originalgröße gezeichnet.
Kirschen, gebettet auf Blätter, die anscheinend nicht vom Kirschbaum stammen. Kirschrot leuchtet die Schale – dunkel bis hell – voll reifer Kirschen, die Stiele nach oben gestreckt. Im Hintergrund reihen sich Kirschblätter auf, von der Vorderseite, im Profil und der Unterseite. Deutlich zu erkennen sind Blattadern, Zacken und Fraßstellen. Nelken am Fuß der Schale dienen der Dekoration. Vorn liegt ein kleines Aststück mit Blättern und Früchten. An den Stielen hängen noch Holzstückchen von den frisch gepflückten Kirschen. Gemalt hat dieses Stillleben Giovanna Carzoni (1600 – 1670), die älteste Blumenmalerin in diesem Buch.
Ganz anders wirken die Johannisbeeren von Beate Sellin, gemalt 2010 mit knalligen Acrylfarben.
Auf einer Leinwand von 200 x 160 cm, also Übermannshöhe, zeigt sie in einem Ausschnitt das Endstück einer Traube von Johannisbeeren. Ebenso wie bei Giovanna Canzonis Kirschen ist jedes winzige Detail zu erkennen, von den grünen Stielen bis zum schwarzen Fruchtansatz. Die einzelnen Beeren messen Luftballongröße. Licht knallt hart von oben und wirft die Schatten unten ans Bild. Durch die Beleuchtung wirken die Farben von sonnigem Hellrot bis zum beschatteten Dunkelrot. Licht spielt bei der Malerin eine große Rolle. Ihre Stachelbeeren auf einem anderen Bild scheinen von innen her zu leuchten.
Ähnlich groß – wenn auch nur einen halben Meter – misst die Erbsenblüte (gemalt 2006) von Sylvia Peter.
Hell und Dunkel setzt sie gezielt ein. Von hinten wird die Erbsenblüte beleuchtet. Dadurch schimmern die dunklen Blätter durch die Blattflügel der fein geäderten weißen Blüten. Sylvia Peter mischt die Farben nicht, sondern trägt sie dünn auf, Schicht für Schicht, damit die unteren Farben noch durchscheinen. Wochenlang sitzt sie an einem winzigen Härchen.
Auf Genauigkeit kam es auch Maria Sibylla Merian (1647 – 1717) an.
Sie malte Früchte und Blumen, die damals noch niemand kannte, mit darauf lebenden Schmetterlingen und deren Raupen. In einer gewagten Expedition nach Surinam reiste die 54-jährige Malerin allein mit ihrer Tochter. Fast hätte sie eine Tropenkrankheit nicht überlebt – und die Nachwelt hätte ihre wunderschönen Kupferstiche nicht gesehen, die sie nach ihrer Rückkehr veröffentlichte.
Botanische Malerei aus vier Jahrhunderten.
Sie unterscheidet sich von den Stillleben dadurch, dass „ein Botaniker alle seine Fragen darin beantwortet sieht“. Der Stil ändert sich zwar und auch der Blickwinkel, aber die Genauigkeit bleibt. Wer hätte früher schon einen Blick auf eine verwelkende Blume geworfen? Diese farbige Leuchtkraft bringt Fiona Strickland in ihren Helianthus- und Irisbildern (gemalt 2012) heraus.
Ein Buch wie eine Wattewolke – sich hineinpflatschen lassen und genießen.
Blumenmalerinnen: Porträts besonderer Frauen und ihr Blick auf die Natur von Renate Hücking | Callwey (10. September 2012) | EUR 39,95
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